MyMz
Anzeige

Lebe das Abenteuer Geschichte!

Nach etwa fünf Jahren stand das bronzezeitliche Langhaus und jetzt hieß es, die Anlage mit Aktivitäten erfüllen, vieles lernen, nachmachen und weitergeben vom Leben der Menschen in der Jungsteinzeit und hauptsächlich in der Bronzezeit.

  • Alcmona-Vorsitzender Horst Meier stößt ins Horn und lädt mit dem „bronzezeitlichen Händler“ Kurt Scheuerer zu einer vorgeschichtlichen „Hochzeitsfeier“ auf dem Gelände der Alcmona ein. Fotos: Grad

Experimentelle Archäologen zeigten interessierten Vereinsmitgliedern, was da alles möglich ist. Lothar Breinl lehrte, wie Feuermachen geht. Und bald beherrschten mehrere Mitglieder nach einiger Übungszeit diese Technik. Auch an Großes wagten sich Breinl und Leute der Alcmona: Aus einem dicken Pappelstamm einen langen Einbaum herstellen. Nachdem der Stamm in Form geschnitten war mit Bug und Heck, konnten aus dem Inneren größere Stücke herausgesägt werden, doch bald ging es nur mit Handarbeit weiter. Die übernahm größtenteils Horst Meier sen., der mit viel Geduld und einfachen Werkzeugen wie Schlagholz, Stemmeisen und Hohlbeitel den Stamm endgültig ausweidete und nur schmale Seitenwände stehen blieben. Der Stapellauf gelang und die ersten erfolgreichen Fahrten auf dem Ludwigs-Kanal zeigten, wie gut der Einbaum gelungen war.

Robert Pleyer gewann mit viel Hitze und trockener Birkenrinde tiefschwarzes Pech, den Klebstoff der Steinzeit. Er schlug scharfe Klingen aus Feuerstein, arbeitete sie Geweihstücken nach und klebte sie in die Kerbe eines Holzstücks, fertig war das Messer der Steinzeit. Karl-Heinz Hinz zeigte Jagdtechniken aus der Vorzeit wie die Handhabung der Speerschleuder. Die Schleuder verlieh dem Speer zusätzlichen Schwung, der viel weiter flog. Auch mit Pfeil und Bogen lernten die Alcmonen gut umzugehen. Bei Textil-Techniken der Bronzezeit kannte sich Juliane Schwartz vom Römer und Bajuwaren-Museum in Kipfenberg aus. Brettchenweben oder Nadelbinden, Wolle färben zeigte die Fachfrau den interessierten Leuten. Bei einem weiteren Kurs zeigte ein Fachmann, wie aus einem Stück Leder die Scheide für ein Messer hergestellt wird. War nicht einfach, das Material zurecht zu schneiden, am Rand Löcher zu stechen und mit Lederriemen zu verbinden.

Mit der Steinaxt am Baum

Ein geschickter Handwerker baute eine Vorrichtung, um ein Loch durch einen Stein zu bohren. Einen Baum mit der Steinaxt fällen? Auch das probierten einige Leute aus. Im Stadtwald suchte Förster Oliver Kuhn eine ganz schon ziemlich starke Fichte aus. Dann schlug man mit der Steinaxt zu, jeder versuchte sein Glück und nach relativ kurzer Zeit fiel der Baum. Damit gelang es zu zeigen, dass die Techniken der Vorgeschichte tatsächlich funktionierten. Gut besucht waren und sind die Korb-Flechtkurse von Sepp Dürr und Brigitte Steimann. Jeder Teilnehmende lernt die Grundtechniken und hat am Ende des Kurses einen fertigen Korb geschafft.

Immer mehr Leute wurden aufmerksam auf Alcmonaland, besuchten an den Sonntag das „Offene Haus“, staunten über Haus und Einrichtungen und erhielten bei Fragen fachkundige Antworten. Besonders die Soay-Schafe, eine ganz alte Rasse, zogen Kinder und Erwachsene an und viele hielten die Tiere für Ziegen, weil sie Hörner tragen. Für sie war ein Stall gebaut worden, in dem auch Futter für den Winter gelagert werden kann.

Das Lugnasadh, das Erntefest, zog immer viele Besucherinnen und Besucher an. Den Darstellern verschiedener Zeitepochen konnte man beim „Arbeiten“ zusehen, Fragen stellen und auch mitmachen. Wolle färben und über die schönen Farben staunen oder nach dem Käsemachen vom Ergebnis kosten und sich wundern, mit welch einfachen Mitteln der köstliche Käse gelungen war. Der bronzezeitliche Händler brachte auf dem Einbaum Decken und Stoffe ins „Dorf“ und bot noch andere Waren an. Er erläuterte astrologische Gesetze und ließ Hochzeit oder Begräbnis nachspielen und an den „Prozessionen“ zu diesen Anlässen beteiligten viele kleine und große Leute. Kindergärten, Schulklassen, Jugendgruppen, Vereine, Familien besuchten Alcmona.

Das Handy der Steinzeit

Man durfte mit Lederschnur, Stückchen von Geweihstangen, Perlen und weiteren Naturmaterialien Halsketten kreieren, kleine Lehmöfen bauen oder kurze, schmale Brettchen am Sandstein schleifen und bemalen. Eine Schnur geflochten, an einem der zwei spitzen Enden angebunden und schnell geschwungen, schon waren verschiedene Töne zu hören und das „Handy der Steinzeit“, wie Karl-Heinz Hinz es bezeichnete, bereit zum Übermitteln von Botschaften. Bei all den Aktivitäten kommt natürlich Hunger auf, der gestillt werden muss. Der „Fünf-Steine-Koch“ der Alcmona kochte leckeres Gulasch mit all den Zutaten, die es auch in der Bronze-oder Keltenzeit gab. Natürlich brutzelten auch Steak und Würstchen auf dem Grill und kühle Getränke löschten den Durst.

Erdige Musik machte die Gruppe „Omwoldon“ auf einer Vielzahl von ganz außergewöhnlichen und vielfach selbst gebauten Instrumenten. Der Drum Circle von Charlie Böck lockte viele Leute an zum Mittrommeln im Kreis. Er spielte den Rhythmus vor und dann setzten alle ein und trommelten sich fast die Seele aus dem Leib. Die Musik von Mistletoe and Yvi begeisterte das Publikum, das dicht gedrängt im Langhaus und freute sich an Songs aus Irland oder Schottland, traumhaft sicher gespielt und gesungen. Ganz begeistert war das Publikum beim Open Air „Summer of Love and Music“, den mehrere engagierte Musikmachende aus und um Beilngries gestalteten. Schlager und Popsongs erfreuten das Publikum in der lauen Sommernacht. Weitere Kunstschaffende hinterließen auch Spuren. So steht ein mächtiger Krieger vor dem Langhaus und bewacht sozusagen das Gebäude.

Genügend Arbeit haben die aktiven Alkmonen, um die Anlagen auf dem Gelände zu erhalten und zu ergänzen. Die Wände des Langhauses kalken, Lehmöfen reparieren, Rundhölzer für den Zaun entrinden, die Arbeit geht nicht aus. Ein Stroh- und Heuspeicher wurde errichtet, er steht auf vier dicken Hölzern über dem Boden und ist mit Schilf eingedeckt. Auch das machten Vereinsmitglieder und freuten sich über das Lob einer Fachfrau. Eine Schwitzhütte, eine Art Sauna der Vorgeschichte, haben junge „Alkmonen“ errichtet und schon ausprobiert. Vorsitzender Horst Meier nennt beeindruckende Zahlen: In den letzten Jahren besuchten an die 4000 Personen bei Kursen, Veranstaltungen und an den Tagen des „Offenen Hauses“ die Alcmona, laut Berechnungen des Tourismusverbandes Franken gibt jeder 27 Euro in der Stadt aus. „Alcmona wird angenommen in der Region, ist ein Werbe- und Kulturträger für Dietfurt und eine wirtschaftliche Bereicherung für die Stadt“, so Meier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht