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Natur

Lupburg: Familie besorgt wegen Füchsen

Meister Reinecke hat sich in See in einem leerstehenden Gebäude einquartiert. Nachbarn befürchten gesundheitliche Gefahren.
Von Peter Tost

Lupburg.„Ein Sommermorgen 2018 in See. Es ist kurz vor Acht. Eltern bringen ihre Kinder in den Kindergarten. Was ist das? Schöne Idee: Ein mobiler Streichelzoo. Nein, das war ein echter Fuchs. Direkt neben dem Kindergarten in der St.-Martin-Straße.“ So beginnt die E-Mail, mit der sich Josef Mirbeth unter der Betreffzeile „Kein Sommermärchen“ an das Neumarkter Tagblatt gewandt hat.

Mirbeth zufolge hat sich ein Fuchs samt Nachwuchs in einem benachbarten verfallenen Bauernhof in der Ortsmitte seinen Bau eingerichtet. „Die Hofbesitzerin ist vor Jahren verstorben. Seitdem verfällt das Anwesen weiter und entwickelt sich zum Biotop“, schreibt er. Im persönlichen Gespräch berichtet Josef Mirbeth, dass die Gemeinde vergangenes Jahr Bauzäune rund um die baufälligen Gebäude aufgestellt und das Dach mit einer Kunststoffplane abgedeckt hatte.

„Gegen Nässe mag die Plane helfen, aber gegen herabrutschende Dachziegel nur bedingt“, sagt Ehefrau Silke, die auf dem Weg zum Kindergarten jeden Tag zweimal an dem Gebäude vorbeigehen muss. Seit zwei bis drei Monaten hätten sich nun auch noch ein Fuchs und seine Jungen dort einquartiert und streiften durch die Gegend.

„Uns ist nicht wohl dabei“

„Wir befürchten einfach, dass von den Tieren eine gesundheitliche Gefahr ausgeht – vor allem für die Kinder “, sagen Silke und Josef Mirbeth. Sei es die Tollwut oder der Fuchsbandwurm – der Familie ist einfach nicht wohl bei dem Gedanken, dass sich Füchse mitten im Ort einquartiert haben – und das auch noch in unmittelbarer Nähe des Kindergartens.

„Hier ist Gefahr in Verzug – baulich und hygienisch. Ein Bauzaun schützt weder vor dem Fuchsbandwurm noch vor herunterfallenden Dachziegeln“, hatte Josef Mirbeth in seiner E-Mail geschrieben. Was die Füchse angeht, wolle natürlich niemand, dass die Tiere getötet würden, aber mitten im Ort und in unmittelbarer Nähe des Kindergartens hätten sie nichts verloren.

„Füchse haben mitten in einer Ortschaft nichts verloren.“

Nachbar Josef Mirbeth

Das sieht auch Bürgermeister Manfred Hauer so, dem zwar der baufällige Zustand des Anwesens bekannt war, aber nicht, dass Füchse darin heimisch geworden sind, wie er beteuert. „Was das Gebäude angeht, sind uns über die bereits getroffenen Sicherungsmaßnahmen hinaus die Hände gebunden“, erklärt Hauser. Wer der aktuelle Eigentümer des Anwesens ist, sei derzeit ungeklärt. „Unser Ansprechpartner ist der Nachlassverwalter in Nürnberg.“

Quartier: Seinen Bau hat sich Fuchs in diesem verlassenen Anwesen eingerichtet.  Foto: Tost
Quartier: Seinen Bau hat sich Fuchs in diesem verlassenen Anwesen eingerichtet. Foto: Tost

Was den Fuchs angeht, müsse der Markt zunächst einmal abklären, wer überhaupt für ihn zuständig ist, sagt Bürgermeister Manfred Hauer. Das weiß Stefan Berner, der Leiter der Jagdbehörde am Landratsamt Neumarkt. „Das ist die Angelegenheit der Gemeinde“, sagt er zum Neumarkter Tagblatt. Diese habe sich deshalb auch um eine Lösung zu kümmern.

Einen konkreten Vorschlag hat Berner zwar nicht parat, aber er kann zumindest sagen, was keine ist. „Eine Bejagung ist innerhalb einer Ortschaft nicht erlaubt, da es sich um einen befriedeten Bereich handelt.“

Den Fuchs in einer Falle zu fangen, sei derzeit aus Tierschutzgründen ebenfalls verboten: „Während der Aufzuchtzeit von Jungen darf man das Muttertier nicht einfach wegfangen“, Das sei erst wieder möglich, wenn die Jungtiere sich selbst um ihre Nahrung kümmern können. Er empfehle deshalb, dass sich die Gemeinde von einem Jäger beraten lassen sollte.

Lösung ist bereits in Sicht

Das Ergebnis: „Der Fuchs und seine Jungen werden in den nächsten Tagen vergrämt, also dauerhaft aus dem Anwesen vertrieben“, erklärt Bürgermeister Hauser. Dabei werde der Jäger mit Hunden durch das Gebäude gehen. „Sobald der Fuchs den Geruch der Hunde bemerkt und erkennt, dass sein Versteck nicht mehr sicher ist, wird er verschwinden“, sagt Hauser und ist froh, dass das Problem mit den Füchsen in See schon bald der Vergangenheit angehören wird.

Was die gesundheitliche Gefährdung von Menschen in den vergangenen Wochen angeht, geben die Behörden weitestgehend Entwarnung. Der Leiter des Neumarkter Veterinäramts, Dr. Kai Langner, weist darauf hin, dass Deutschland seit zehn Jahren offiziell tollwutfrei ist. Auch Infektionen mit dem Fuchsbandwurm seien ihm in der Region keine bekannt.

Nachbarschaft: Nur einen Steinwurf entfernt befindet sich der Kindergarten.  Foto: Tost
Nachbarschaft: Nur einen Steinwurf entfernt befindet sich der Kindergarten. Foto: Tost

Das bestätigen auch die offiziellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts, die Susanne Glasmacher auf Anfrage des Neumarkter Tagblatts mitteilt. Demnach hat es in der gesamten Oberpfalz – Regensburg ausgenommen – seit 2001 lediglich sechs Fälle gegeben. „Die letzte Erkrankung wurde im Jahr 2014 gemeldet“, sagt sie.

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