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Lesung

Josef Müller las in Neumarkt

Ein Schurke, der zu Gott fand: Josef Müller führte ein Leben in Saus und Braus. Mit Gottes Hilfe änderte er sein Leben – im Gefängnis.

Josef Müller hat kann auf ein bewegtes Leben blicken. Foto: nlr
Josef Müller hat kann auf ein bewegtes Leben blicken. Foto: nlr

Neumarkt.Dass Geld alleine nicht glücklich macht, durfte der Fürstenfeldbrucker Josef Müller am eigenen Leib erfahren. Der Buchautor von „Ziemlich bester Schurke“ und ehemalige Steuerberater der Münchner Schickeria kam nach Neumarkt und referierte im Saal des Landratsamtes über sein Leben in Saus und Braus – mit Drogen, Sex, Alkohol und teuren Autos.

Das Evangelische Bildungswerk und die Evangelische Freikirche Ecclesia hatten den Autor eingeladen. Viele Besucher hörten gespannt zu. Eingangs wurde in Videoform einen Überblick über sein Leben gezeigt. Der Bestsellerautor hat einen vollen Terminkalender: 500 Veranstaltungen gab er in den vergangenen vier Jahren. Viele wollten den „Schurken“ genauer kennen lernen. 1955 wurde er in Fürstenfeldbruck geboren. Seine Mutter war OP-Schwester, sein Vater Kriminalkommissar und später selbstständiger Handelsvertreter. Er war auch Ministrant. Mit 15 verliebte er sich das erste Mal im Urlaub in eine Hamburgerin. Nach langem Briefwechsel machte sie schließlich Schluss – mit der Begründung, sie wolle Geld in Kosmetik und nicht ins Porto ausgeben. Müller war sehr deprimiert. Mit 16 machte er eine Zusatzprüfung und erwarb den Führerschein.

Sekundenschlaf am Steuer

An einem Samstagabend im Juli 1973 fiel er am Steuer in einen Sekundenschlaf und überschlug sich mit seinem Auto mehrmals – überlebte aber. Seitdem ist Müller querschnittgelähmt. Er appellierte an alle, jeden Tag des Lebens zu genießen. Bald darauf wurde er Steuerberater und besaß vier Kanzleien mit über 50 Mitarbeitern. Diesen Job hatte er jedoch im Laufe seines Lebens immer mehr vernachlässigt. Er wollte immer mehr Geld haben und mehr Luxus erleben. Ganz nach dem Motto „Gier frisst Hirn“.

Im Kreis der schönen und der superreichen Mandanten geriet er immer weiter in eine Teufelsspirale. In Hartschalenkoffern transportierte er 40 Millionen US-Dollar-Bargeld aus den Vereinigten Staaten nach Deutschland, um es hier anzulegen und zu vermehren. Müller kannte keine Grenzen. Bald fand er sich wie selbstverständlich im Milieu der Drogenbosse und Finanzkriminellen wieder und machte sich zu deren Handlanger. Bis ein Freund ihn hinterging und Josef Müller auf der Fahndungsliste landete. Im Februar 2004 wollte sein Leben ein Ende setzen. Doch seine innere Stimme sagte: „Sei nicht feige, stell dich den Behörden, denn du kannst deine Unschuld beweisen“.

Hier finden Sie weitere Informationen zu Josef Müller:

Josef Müllers Wandel

  • Steuerberater:

    „Als Steuerberater beherrschte ich die Kunst der Geldvermehrung“, schreibt Müller auf seiner Homepage – nicht selten „am Rande der Legalität“.

  • Rückschau:

    Heute spricht Müller von „brutalen ethischen Aussetzern“. „Gier frisst Hirn“, so sei der erste Teil seines Lebens zusammenzufassen, schreibt Müller. (jh)

Vater besuchte ihn regelmäßig im Gefängnis

Am 16. April 2005 wurde er verhaftet und nach Stadelheim gebracht. Müller verlor nie den Humor und scherzte: „Keine Sorge, ich sitze schon seit über 30 Jahren (im Rollstuhl)“. Sein Vater, damals 89 und dement, besuchte ihn regelmäßig im Gefängnis. Sein Luxusleben war schlagartig vorbei und mit Hilfe Gottes wurde er ein neuer Mensch. Es hatte schon auf seiner Flucht in Miami begonnen, wo ihm ein Zettel in die Hände fiel, auf dem stand: „Fürchte Dich nicht, denn dein Gott ist mit dir, wohin du auch gehst!“

Im Gefängnis betete er zu Gott, dem er sein Leben anvertraute und bat um Vergebung für seine Taten. Sein Leitsatz ist „Jesus saved my life“. Die Band Goodly and her Goodlingers umrahmte musikalisch die Veranstaltung. Am Schluss signierte Müller seine Bücher, die zum Verkauf bereitstanden. (nlr)

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