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Region Neumarkt
Sonntag, 15. Juli 2018 28° 4

Verbrechen

Lange Haftstrafe für Hammer-Attacke

Ein 49-Jähriger aus dem Landkreis Neumarkt hat nach Ansicht des Landgerichts versucht, seine Frau mit einem Hammer zu töten.
von Wolfgang Endlein

Der Saal 600 des Nürnberger Justizgebäudes hat schon so manchen Prozess erlebt. Zuletzt musste sich dort ein Mann aus dem Landkreis Neumarkt verantworten. Foto: Karmann/dpa
Der Saal 600 des Nürnberger Justizgebäudes hat schon so manchen Prozess erlebt. Zuletzt musste sich dort ein Mann aus dem Landkreis Neumarkt verantworten. Foto: Karmann/dpa

Neumarkt.Saal 600 des Nürnberger Justizpalastes hat nicht nur eine imposante Historie – hier fanden nach Kriegsende die NS-Kriegsverbrecherprozesse statt –, er ist es auch architektonisch. Wuchtig sind die in grün-schwarzem Stein gehaltenen Eingangsportale, riesig die Raumhöhe, dunkel das Holzinventar und auch wenn die Fenster sehr groß sind und von der Decke große Kristallleuchter hängen, bleibt doch eine eher düstere Atmosphäre. Kurz: Der Saal macht Eindruck.

Man muss schon routinierter Gerichtsgänger wie Richter und Anwälte sein, um seine Stimme zu gewohnter Lautstärke zu erheben. Der 49-Jährige aus dem Landkreis Neumarkt, der am Mittwoch auf der Anklagebank im Saal 600 Platz nahm, ist kein solcher. „Ich schließe mich den Ausführungen meines Verteidigers an“, sagte der Mann, nachdem ihm Richterin Barbara Richter-Zeininger das letzte Wort erteilt hatte. Es waren sehr leise letzte Worte.

Dann zogen sich die Richter zurück, um über das Urteil zu beraten. Gegen 16 Uhr hatten sie es dann gefunden: Die drei Richter und zwei Schöffen befanden den 49-Jährigen schuldig der gefährlichen Körperverletzung und des versuchten Mordes an seiner Frau. Konsequenz: acht Jahre Haft.

Den Bericht vom ersten Verhandlungstag finden Sie hier.

Zuvor hatten sich Richter und Zuschauer am dritten Verhandlungstag des Prozesses die teils sehr umfangreichen Plädoyers von Anklage, Nebenklage und Verteidigung angehört.

Staatsanwalt Markus Pinzer machte es noch kurz: Für ihn waren die Aussagen des 49-Jährigen schlichtweg nicht glaubwürdig: „Die Aussagen sind eindeutig widerlegt“. Der Mann hatte ausgesagt, dass er seine von ihm getrennt lebende Frau nur erschrecken haben wollen, der Schlag eigentlich gegen die Holztür hätte gehen sollen, der Hammer dann aber abgerutscht und der Schlag so auf dem Kopf der Frau gelandet sei.

Staatsanwalt fordert zehn Jahre

Dem folgte der Staatsanwalt nicht. Er sah in dem seiner Meinung nach heimlich vorbereitetenden Angriff eines gekränkten Menschen auch Heimtücke, mithin ein Merkmal für Mord. Entsprechend beantragte Pinzer, den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren zu verurteilen.

„Wenn ich jemanden mit einem Hammer umbringen wollen würde, würde ich es genauso machen.“ Geedo Paprotta, Anwalt der Geschädigten

Hatte der 49-Jährige diese Ausführungen noch ruhig mit verschränkten Armen sitzend verfolgt, begleitete er das anschließende, ausführliche Plädoyer von Geedo Paprotta, Anwalt der 38-jährigen Ehefrau, immer wieder mit Kopfschütteln.

Welche Ergebnisse der zweite Verhandlungstag im Prozess gegen den 49-Jährigen hatte, lesen Sie hier.

Der Neumarkter Anwalt schloss sich dem Staatsanwalt in seinem Antrag an, sah aber im Gegensatz zu Pinzer keinen dilettantischen Mordversuch. „Wenn ich jemanden mit einem Hammer umbringen wollen würde, würde ich es genauso machen“, unterstrich der Anwalt das seiner Meinung nach vorhandene planmäßige Vorgehen. Zehn Jahre seien angesichts dessen angemessen – auch zum Schutz des Opfers. Die 38-Jährige – sie verfolgte den Prozess am dritten Verhandlungstag ohne größere äußere emotionale Regungen – habe nach wie vor große Angst.

„Verteidiger können nicht die Schwerkraft außer Kraft setzen.“ Verteidiger Maximilian Bär

„Als Verteidiger betrachte ich die Dinge naturgemäß aus einem anderen Blickwinkel“, sagte Verteidiger Maximilian Bär zu Beginn seines sehr umfangreichen Plädoyers, in dem er versuchte darzulegen, dass man die Ereignisse auch anders bewerten könne beziehungsweise keine klaren Beweise vorhanden seien für einen „geplanten Mordversuch eines hoch aggressiven Mörders“.

Zur Glaubwürdigkeit der Geschichte des 49-Jährigen sagte Bär: Gerade die Kuriositäten in den Aussagen seines Mandanten seien ein Realitätskriterium. Der Anwalt gestand aber auch ein: „Verteidiger können nicht die Schwerkraft außer Kraft setzen“. Sprich, der Schlag mit dem Hammer auf den Kopf der Frau lässt sich nicht wegdiskutieren.

„Das macht alles keinen Sinn“

Bär plädierte aber dafür, dies – wenn das Gericht den Ausführungen des 49-Jährigen folge – als fahrlässige Körperverletzung zu werten und dafür eine Strafe von einem Jahr und drei Monaten auszusprechen. Diese allerdings zur Bewährung ausgesetzt, da sein Mandant noch nie zuvor mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sei.

Das Gericht kam letztlich zu einem völlig anderen Schluss. „Das macht alles keinen Sinn“, befand Richterin Richter-Zeiniger über die Aussage des 49-Jährigen. Nach Ansicht der Richter hatte sich der Mann eine Geschichte zurechtgelegt, deren einzelne Elemente höchst widersprüchlich waren.

Wofür war blaue Plane gedacht?

Beispielsweise jene, derzufolge eine am Tatort in einem Anhänger bereitgelegte Plane für den Transport eines ersteigerten Sofas gedacht gewesen sei. Anbei lagen ein Klebeband und ein Messer. Die Polizei war daher der Ansicht – und darin folgte ihr das Gericht –, dass dies alles für den Abtransport der Leiche gedacht war. Zudem wurde die vermeintliche Käuferin nie gefunden. Ihren Namen kannte der Angeklagte nicht.

„Möglicherweise glaubt der Angeklagte aber inzwischen selbst, was er sagt“, stellte die vorsitzende Richterin eine These auf, die sie selbst als steil bezeichnete. Keine These war ihrer Ansicht nach aber der Umstand, dass der 49-Jährige die klare Absicht gehabt habe, seine Frau zu töten.

Viele weitere Berichte aus den Gerichtssälen in Neumarkt und Nürnberg lesen Sie hier.

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