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Justiz

Jugendrichter zeigt sich nachsichtig

Ein 18-Jähriger muss Arbeitsstunden leisten. Er war mit einem Butterfly-Messer in Neumarkt unterwegs.

Es ist verboten, ein Butterfly-Messer dabei zu haben. Trotzdem war ein Jugendlicher aus Neumarkt damit unterwegs. Foto: Ingo Wagner/ picture-alliance/ dpa
Es ist verboten, ein Butterfly-Messer dabei zu haben. Trotzdem war ein Jugendlicher aus Neumarkt damit unterwegs. Foto: Ingo Wagner/ picture-alliance/ dpa

Neumarkt.Mit einem Butterfly-Messer am Mann war ein 18-Jähriger aus Neumarkt von der Polizei im Bahnhofsbereich erwischt worden. Hinzukam, dass er ohne Fahrerlaubnis auf einem Mofa unterwegs war.

So fand sich der junge Mann am Mittwoch vor dem Amtsgericht bei Jugendrichter Dr. Michael Müller wieder. Nicht ganz verstehen wollte – oder konnte – der 18-Jährige, was denn an einem Butterfly-Messer so schlimm sei: „Es hört sich vielleicht doof an“, sagte der Angeklagte, „aber man könnte auch mit einem anderen Messer jemanden töten. Natürlich ist es blöd, dass ich das Messer mitgeführt habe, aber wo liegt denn der Unterschied zu einem Taschenmesser?“

„Es ist blöd, dass ich das gemacht habe“

Dass sich der Gesetzgeber schon etwas dabei gedacht habe, dass er gerade diese Messer verbiete, darauf wies den Angeklagten die Staatsanwältin hin. Der Unterschied liege eben in der Klingenlänge, erklärte Richter Dr. Müller.

Ansonsten zeigte sich der 18-Jährige einsichtig und gab zu, mit dem Messer und dem Mofa unterwegs gewesen zu sein. „Ich bin schneller gefahren als ich durfte“, sah der Angeklagte ein, „es ist blöd, dass ich das gemacht habe.“


Schon wegen Diebstahl vor Gericht

Die Eltern hatten ihrem Sprössling nach den Vorfällen für ein paar Monate das Taschengeld gestrichen und das Mofa abgemeldet. Schon vor kurzem hatte der 18-Jährige 80 Arbeitsstunden leisten müssen, weil er wegen eines besonders schweren Falls des Diebstahls vor Gericht erschienen war. Zusammen mit Freunden hatte er damals einen Zigarettenautomat aufgebrochen. Zu einer Verurteilung war es bisher noch nicht gekommen. Auch im aktuellen Fall machten sich natürlich der Jugendrichter Dr. Müller und die Staatsanwaltschaft Gedanken, was denn nun zu tun sei, nachdem der 18-Jährige erst kurz nach seinem letzten Erlebnis vor Gericht schon wieder straffällig geworden war.

„Ich bin jetzt mal optimistisch“, meinte Dr. Müller, „dass Sie nicht mehr auf dumme Gedanken kommen, wenn Sie eine Arbeit haben.“ Diese hat der Angeklagte tatsächlich, will er doch am 1. November mit einer Festanstellung beginnen.

Geständnis hilft vor Gericht

Der 18-Jährige sei geständig, noch nicht vorverurteilt und die Eltern hätten ja auch schon Sanktionen erlassen, sagte der Richter. Im Einvernehmen mit der Staatsanwaltschaft rang man sich noch einmal zu einer vorläufigen Einstellung des Verfahrens durch. „Der Angeklagte soll keine Probleme mit seiner Arbeitsstelle haben“, sagte Richter Dr. Michael Müller, „deshalb bekommt er eine Frist bis April 2020, um weitere 80 Arbeitsstunden abzuleisten. Ich habe die Hoffnung, dass wir uns nicht wiedersehen, aber das nächste Mal gibt es keine Einstellung mehr. Machen Sie etwas Sinnvolles aus Ihrer Freizeit“, gab er dem jungen Mann mit auf den Weg. (ngs)

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