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Pädagogik

In Parsberg lernen Schüler voneinander

Mittelschüler mit Migrationshintergrund und Gymnasiasten sind in einer Gruppe. Davon profitieren beide Seiten.
Von Peter Tost

Antonette Molkenthin (hinten rechts) ist die Leiterin der gemischten Ganztagsgruppe am Parsberger Gymnasium. Foto: Gloßner
Antonette Molkenthin (hinten rechts) ist die Leiterin der gemischten Ganztagsgruppe am Parsberger Gymnasium. Foto: Gloßner

Parsberg.Eine in jeder Hinsicht außergewöhnliche und pädagogisch äußerst wertvolle Zusammenarbeit gibt es seit diesem Schuljahr zwischen dem Gymnasium und der benachbarten Mittelschule. Schüler mit Migrationshintergrund und Gymnasiasten verbringen im offenen Ganztagsangebot gemeinsam ihre Zeit – und profitieren davon, wenn auch auf etwas unterschiedliche Art und Weise.

Dabei war zunächst alles ganz anders geplant gewesen. Weil es Ende des vergangenen Schuljahres weder am Gymnasium noch an der Mittelschule ausreichend Anmeldungen für offenen Ganztagsunterricht gegeben hatte, wollten der Leiter des Gymnasiums, Josef Gloßner, und sein Amtskollege Matthias Ferstl von der Mittelschule ein gemeinsames Angebot einrichten.

Interesse an Betreuung sank

„Nach der Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium findet deutlich weniger Nachmittagsunterricht statt. Deshalb war das Interesse an der offenen Ganztagsbetreuung bei uns stark zurückgegangen“, erinnert sich Gloßner. In der Planungsphase für das gemeinsame Angebot erhielt Matthias Ferstl allerdings ein Schreiben vom Kultusministerium.

„Darin wurde angekündigt, dass aus den sogenannten Übergangsklassen, in denen bisher Schüler mit Migrationshintergrund und deshalb mangelnden Deutschkenntnissen unterrichtet wurden, ab dem neuen Schuljahr Deutschklassen für den ganzen Tag gemacht werden“, sagt der Leiter der Mittelschule. In den zusätzlichen Stunden am Nachmittag soll die „Sprach- und Lernpraxis“ im Zentrum stehen, die entweder als eigenständiges oder im Rahmen eines Ganztagsangebots vermittelt werden kann.

Kim (10): „Wir machen erst in einem eigenen Raum die Hausaufgaben, dann machen wir mit den Mittelschülern Spiele und ab und zu auch Sport. Am besten kenne ich zwei Mädchen, die ursprünglich aus Ungarn kommen und Zwillinge sind. Wir verstehen uns sehr gut.“ Foto: Tost
Kim (10): „Wir machen erst in einem eigenen Raum die Hausaufgaben, dann machen wir mit den Mittelschülern Spiele und ab und zu auch Sport. Am besten kenne ich zwei Mädchen, die ursprünglich aus Ungarn kommen und Zwillinge sind. Wir verstehen uns sehr gut.“ Foto: Tost

„Da das Ganze für die Schüler der Deutschklassen verpflichtend ist, hatten wir plötzlich genügend für zwei Ganztagsangebote.“ Während in der Mittelschule das bisherige Angebot weitergeführt wird, ist das zweite mit Schwerpunkt „Sprach- und Lernpraxis“ im Gymnasium untergebracht. Dort werden sowohl die Schüler der Deutschklassen als auch Gymnasiasten betreut.

„Wir hatten im Gegensatz zur Mittelschule aus G8-Zeiten noch passende Räume – und die Mittelschule hatte genügend Schüler, so dass auch die zweite Ganztagsgruppe von der Regierung genehmigt wurde“, sagt Josef Gloßner. Obwohl die Schulen unterschiedliche Sachaufwandsträger haben – die Mittelschule die Stadt Parsberg und das Gymnasium die Landkreise Neumarkt und Regensburg – gab es keinerlei Probleme. Auch der Ministerialbeauftragte für Gymnasium und der für die Mittelschule zuständige Schulrat waren froh, dass diese Lösung gefunden wurde. Denn obwohl die Nachfrage nach offenem Ganztag nicht sehr groß gewesen war: „Berufstätige Eltern sind einfach dringend darauf angewiesen“, weiß Josef Gloßner aus langjähriger Erfahrung.

Fokus liegt auf der Sprache

Es sei deshalb sehr gut, dass es dieses Projekt gibt. Im Vergleich zum normalen Programm in der offenen Ganztagsschule ist der Schwerpunkt bei der Gruppe im Gymnasium in Richtung Kommunikation und sprachliche Interaktion verschoben. Was die Themen angehe, wird laut Gloßner viel Wert darauf gelegt, dass die Schüler mehr über den kulturellen Hintergrund ihrer Altersgenossen erfahren.

„Konkret sieht das so aus, dass Mittelschüler und Gymnasiasten jeweils in einem eigenen Raum zuerst die Hausaufgaben erledigen“, erklärt Antonette Molkenthin, die Leiterin der Ganztagsgruppe. Im Anschluss daran kommen alle zusammen und die Schüler machen gemeinsam Spiele oder unterhalten sich.

Agon (16): „Am Nachmittag lernen wir vor allem Deutsch. Dabei wird meistens das noch einmal besser eingeübt, was wir am Vormittag an der Mittelschule gelernt haben. Mir gefällt das hier sehr gut. Die Gymnasiasten sind alle sehr nett und die gemeinsamen Spiele machen Spaß.“ Foto: Tost
Agon (16): „Am Nachmittag lernen wir vor allem Deutsch. Dabei wird meistens das noch einmal besser eingeübt, was wir am Vormittag an der Mittelschule gelernt haben. Mir gefällt das hier sehr gut. Die Gymnasiasten sind alle sehr nett und die gemeinsamen Spiele machen Spaß.“ Foto: Tost

„Es sind vor allem Sprachlernspiele, bei denen etwa mit Bildkarten Begriffe gefunden oder Personen beschrieben werden müssen“, erzählt Antonette Molkenthin. Einmal im Monat wird auch in der Turnhalle Fußball gespielt. „Wir mischen die Teams dann so durch, dass die Schüler mit Migrationshintergrund sich nicht in ihrer Heimatsprache verständigen können, sondern Deutsch sprechen müssen.“

Die beiden Schulleiter betonen, dass sowohl die Schüler aus der Deutschklasse, als auch die Gymnasiasten von diesem Konzept stark profitieren. „Die Mittelschüler können ihre Deutschkenntnisse und ihr Wissen über die deutsche Alltagskultur verbessern und die Gymnasiasten lernen Altersgenossen aus anderen Kulturen kennen und erwerben soziale Kompetenz“, freuen sich Gloßner und Ferstl.

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