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Auszeichnung

Keine Chance für Rassismus in Dietfurt

Die Schulfamilie des Aus- und Fortbildungszentrums für Kaminkehrer setzt ein Zeichen – gegen Vorurteile und Ausgrenzung.
Von Johann Grad

Andrea Glaubitz übergab Auszubildenden des Kaminkehrerzentrums in Mühlbach den Titel für ihre Schule. Foto: Johann Grad
Andrea Glaubitz übergab Auszubildenden des Kaminkehrerzentrums in Mühlbach den Titel für ihre Schule. Foto: Johann Grad

Dietfurt.Von allen, die am Ausbildungszentrum für Kaminkehrer in Mühlbach tätig sind, haben sich 85 Prozent verpflichtet, das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ zu unterstützen. Vor zwei Jahren hatte es einen Vorfall mit Rechtsextremismus geben, auf den Obermeister und Schulleiter Peter Wilhelm und die Schule sofort reagiert haben, auch mit externer Hilfe.

Um ein Bekenntnis und Zeichen zu setzen, schloss sich die Schule der Initiative an und wurde jetzt offiziell als Mitglied bestätigt. Bei der Verleihung war es selbverständlich, dass Sidney Kastner, ein Auszubildender, das erste Statement abgab. Rechtsextreme stellten sich gegen Ausländer, insbesondere Juden, bezeichneten sie als Schmarotzer, sprächen ihnen das Lebensrecht ab. Solche Haltungen finde man überall in der Öffentlichkeit, in der Schule oder am Arbeitsplatz. Besonders gut getarnt treten sie laut Kastner in Sportvereinen auf. „Es ist gefährlich, wenn Trainer von Kindern und Jugendlichen harmlos der Kameradschaft das Wort reden, viele aber nicht erkennen, was Sache ist.“ Außerdem würden Schüler auch gemobbt, beleidigt und bedroht. Sie zögen sich dann zurück. So werde immenser Schaden in der Öffentlichkeit angerichtet.

Dank an Unterstützer

Mit all diesen Themen müsse man sich befassen, so der junge Mann. Obermeister Wilhelm bekannte, dass dieser Titel eigentlich „für etwas Selbstverständliches stehe“. Respekt und Handeln miteinander sorge für Sicherheit unter den Mitmenschen. Er sei stolz, diese Initiative auf den Weg gebracht zu haben und auf „alle, die gekommen sind, dieses Projekt unterstützen“.

Die Aktion

  • Voraussetzung:

    Jeder, der an der Schule lernt und arbeitet, wird aufgeklärt. Wer will, unterschreibt eine Verpflichtung. Jedes Jahr ist ein Projekt zu machen. Der Auftrag gilt auch außerhalb der Schule.

  • Pate:

    Staatsminister Albert Füracker hat die Patenschaft übernommen. Er zeigte sich stolz für das Bekenntnis gegen Rassismus. (ugr)

Stefan Kremerskothen, Studienrat an der Berufsschule in Neumarkt, sang zur Gitarre Lieder, die zum Nachdenken anregten. Landrat Willibald Gailler zeigte sich beeindruckt von den Schülern, sich für das Projekt zu bewerben. Er las einen „Brief an den Weihnachtsmann“ vor, dessen Inhalt viele negative Aspekte der heutigen Zeit enthielt wie: Jemand hat am Globus gedreht, keiner will‘s gewesen sein, es sei einem nicht wohl zu Mute, erlös uns von den Plagen. Das Gedicht stammt von Erich Kästner, der es 1929 verfasste. Nach 75 Jahren Frieden sollte man sich keine Sorgen machen müssen, aber extremistisches Gedanken gut habe sich eingeschleust.

Seit 2006 stemme sich der Landkreis gegen „Rechts“, auch mit finanziellen Mitteln. Bürgermeisterin Carolin Braun berichtete von ihrem Kampf seit 2004 gegen rechte Umtriebe in der Stadt. Man habe sich aber nicht versteckt, sondern sei offensiv dagegen vorgegangen und habe die Gruppe letztendlich „hinausgeworfen“. Auch die Schule habe es richtig gemacht und sei sofort das Problem angegangen. Hinter der Auszeichnung stecke viel Arbeit, jetzt gehe sie los, man könne jedoch dafür stolz sein.

Für Werte eintreten

Albert Hierl, Leiter des Berufsschulzentrums in Neumarkt, berichtete, dass die Schule seit 2008 an der Initiative beteiligt sei. Man müsse die Schüler stark machen und Zeichen gegen Rechts setzen, couragiert gegen jede Form von Hetze und Ausgrenzung vorgehen und für Werte eintreten. Als Konzept gegen Extremismus seien Berichte von Zeitzeugen hilfreich, KZ-Besuche in Flossenbürg oder passende Workshops und Theaterstücke.

In einer Diskussionsrunde, die Harald Meier moderierte, vertieften Auszubildende und Lehrer Begriffe wie Rassismus, Rechtsextremismus und Möglichkeiten, etwas dagegen zu unternehmen. Im Anschluss stellte Andrea Glaubitz von der Regionalkoordination die Initiative vor und überreichte Schülervertretern und Lehrkräften das Schild, das nun das Kaminkehrer-Zentrum als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ausweist.

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