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Religion

Kreuze spalten Neumarkter Behördenleiter

Laut Söder soll in jedem Dienstgebäude das christliche Symbol hängen. In den Ämtern reagieren die Chefs unterschiedlich.
Von Bernhard Neumayer

Franz Baumer vom Amt für Landwirtschaft zeigt das Kruzifix im Eingangsbereich. Für ihn ist das Glaubenssymbol wichtig. Foto: Neumayer
Franz Baumer vom Amt für Landwirtschaft zeigt das Kruzifix im Eingangsbereich. Für ihn ist das Glaubenssymbol wichtig. Foto: Neumayer

Neumarkt.Der christliche Glaube sei in der Landwirtschaft von besonderer Bedeutung, wie Franz Baumer, der stellvertretende Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Neumarkt sagt. Deshalb hänge auch schon immer ein Kreuz direkt am Eingang. Das sei historisch bedingt. Bis 2005 gab es in Neumarkt eine Landwirtschaftsschule, in der ein Kreuz hing. Dann wurde sie aufgelöst – und das Kreuz von der Schule ins Amt gebracht. „Und da wird es auch bleiben“, sagt Baumer. Es habe sich noch nie jemand darüber beschwert.

Der Landrat bleibt entspannt

Landrat Willibald Gailler bleibt entspannt. Foto: Neumayer
Landrat Willibald Gailler bleibt entspannt. Foto: Neumayer


Auch im Landratsamt wird kein großes Theater um Söders Beschluss gemacht. Der Ministerrat hat am vergangenen Dienstag beschlossen, dass „im Eingangsbereich eines jeden Dienstgebäudes im Freistaat deutlich wahrnehmbar ein Kreuz als sichtbares Bekenntnis zu den Grundwerten der Rechts- und Gesellschaftsordnung in Bayern und Deutschland anzubringen“ ist. Die Verpflichtung gilt für alle Behörden im Freistaat ab dem 1. Juni. Im Eingangsbereich des Landratsamtes hängt noch kein Kreuz. „Wenn wir eins anbringen müssen, werden wir das tun“, sagt Landrat Willibald Gailler. In Besprechungsräumen und in seinem Büro hängen schon Kreuze.

Recht wird unter Kreuzen gesprochen

Im Sitzungssaal 100 hängt dieses Kreuz. Foto: Neumayer
Im Sitzungssaal 100 hängt dieses Kreuz. Foto: Neumayer


Im Amtsgericht hängt im Eingangsbereich kein Kreuz, dafür aber in den Sitzungssälen. „Das gehört zur Dienstausstattung in jedem bayerischen Gericht“, sagt Direktor Dr. Harald Müller. Komme es wegen des Kreuzes zu einem Streit zwischen einem Angeklagten und dem Gericht, entscheide der vorsitzende Richter, ob er es abhänge oder nicht. Wenn das Amtsgericht vom Ministerium offiziell die Anweisung bekomme, ein Kreuz im Eingangsbereich aufzuhängen, dann wird Müller eines anbringen lassen.

So kommentiert MZ-Autorin Maximiliane Gross Söders Politik:

Kommentar

Markus Söders Symbolpolitik

Es ist, wieder einmal, ein Kreuz mit den Kreuzen: Dank Markus Söder, bekennender Protestant, begrüßt ab 1. Juni ein Kreuz die Besucher in allen staatlichen...

Viele Behörden verzichten darauf

Im Rathaus hängt kein Kreuz. Foto: Röhrl
Im Rathaus hängt kein Kreuz. Foto: Röhrl

In Neumarkt gibt es zahlreiche Behörden ohne Kruzifix. In den Rathäusern zum Beispiel hängt nach Aussage des Hauptamtleiters Thomas Thumann kein Kreuz. Bislang sei darüber auch nicht diskutiert worden. Laut Ministerrat wird Gemeinden, Landkreisen und Bezirken das Anbringen von Kreuzen nur empfohlen. Für sie sei es nicht verpflichtend. „Wir werden erst einmal abwarten“, sagt Thumann. Auch im Gesundheitsamt wird keine Hektik verbreitet. „Wenn Herr Söder und mein Chef, der Landrat, ein Kreuz im Eingang wollen, dann machen wir das“, sagt Dr. Werner Richter, der Leiter des Gesundheitsamtes. Der Glaube spiele für ihn eine wichtige Rolle. Er will diesen aber nicht an einem Symbol festmachen. „Glaube spielt sich bei mir im Herzen ab.“ Wie Dr. Werner Richter hat auch der Leiter des Neumarkter Finanzamtes, Paul Prengel, nichts gegen ein Kreuz. Momentan hängt im Finanzamt noch keins. Prengel wartet erst einmal ab, wie die anderen Finanzämter reagieren.

Kreuze in den Klassenzimmern

In den Klassenzimmern des WGG sind Kreuze angebracht. Dieses Exemplar häntg im Sekretariat. Foto: Neumayer
In den Klassenzimmern des WGG sind Kreuze angebracht. Dieses Exemplar häntg im Sekretariat. Foto: Neumayer

Laut Kultusministerium muss ab Juni in jedem Eingangsbereich einer staatlichen Schule ein Kreuz hängen. „Ich weiß nicht, ob es das noch braucht“, sagt der Leiter der Berufsschule Albert Hierl. Denn in den meisten Klassenzimmern hänge ein Kreuz. Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts müsse die Schulgemeinschaft über ein Kreuz abstimmen, wenn sich ein Schüler daran stört. Am Ostendorfer-Gymnasium hängen Kreuze in den Klassenzimmern, ebenso im Willibald-Gluck-Gymnasium. Dort haben sich Lehrer schon mit dem Thema befasst, wie Schulleiter Bernhard Schiffer erzählt. „Bei unseren zwei großen Aulen bräuchten wir ja ein riesiges Kreuz.“ Dafür sei aber kein Platz. Deshalb werde man keines anbringen.

Kruzifixe: Das sagt Pfarrer Wingen

  • Debatte:

    Grundsätzlich findet der Pfarrer der Hofkirche, Stefan Wingen, die Debatte um Söders Kruzifix-Beschluss „interessant und gut“. „Besser etwas wird diskutiert als totgeschwiegen.“ Für ihn ist das Kreuz „primär ein religiöses Symbol, aber es vermischt sich mit unserer Kultur“. Dass es auch innerhalb der Kirche teils scharfe Kritik gibt, kann Wingen nur bedingt nachvollziehen. „Einerseits beschweren sich Kirchenvertreter, dass wir keine Rolle mehr spielen, andererseits soll das Kreuz nur von uns verwendet werden dürfen.“

  • Symbol:

    Wichtig ist Wingen, dass das Kreuz in der Diskussion positiv verwendet wird, als Symbol „für etwas“ steht, nämlich „für unsere christlichen Wurzeln“. Als Missbrauch würde er es empfinden, wenn das Kreuz als Symbol gegen etwas eingesetzt würde, gegen eine Gruppe Menschen „wie Pegida das mit schwarz-rot-goldenen Kreuzen macht“ oder wenn jegliches Wertefundament fehlen würde. So aber sei es „eine freundliche Erinnerung an unser Fundament“. (ks)

Mehrere Kreuze im Berchinger Rathaus


Im Berchinger Rathaus gibt es nicht nur ein Kreuz, sondern mehrere. „Auch in meinem Büro hängt eins“, sagt Geschäftsleiter Reinhard Buchberger, der die Mitarbeiter entscheiden lässt. Probleme wegen Kreuzen habe es im Rathaus noch nicht gegeben. Buchberger findet Söders Vorstoß, Kreuze im Eingangsbereich von Behörden aufzuhängen und so auf die kulturelle Identität Bayerns hinzuweisen, richtig und gut. Im Eingangsbereich des Rathauses hängt jedoch kein Kreuz, dafür aber im Sitzungssaal. (na)

Breitenbrunn will sich nichts vorschreiben lassen

Dieses Kreuz schmückt das Parsberger Rathaus. Foto: Tost
Dieses Kreuz schmückt das Parsberger Rathaus. Foto: Tost

So wie in Berching ist es auch im Parsberger Rathaus. „Wir sind in Bayern, da ist das ganz normal, dass in Amtsräumen Kruzifixe hängen“, sagt Bürgermeister Josef Bauer. Anders sieht es im Breitenbrunner Rathaus aus. Dort hängen keine Kreuze, wie Geschäftsleiter Jürgen Konrad sagt. Es solle nicht vorgeschrieben werden. Stattdessen solle jeder selber entscheiden können. (pt)

Lesen Sie auch: Wie viel Bayern ist im Kreuz?

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