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Medizin

Klinikbetrieb in Parsberg endet 2021

Ab 2022 wird es keine vollstationäre Versorgung mehr geben. Stattdessen soll das fachärztliche Angebot ausgebaut werden.
Von Peter Tost

Die Tage des Krankenhauses in seiner jetzigen Form sind gezählt. Foto: Peter Tost
Die Tage des Krankenhauses in seiner jetzigen Form sind gezählt. Foto: Peter Tost

Parsberg.Der vollstationäre Krankenhausbetrieb in Parsberg wird 2021 eingestellt. Das haben Klinik-Vorstand Peter Weymayr und Landrat Willibald Gailler am Dienstag in Parsberg bekannt gegeben. Wie sie weiter mitteilten, hat der Verwaltungsrat des Kommunalunternehmens „Kliniken des Landkreises Neumarkt“ für die Klinik Parsberg ein Umstrukturierungskonzept beschlossen, das die Zukunftsfähigkeit des Gesundheitsstandortes Parsberg langfristig sichern soll.

Wie Weymayr betonte, üben die finanziellen Restriktionen des Krankenhausvergütungssystems vor allem auf kleine Häuser der Grund- und Regelversorgung einen enormen Druck aus. Das sei eine Entwicklung, die auch in der Klinik Parsberg bereits seit längerer Zeit angekommen ist.

Eine Million Defizit in Parsberg

Nachdem das Haus in den vergangenen Jahren regelmäßig Verluste eingefahren habe, die jedoch durch Überschüsse im verbundenen Klinikum Neumarkt wieder kompensiert werden konnten, sei dies seit 2017 nicht mehr möglich. „Gerade erst hat der Wirtschaftsprüfer ein negatives Betriebsergebnis 2018 von 4,0 Millionen Euro für die beiden Häuser festgestellt. In Parsberg wurde ein Verlust von einer Million Euro erwirtschaftet.“

Daher habe man sich seit mehreren Monaten intensiv mit der Zukunftsfähigkeit des Standortes befasst und eine Projektgruppe eingerichtet, die Vorschläge unterbreitet hat. Unterstützung erhielt sie von einem externen Gutachten, das verschiedene Zukunftsoptionen unter den Kriterien Bedarfsorientierung, qualitativ hochwertige Versorgung und Wirtschaftlichkeit bewertete.

Ein „Weiter so“ mit einer Fachklinik für Innere Medizin mit 30 Betten werde langfristig jedoch immer schwieriger. „Mit großer Mehrheit hat sich der Verwaltungsrat jetzt dazu entschlossen, die Klinik Parsberg von der derzeitigen akutstationären internistischen Versorgung hin zu einem Haus der Gesundheit fortzuentwickeln.

Ambulante Behandlung weiterhin möglich

Dazu sollen neben dem stationären Angebot parallel ambulante Strukturen für die regionale Grundversorgung entwickelt werden. So sollen weitere Facharztpraxen erforderlicher Disziplinen zukünftig neben den bereits vorhandenen orthopädischen, augenärztlichen, psychiatrischen und pädiatrischen das Angebot für die Bevölkerung weiter ausbauen.

„Die Versorgungsangebote könnten beispielsweise durch ein Sanitätshaus, Therapiepraxen, einer Apotheke und weiteren sozialen Angeboten von Trägern der Wohlfahrtspflege wie etwa Kurzzeitpflege flankiert werden.“

Nach Abschluss dieser Umstrukturierung werde die Bevölkerung von einer Verbesserung der medizinischen Versorgung profitieren, betonte Landrat Willibald Gailler. Ein realistischer Zeitrahmen für den Umwandlungsprozess sei das Jahr 2022, denn man sei dabei auch von Planungs- und Förderbehörden und der Kassenärztlichen Vereinigung abhängig.

Baumaßnahmen sind notwendig.

Laut Klinik-Vorstand Peter Weymayr sind außerdem diverse bauliche Maßnahmen notwendig, denn die vorhandene Infrastruktur sei auf eine stationäre Akutversorgung ausgerichtet und für das vorgesehene Konzept nicht geeignet. Eventuell könnten hierfür Fördergelder aus dem Strukturfonds gewonnen werden. „Bis Ende 2021 werde weiterhin eine akutstationäre internistische Versorgung angeboten, die nach dem Chefarztwechsel von Dr. Rainer Munzinger zu Dr. Martin Ritt im Juli in bewährter hoher Qualität vorgehalten wird.“

Landrat Willibald Gailler betonte, dass das Umstrukturierungskonzept einen breiten Konsens im Verwaltungsrat gefunden hat. Es sei stets ein Bestreben der Landkreispolitik gewesen, die Krankenhauslandschaft im Landkreis frühzeitig auf veränderte Voraussetzungen einzustellen und so gestärkt in die Zukunft zu gehen. Er ist sich sicher, dass dies mit diesem Beschluss erneut der Fall sein wird.

Wie Weymayr erklärte, seien die rund 80 Beschäftigten – etliche davon Teilzeitkräfte – im Kreiskrankenhaus Parsberg bereits bei einer Betriebsversammlung über die Pläne informiert worden. „Alle Mitarbeiter werden ein Angebot zur Weiterbeschäftigung erhalten – entweder in Parsberg im Haus der Gesundheit oder am Klinikum in Neumarkt.“

Bürgermeister zeigt sich zuversichtlich.

Parsbergs Bürgermeister Josef Bauer erklärte, man müsse sich der Realität stellen. „Kleine Häuser zu erhalten ist sehr schwierig.“ Wichtig sei allerdings, dass in Parsberg die medizinische Versorgung durch weitere Fachärzte noch breiter ausfallen werde als bislang. „Wenn wir es richtig machen, dann profitieren alle davon“, zeigte er sich überzeugt.

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