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Gericht

Kuriose Verhandlung wegen Crystal

Als ein heute 33-Jähriger noch im Kreis Neumarkt wohnte, handelte er mit der Droge. Für den Prozess flog er aus Dänemark ein.
Von Bernhard Neumayer

Der Angeklagte holte sich Crystal aus Tschechien. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa
Der Angeklagte holte sich Crystal aus Tschechien. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa

Neumarkt.Ein Angeklagter aus Dänemark und eine Verteidigerin aus Flensburg sorgten gestern Vormittag für eine außergewöhnliche Verhandlung am Neumarkter Amtsgericht. Der 33-jährige Angeklagte hatte vor knapp sieben Jahren mit einem anderen Mann Crystal Meth aus Tschechien importiert. Dass er jetzt erst vor Gericht steht, ist besonderen Umständen geschuldet.

2011 lebte der Angeklagte noch im Landkreis. „Ich war damals hochgradig abhängig“, sagte er zu Richter Rainer Würth. Deshalb habe er die insgesamt 30 Gramm Crystal mit einem Wirkstoffgehalt von 60 Prozent zum Teil selbst konsumiert. „Am Anfang habe ich nur probiert, dann war ich täglich süchtig.“ Den Rest der importierten Ware habe er verkauft, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Eine Arbeitsstelle und eine eigene Wohnung hatte er damals nicht.

„Nach dem Beziehungsaus war ich obdachlos.“

Der Angeklagte

Anfangs lebte er noch in einer von seinen Eltern finanzierten Wohnung, dann bei seiner heutigen Ex-Freundin. „Nach dem Beziehungsaus war ich obdachlos.“

Zu der anberaumten ersten Verhandlung im Sommer 2012 war der Angeklagte nicht erschienen. Daraufhin war ein Sitzungshaftbefehl erlassen worden, der später aufgehoben wurde. Gegen einen erneuten Haftbefehl im Dezember 2015 hatte der Angeklagte Beschwerde eingelegt. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete und lebte der 33-Jährige bereits in Dänemark auf einem Pferdehof.

Nach Dänemark ausgewandert

Er hat sein Leben auf den Kopf gestellt: Der Mann wanderte aus, fand eine Arbeitsstelle und heiratete. Seine Frau lebt allerdings in Deutschland. Wegen der Vorwürfe aus der Anklage darf er nicht in sein Heimatland einreisen. In Dänemark hingegen ist er ein freier Mann, weil kein internationaler Haftbefehl verordnet wurde. Dennoch hat er sich freiwillig zum gestrigen Prozess gestellt. „Ich will meine Fehler von damals aus dem Weg räumen“, sagte er.

Ohne zu zögern, gestand er die Tat. Die Reue und die Tatsache, dass er sich freiwillig der Verhandlung stellte, hielt ihm Staatsanwältin Anette Kraus zugute. Sie gehe von einem minder schweren Fall aus, da die Crystal-Menge an sich wenig gewesen sei. Entscheidend sei jedoch der hohe Wirkstoffgehalt der Droge. Deshalb forderte sie eine zweijährige Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung.

Erleichterung beim Angeklagten

Richter Würth stufte den Fall genauso wie die Staatsanwaltschaft ein und urteilte nach der Forderung von Kraus. Neben der Freiheitsstrafe auf Bewährung muss der Angeklagte 500 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen. Außerdem zieht die Staatskasse den Erlös des Drogenverkaufs in Höhe von 2000 Euro ein.

Der Angeklagte und seine extra aus Flensburg eingeflogene Verteidigerin Ilka Albers stimmten dem Urteil zu. Damit ist es rechtskräftig. Nach der Verhandlung wirkte der Angeklagte befreit und küsste seine Frau, die ihn als Zuschauerin unterstützte.

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