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Vortrag

Karl Probst plant Gebäude ganzheitlich

Der Architekt stellte seine Arbeiten in Neumarkt vor. Unter anderem hat er die vierspurige Autobahnbrücke über das Enzenstettener Moos entworfen.

„Unsere Gebäude geben sich als das, was sie sind“ – so beschreibt Karl Probst (2. v. l.) sein Konzept. Foto: nmf

Neumarkt.Vom Hochschulgebäude über Justizvollzugsanstalten bis hin zu einem Wetterradarturm – der Architekt Karl Probst hat am Mittwoch im Maybachmuseum einen Querschnitt seiner architektonischen Arbeit präsentiert. Mit der Wahl des Referenten bewies der Initiator der Reihe „Architektur und Baukultur“, Johannes Berschneider einmal mehr, dass auch beim 77. Vortrag das Thema spannender Baukunst noch lange nicht erschöpft ist.

Berschneider, zu dessen aktuellen Projekten der Bau des neuen Willibald-Gluck-Gymnasiums gehört, sprach sich am Mittwoch für eine Fortsetzung des „baukulturellen Dialogs zwischen politischen Entscheidungsträgern und Architekten“ aus. Der Referent des Abends, der Münchner Architekt Karl Probst, setze diesen Dialog vorbildlich um und schaffe es damit auch diffizile Projekte in die Tat umzusetzen.

Mit dieser Strategie gelang es Probst eine knapp 560 Meter lange Talbrücke über ein Biotop zu bauen. Nach gut vierjähriger Bauzeit wurde die Autobahnbrücke über das Enzenstettener Moos im Dezember vergangenen Jahres freigegeben. Die vierspurige Talbrücke im Ostallgäu schließt das letzte Nadelöhr der längsten Autobahn Deutschlands. „Um das wertvolle Moorgebiet des Enzenstettener Brunnenmooses möglichst wenig zu beeinträchtigen, war es wichtig, eine Brücke mit maximalen Stützweiten zu entwickeln“, erklärte der Münchner Planer. Dies ermögliche die Formgebung der fünf Stahlstützen, die den knapp dreißig Meter breiten Überbau tragen. Mittels einer V-Form sei es gelungen, das gesamte fußballfeldgroße Biotop zu überspannen. „Als angenehmer Nebeneffekt verleihen die Stützen dem relativ niedrigen Bauwerk eine leichte, nahezu filigrane Wirkung.“

Seit 1995 entwerfen und realisiert das Büro Karl + Probst private und öffentliche Bauvorhaben im In- und Ausland. Das 24-köpfige Architekturbüro mit Sitz in München wurde von Ludwig Karl und Markus Probst gegründet und akquiriert einen Großteil seiner Projekte über Wettbewerbe. „Im Bauprozess greifen gestalterische, technische, rechtliche, ökologische und wirtschaftliche Aspekte ineinander. Als Architekten führen wir all diese Aspekte in einem ganzheitlichen Prozess zusammen. Dies gelingt aber nur, weil wir alle Beteiligten so früh und kontinuierlich wie möglich einbinden“, erklärt Probst sein Konzept. Somit gelinge es, von der ersten Idee bis hin zur Schlüsselübergabe durchgängige und schlüssige gestaltete Gebäude zu planen. „Wir arbeiten dabei ehrlich und unprätentiös. Unsere Gebäude geben sich als das, was sie sind – ein Gefängnis ist ein Gefängnis und eine Schule eine Schule.“ (nmf)

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