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Nachruf

Karl-Heinz Brandenburger ist tot

Seine Wegefährten reagieren bestürzt auf den plötzlichen Tod des engagierten SPD-Stadtrats. Er wurde 68 Jahre alt.
Von Eva Gaupp

Der SPD-Kommunalpolitiker Karl-Heinz Brandenburger ist tot. Foto: Martina Gentele-Höllerl
Der SPD-Kommunalpolitiker Karl-Heinz Brandenburger ist tot. Foto: Martina Gentele-Höllerl

Neumarkt.Völlig überraschend ist am Sonntag Karl-Heinz Brandenburger gestorben. Auch mit seinen 68 Jahren hatte der SPD-Politiker noch immer für seine Ideale und Werte gekämpft, hatte in Diskussionen kein Blatt vor den Mund genommen. Er war leidenschaftlich und emotional, dabei immer authentisch und gerade heraus. Seit seiner ersten Kommunalwahl im Jahre 1984 war der Sozialdemokrat ununterbrochen Mitglied des Stadtrats gewesen. Von 2000 bis 2008 hatte Brandenburger als Nachfolger von Bernd Kaksch den Neumarkter SPD-Ortsverein geführt. Es war SPD-Stadtrat Armin Aumeier gewesen, der ihn 1972 überzeugt hatte, das rote Parteibuch anzunehmen.

Ursula Plankermann war im selben Jahr in den Stadtrat gewählt worden, sie ist eine langjährige Weggefährtin Brandenburgers gewesen. „Uns hat eine ganze Menge verbunden“, sagt die SPD-Fraktionsvorsitzende. „Er war immer ein aufrechter Kämpfer, er hat nie aufgegeben.“ Eine Standfestigkeit wie er sie gelebt habe, sei heute selten geworden. Es habe Menschen gegeben, die seine emotionalen Ausbrüche im Stadtrat kritisiert hätten. „Ich habe sie als einen Ausdruck seiner Ehrlichkeit empfunden.“ Karl-Heinz Brandenburger habe nie zu denen gehört, die taktieren. „Das war bei Charly nie der Fall.“ Er sei immer geradlinig gewesen.

Ein schwerer Verlust für die SPD

Auch Johannes Foitzik wird den Verstorbenen als eine streitbare, aber aufrichtige Person in Erinnerung behalten. „Sein Tod ist ein sehr schwerer Verlust.“ Als Mensch, aber auch als SPD-Politiker, dem sich Foitzik inhaltlich sehr nahe gefühlt hat. Beide verband ihr Engagement für die Arbeitnehmerinteressen. Als angehender Postbeamter hatte sich Karl-Heinz Brandenburger schon als Jugendvertreter in der Postgewerkschaft eingesetzt, später in der DGB-Jugend. Als Gegner der Agenda 2010 habe er so manchen aufrüttelnden Brief an die SPD-Zentrale in Berlin geschrieben, erzählt Johannes Foitzik. Sein plötzlicher Tod mache ein Stück weit sprachlos, so der SPD-Ortsvereinsvorsitzende.

Nicht nur die Parteifreunde zeigen sich erschüttert angesichts seines Todes. Johann-Georg Gloßner, ebenfalls ein Mann der klaren Worte, schätzte gerade das bei seinem Stadtratskollegen. „Vom Typus her stand er in einer Reihe mit einem Herbert Wehner und Willy Barndt“, sagt der FLitZ-Stadtrat. Der Fraktionsvorsitzende der CSU, Markus Ochsenkühn, sagt ganz offen: „Es war ein Schock für die Fraktion“. Er habe Brandenburger schon viele Jahre gekannt, ihn als starke Persönlichkeit geschätzt und es ihm immer hoch angerechnet, dass er zu seiner Meinung gestanden sei. So sei er immer verlässlich gewesen – im Stadtrat und auch als langjähriger Werkreferent für die Stadtwerke.

Der SPD-Stadtrat sei ja manchmal in Auseinandersetzungen schon recht deutlich geworden, erinnert sich der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Martin Meier. Und er selbst habe sich so manches Mal in Konfrontation mit Brandenburger befunden. „Das Schöne aber war, dass nach der Sitzung der politische Dissens vergessen war.“ Brandenburger sei nie nachtragend gewesen. Im Gegenteil: In geselliger Runde habe man sich über andere wichtige Themen unterhalten. Zum einen sei der Tod für die SPD ein schwerer Verlust, sagt Meier. Und die UPW trauere mit den Genossen. Aber zum anderen verliere auch die Stadt Neumarkt einen engagierten Kommunalpolitiker.

Gegen die WAA in Wackersdorf

Der 68-Jährige mischte sich nicht nur in seiner Heimatstadt ein. In den 80er-Jahren gehörte er beispielsweise zu den aktiven Bürgern, die sich gegen die atomare Wiederaufbereitungsanlage (WAA) in Wackersdorf einsetzte. Fast jedes Wochenende habe er dort demonstriert und einmal sei er sogar mit dem späteren Landtagsabgeordneten Karl-Heinz Hiersemann „vom Zaun gespritzt“ worden, wie er sich anlässlich seines 60. Geburtstags erinnerte.

Auch wenn es die Genossen angesichts der parteipolitischen Übermacht der CSU und später der UPW in Neumarkt nie leicht hatten, war ein Wechsel in ein anderes politisches Lager für ihn nie ein Thema gewesen. „Ich könnte mich nicht mehr im Spiegel anschauen“, hatte er einmal gesagt.

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Daten zu Karl-Heinz Brandenburger

  • Geboren:

    16. Juli 1949

  • Ehrung:

    2009 wurde er mit der Goldenen Stadtmedaille ausgezeichnet für 25 Jahre Stadtratstätigkeit.

  • Ämter:

    Stadtrat seit 1984, 1996 - 2002 Verkehrsreferent, 2002 - 2008 Delegierter im Zweckverband der Sparkasse, Mitglied in Bausenat, Werksenat (zuletzt Werkreferent), Verkehrsausschuss

  • Hobby:

    Karl-Heinz Brandenburger wurde erst 2017 für 25 Jahre Mitgliedschaft beim BSC Woffenbach geehrt. Außerdem war er leidenschaftlicher Chopper-Fahrer.

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