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Beruf

Jeder hat eine Chance verdinet

Jobcoaches sind sie nicht nur Ansprechpartner für Menschen mit Behinderung. Hier erzählen sie, wie jede Seite profitiert.

Julio Thomas (links) liebt seine Arbeit bei der Firma DSE Eckstein. Auch Firmenchef Oliver Eckstein steht ihm dabei mit Rat und Tat zur Seite. Fotos: Fink/Regnet
Julio Thomas (links) liebt seine Arbeit bei der Firma DSE Eckstein. Auch Firmenchef Oliver Eckstein steht ihm dabei mit Rat und Tat zur Seite. Fotos: Fink/Regnet

Lauterhofen.Wir schauen uns an, was der Mensch möchte, wo seine Stärken liegen und machen uns mit ihm gemeinsam auf den Weg“, sagt Carolin Fink und Markus Moosburger ergänzt: „Jeder Mensch hat eine Chance verdient.“ Die beiden arbeiten bei den Lauterhofener und Holnsteiner Werkstätten von Regens Wagner. Als Jobcoaches im nördlichen und südlichen Landkreis sind sie nicht nur erste Ansprechpartner für Menschen mit Behinderung, sondern ebenso für die Firmen als zukünftige Arbeitgeber.

Seit gut einem Jahr sind die Jobcoaches im Einsatz und stellen immer wieder fest, dass der Informationsbedarf auf allen Seiten noch groß ist. Ziel ist es, Menschen mit Behinderung in den ersten Arbeitsmarkt zu bringen.

Die Arbeit im Betrieb fordert

Carolin Fink und Markus Moosburger Foto: Regnet
Carolin Fink und Markus Moosburger Foto: Regnet

Erster Schritt ist meist ein Praktikum. „Dabei habe ich viele neue Erfahrungen sammeln können“, sagt Isabel Barth, die in der Helios-Klinik in Berching engagiert ist. „Ich habe dabei entdeckt, dass ich einen guten Zugang zu älteren Menschen habe.“ Eine feste Arbeitsstelle könnte sich die junge Frau nach den positiven Erfahrungen aus dem Praktikum gut vorstellen.

Bereits einen Schritt weiter ist Manfred Tittes, der bei der Firma Fäth in Stauf auf Vermittlung von Carolin Fink eine Anstellung erhalten hat. Die Arbeit im Heizungs- und Sanitärbetrieb macht ihm großen Spaß. Auf die Frage, was sich mit der Arbeitsstelle in seinem Leben verändert hat, muss Tittes nicht lange überlegen. „Jetzt habe ich mehr Geld zur Verfügung, das ist richtig gut.“

Früher war er in der Werkstatt von Regens Wagner beschäftigt. Jetzt im Betrieb zu arbeiten, sei anders. „Es ist anstrengender für den Kopf“, sagt der junge Mann. „Viele Arbeiten sind schon immer gleich, aber es gibt auch viele unterschiedliche, das ist eine gute Mischung.“ Den Schritt von der Werkstatt in den freien Arbeitsmarkt hat er nicht bereut. „Jederzeit“ würde er es wieder machen. „Aber man muss sich auch benehmen und auch mal zurückhalten können“, meint er nachdenklich.

Positiv ist die Bilanz, die Firmenchef Werner Fäth zieht. Schon beim Praktikum habe sich gezeigt, dass Manfred Tittes großes Interesse an einer Festanstellung hatte. „Wir haben gute Erfahrungen gemacht, dann folgte der nächste Schritt“, sagt Fäth. Sicher habe die Anlernzeit etwas länger gedauert. Hier sei Verständnis und Akzeptanz bei den Kollegen wichtig. Zu einem Problem könne schon mal der Zeitdruck auf den Baustellen werden. Dennoch könne er anderen Firmen nur empfehlen, Menschen mit Behinderung einzustellen. Dass vonseiten des Staates mit dem Budget für Arbeit dieser Schritt auch finanziell unterstützt werde, sei zu begrüßen. „Genau so kann man Menschen mit Behinderung integrieren. Ich sehe das als Verpflichtung für uns alle.“

Isabel Barth gefiel das Praktikum in der Helios-Klinik in Berching sehr. Foto: Moosburger
Isabel Barth gefiel das Praktikum in der Helios-Klinik in Berching sehr. Foto: Moosburger

Dass eine Vermittlung auf den ersten Arbeitsmarkt nicht immer einfach ist, wissen Carolin Fink und Markus Moosburger. „In unseren Gesprächen merken wir schnell, dass immer noch viel zu wenige Firmenchefs die rechtlichen Grundlagen kennen“, sagt Fink. 2017 trat das neue Bundesteilhabegesetz in Kraft, dass für Menschen mit Behinderung viele Verbesserungen brachte, auch im Bereich des Arbeitsmarktes. Firmen können nun aus dem Budget für Arbeit Zuschüsse zu den Lohnkosten von bis zu 75 Prozent des Arbeitslohnes erhalten. Vielen ist das neu. „Daher ist es eine wesentliche Aufgabe, die Firmen zu informieren und zu motivieren, Menschen mit Behinderung einzustellen. Heute, in Zeiten des Fachkräftemangels, kann dabei jeder auf seiner Seite gewinnen“, sagt Moosburger.

Gelungen ist dies bei Oliver Eckstein, Chef von DSE Eckstein. Hier fand der 22-jährige Julio Thomas einen Job, den er nicht mehr missen möchte. „Ich wollte jemandem, der anders ist, eine Chance geben, die er sonst nicht so einfach hat“, sagt Eckstein. Dass es zudem eine finanzielle Unterstützung gibt, wertet der Unternehmer positiv. „Das ist natürlich schon ein Argument, weil die Arbeitsleistung vielleicht doch geringer ist und wir ja zudem mehr Zeit für die Anleitung am Arbeitsplatz einplanen müssen.“

Frischer Wind in der Firma

So sei es zu Beginn des Praktikums für den Betrieb schon eine zusätzliche Belastung gewesen. „Es muss ja immer jemand dabei sein“, sagt Eckstein. „Aber es war auch eine angenehme Belastung, denn Julio brachte frischen Wind in die Firma.“ Wesentlich sei, dass alle Kollegen den Weg mitgehen. „Und auch der Ansprechpartner aus der Werkstatt ist immens wichtig. Dieser unterstützt Julio genauso wie uns als Firma, wenn noch Fragen auftauchen.“

Nicole (li.) und Werner (re.) Fäth wissen, dass alle im Betrieb von der Einstellung Manfred Tittes profitieren.
Nicole (li.) und Werner (re.) Fäth wissen, dass alle im Betrieb von der Einstellung Manfred Tittes profitieren.

Die Arbeit bei DSE Eckstein macht Julio Thomas großen Spaß. „Ich bin den ganzen Tag an der frischen Luft. Es ist abwechslungsreich, ich verdiene mehr Geld und lerne neue Leute kennen.“ Aus dem Praktikum soll nun ein ausgelagerter Werkstattarbeitsplatz und langfristig eine Festanstellung werden.

„Schon mehrere Personen haben mit unserer Unterstützung eine Arbeitsstelle gefunden“, sagt Franz Hausner, Leiter der Holnsteiner Werkstätten. „Entscheidend war die professionelle Assistenz unseres Fachpersonals. Das neue Bundesteilhabegesetz legt Wert darauf, dass Arbeitsplätze außerhalb der Werkstätten geschaffen werden“.

Rund 250 Menschen mit Behinderung arbeiten derzeit in den Werkstätten von Regens Wagner im Landkreis. „Für manche ist das genau richtig. Es ist ein wenig wie im warmen Nest“, sagt Moosburger. „Andere aber sind in Aufbruchstimmung.“ Dann sei eine Anstellung auf dem freien Arbeitsmarkt der richtige Schritt. Daher sei es für die Arbeit als Jobcoach immens wichtig, sich weiter zu vernetzen und präsenter Ansprechpartner zu sein. „Momentan entsteht hier wirklich viel“, sagen Caro Fink und Markus Moosbuger, die optimistisch in die Zukunft blicken.

Kurz & knappCarolin Fink und Markus Moosburger: Sie sind im nördlichen bzw. südlichen Landkreis erste Ansprechpartner der Werkstätten der Regens-Wagner-Stiftung zum Thema Jobvermittlung. Beide sind gelernte Heilpädagogen.

Kontakt: Markus Moosburger, Telefon (08460) 18207 oder markus.moosburger@regens-wagner.de; Carolin Fink, Telefon (09186) 179238 oder carolin.fink@regens-wagner.de

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