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Natur

Insekten haben eine Lobby

Das Insektensterben hat erschreckende Ausmaße angenommen. Doch jeder kann etwas dagegen tun, sagen Neumarkter Umweltschützer.
Von Eva Gaupp

Insekten sind auf die Hilfe des Menschen angewiesen, damit sie genügend Nahrung und Brutplätze finden. Federico Gambarini dpa/lnw
Insekten sind auf die Hilfe des Menschen angewiesen, damit sie genügend Nahrung und Brutplätze finden. Federico Gambarini dpa/lnw

Neumarkt.In den vergangenen 27 Jahren ist die Zahl der fliegenden Insekten um rund 75 Prozent zurückgegangen. Das Ergebnis der Krefelder Studie hat im Herbst für Aufsehen gesorgt und Politiker wie auch Naturschutzverbände wachgerüttelt. Initiativen wie das neue „Aktionsprogramm Insektenschutz“ der Bundesumweltministerin zielen vor allem auf die Reduzierung von Dünger und Chemie auf den Feldern ab. Doch es gibt auch Aktionen wie die Blühstreifen entlang von Feldern, die mit einem vielfältigen Nahrungsangebot Bienen, Schmetterlinge, Libellen, Käfer und Fliegen unterstützen. Und kaum ein Handwerkermarkt kommt mehr ohne Insektenhotels im Angebot aus.

„Man darf nicht immer nur fragen, wer schuld ist am Insektensterben. Wichtig ist, dass jeder etwas dagegen tun kann.“

Anne Fröhlich, Projektmanagerin Öko-Modellregion

Braucht es die überhaupt in einer ländlichen Gegend wie Neumarkt? „Ja!“, lautet die klare Antwort von Anne Fröhlich. Sie und Simone Spangler sind Projektmanagerinnen der Öko-Modellregion Landkreis Neumarkt und beraten als solche Gemeinden, Netzwerke und Vereine. Insekten benötigten aber nicht nur eine große Pflanzenvielfalt, sondern auch Unterschlupf- und Brutplätze.

Insektenhotels bieten Unterschlupf- und Brutmöglichkeiten, die in der Natur immer mehr schwinden. Foto: Anne Fröhlich
Insektenhotels bieten Unterschlupf- und Brutmöglichkeiten, die in der Natur immer mehr schwinden. Foto: Anne Fröhlich

Jeder Einzelne könne in seinem Garten oder auf dem Balkon etwas dazu beitragen. „Noch ist aber nicht jedem klar, was das Insektensterben bedeutet“, sagt Simone Spangler. Es werde viel über die Honigbiene gesprochen. Doch diese sei eine gezüchtete Nutztierart – daneben gebe es 560 Wildbienen- und etwa 41 Hummelarten. Viele von ihnen seien Spezialisten und brauchten als Nahrung und für ihre Larven bestimmte Pflanzen.

Ohne Insekten gerät Ökosystem aus dem Gleichgewicht

Insekten bestäubten nicht nur Bäume und Sträucher und sorgen so für das Gedeihen von Obst und Gemüse. Sie sind selbst wieder lebensnotwendige Nahrung, beispielsweise für Igel und Vögel. Ohne Insekten gerät das Ökosystem aus dem Gleichgewicht.

„Außerdem regulieren sich nützliche und sogenannte ‚Schadinsekten‘ im Garten selbst“, unterstreicht Fröhlich. Viele Gärten seien heute viel zu aufgeräumt. Es fehlten Erd- und Sandhügel, abgestorbene Hölzer, verwelkte Blumenstängel, Versteck- und Unterschlupfmöglichkeiten wie Laubhaufen. Und wenn Blüten keine Pollen besitzen, können sie auch keine Insekten ernähren. Deshalb lautet Spanglers Tipp: „Ein naturnaher Garten ist der bequemste“.

Hier finden Sie 6 konkrete Tipps, wie man insektenfreundliche Oasen gestalten kann.

Simone Spangler und Anne Fröhlich sind die Projektmanagerinnen der Öko-Modellregion Landkreis Neumarkt. Foto: Gaupp
Simone Spangler und Anne Fröhlich sind die Projektmanagerinnen der Öko-Modellregion Landkreis Neumarkt. Foto: Gaupp

Initiative gegen Zierkies und Zierschotter im Garten

In Postbauer-Heng haben der OGV Heng und die Marktgemeinde an einem Info-Abend über insektenfreundliche Gärten informiert. Hintergrund war unter anderem der Trend, dass immer mehr Hausbesitzer Zierkies in ihren Gärten auslegen. „Die ältere Generation hat ihren Garten noch selbst angelegt, aber junge Leute, die jetzt bauen, lassen ihren Garten meist von Firmen anlegen“, erklärt OGV-Vorsitzender Johann Niebler die Motivation für die Veranstaltung.

Diese Kiesgärten sorgten in der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderats für eine heftige Diskussion. Wenn ein Bebauungsplan aufgestellt wird, gehört es zum Prozedere, im Zuge des Auslegungsverfahrens die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises anzuhören. Im Fall des neuen Wohngebiets in Postbauer „Am Schlossgwend“ hatte diese angeregt, auf Zierkies und Zierschotter in den Gärten zu verzichten. „Zur Gartengestaltung können wir nur Vorschläge machen“, sagt Helga Huber, Fachkraft für Naturschutz. „Da entscheidet letztlich die Gemeinde.“

Gemeinde Postbauer-Heng engagiert sich im Naturschutz

Die hat den Punkt erst einmal ausgeklammert. „Für uns stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, so weit in das Privatrecht einzugreifen, und wer dies kontrollieren soll“, sagt der geschäftsleitende Beamte, Peter Himmel. Noch sei dieser Trend in Postbauer-Heng nicht weit verbreitet und er ist der Ansicht, dass die Hausbesitzer bald merkten, wie unangenehm sich diese Steinflächen im Sommer aufheizen.

Doch grundsätzlich sei die Gemeinde bestrebt, in Sachen Ökologie eine Vorbildrolle zu übernehmen. „Wir versuchen es, auch wenn unsere Ideen manchmal scheitern“, sagt Himmel und verweist auf einen Kunstrahmen, der auf dem Dillberg die Wanderer auf die Natur aufmerksam machen soll. Doch die Naturschützer seien der Meinung gewesen, Kunst gehöre nicht in ein Naturschutzareal.

Seminare zu Stauden im Haus am Habsberg

Die Kreisfachberaterin Susanne Flach-Wittmann ist da weniger zurückhaltend: „Ich finde es schrecklich“, kommentiert sie Kiesflächen in Gärten. In ihren Seminaren im Haus am Habsberg gibt sie Tipps, welche Pflanzen ideal für Insekten sind. Im Juni und September finden zwei Veranstaltungen statt, in denen sie den Einsatz von Stauden praxisnah erläutert. „Aber es ist ja nichts verloren“, fügt sie sofort an. Denn auch aus einem Kiesbeet könne man durch zusätzliche Pflanzen wertvollen Platz für Insekten schaffen. „Das kann sich jeder in der Stadt vor dem Landratsamt oder in der St.-Florian-Straße anschauen.“

Welches Konzept die Stadtgärtnerei am Straßenrand verfolgt, lesen Sie hier.

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