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Einweihung

Mega-Tag der Deutschen Bahn endet böse

Mehrere kleine Unzulänglichkeiten begleiteten die Eröffnung der Strecke Nürnberg-Erfurt. Doch am Abend kam es richtig dicke.
Von Lothar Röhrl

Kurz vor Erfurt wurden die 300 Stundenkilometer erreicht. Mit diesem Tempo verkehren künftig die „ICE-Sprinter“ dreimal in jeder Richtung.Fotos: Röhrl
Kurz vor Erfurt wurden die 300 Stundenkilometer erreicht. Mit diesem Tempo verkehren künftig die „ICE-Sprinter“ dreimal in jeder Richtung.Fotos: Röhrl

Nürnberg,.Perfekte geplante Tage werden dann erst richtig unvergesslich, wenn es trotzdem Ungenauigkeiten gibt. Aber: Ein Image wird dann richtig ramponiert, wenn an einem Tag eine Mega-Panne passiert, die so hätte unbedingt vermieden werden müssen. Davon blieben am Freitag die Feierlichkeiten rund um die Eröffnung der Schnellfahrstrecke Nürnberg-Erfurt nicht verschont. Freilich: Ansonsten zeigte sich die Deutsche Bahn AG am Freitag bis spät in den Abend. von der Seite, mit der sie sich am liebsten zeigt: Pünktliche Eröffnungszüge mit Kanzlerin an Bord. Aber für einen der genannten „Klopse“ war auch Frau Angela Merkel verantwortlich.

Und da kommt der ICE, der für Journalisten vorgesehen war, auch schon daher:

ICE fährt am 8,12, 300 km/h

Denn bei der Berliner Festveranstaltung im Festzelt auf dem Washington Platz vor dem Hauptbahnhof und in Sichtweite des Bundestags pries die erste Dame im Staate, die allerdings erst in Berlin-Südkreuz zugestiegen war, die Strecke als Transportweg für viele Güter. Doch genau für diese, nämlich für Güterzüge, sind die 107 Kilometer wirklich neue Strecke zwischen Ebenfeld und Erfurt nicht konzipiert worden. Darüber sollen seit Sonntag täglich nur 35 ICE-Züge mit 230, 250 und 300 Stundenkilometer – je nach Baureihe – rauschen. Für Güterzüge gibt es derzeit noch keine einzige Lokbaureihe, die für das signallose Steuerungssystem ECTS ausgelegt wäre. So richtig ernst sind die Anläufe, über diese rein für schnelle Personenzüge konzipierte Strecke auch Güterverkehr laufenzulassen, bisher nicht angelaufen.

Schmidts trübe Erinnerung

Auch der aktuelle, geschäftsführende Verkehrsminister Christian Schmidt sorgte unter Kennern für Stirnrunzeln. Da berichtete er, dass er auf den Tag genau 35 Jahre zuvor in einem Intercity der damaligen Deutschen Bundesbahn wegen einer vereisten Oberleitung mitten auf einer Strecke steckengeblieben war. Mit der Gattin des zwei Jahre zuvor als Bundesbahnpräsident ausgeschiedenen Wolfgang Vaerst habe er sich unterhalten, dass doch bitteschön ICs in Zukunft nicht mehr nur erste Klasse wie bei dieser Chaos-Fahrt haben sollten. Eigentlich hätten aber damals Intercitys schon zweite Klasse haben müssen. Denn 1982 gab es schon drei Jahre lang das Konzept „IC79“. Das sah erste und zweite Klasse vor. Wenn denn schon der heutzutage wegen seines Verhältnisses zu Glyphosat in Misskredit geratene Chef des staatseigenen Betriebes Deutsche Bahn damals in einem nur erste Klasse führenden Zug gesessen hat, hat es sich wohl um einen TEE (Trans Europa Express) gehandelt.

Wir waren dabei, als der Eröffnungs-ICE kurz die 300 erreicht hat.

Doch dieser Schmidt-Malus fiel weniger auf als der „Klops“, der dem Bamberger Erzbischof Ludwig Schick passierte. Schick ist Oberhirte der Diözese mit Mittelpunkt in der Stadt, wegen dessen noch ungeklärter Durchfahrung sich die komplette Fertigstellung der Strecke noch bis 2030 hinziehen wird. Dieses Unterfangen (im Tunnel oder viergleisig durch ein wahres Nadelöhr) wird nochmals eine Milliarde kosten. Das treibt dann zusammen mit weiteren Maßnahmen zum viergleisigen Ausbau zwischen Nürnberg und Ebensfeld die Baukosten bis 2030 von derzeit 10,5 Milliarden auf fast zwölf Milliarden Euro hoch. 2030 müsste dann der Erzbischof auch wissen, dass es Deutsche Bahn und nicht Deutsche Bundesbahn heißt. Als er diesen schon seit 1994 unkorrekten Begriff in den Mund nahm, entgleisten am Freitag beim Festakt im Nürnberger Hauptbahnhof die Gesichtszüge von Bahnchef Richard Lutz und auch vom der Bahn anerkannt zugetanen bayerischen Verkehrsminister Joachim Herrmann. Aber nur kurz, dann bestimmte verzeihendes Grinsen ihre Mienen.

Was in Berlin folgte, war bekannte Rhetorik: Bahn-Chef Lutz sprang davon, dass 1,2 Millionen Autofahrten pro Jahr eingespart werden könnten. Bundeskanzlerin Merkel stellte die europäische Dimension der neuen Strecke heraus. Und schließlich wurde auch noch Formel 1-Weltmeister Nico Rosberg als neuer Kooperationspartner eingeführt. Der Veranstaltungstag hätte fast den Stempel „perfekt“ verdient. Der Verfasser dieser Zeilen hatte dann allerdings Riesenglück, dass er sich für einen nostalgischen Abschluss dieses bahnhistorischen Ereignisses entschieden hatte. Denn er fuhr erst am Samstag mit dem fünftletzten direkten ICE, der von Berlin nach Nürnberg über die alte Saaletal-Strecke eingesetzt wurde. Zahlreiche Fotografen nutzten entlang dieser alten Route das Tageslicht, um die weiß-rote Garnitur auch trotz dichten Schneetreibens etwa im Frankenwald für die Nachwelt festzuhalten. Dieser ICE 1511 kam acht Minuten früher in Lichtenfels und top-pünktlich in Nürnberg an.

Riesenpanne verdarb Eindruck

Am Samstag hielten zum letzten Mal ICEs von Berlin nach Nürnberg in Jena. Wir waren im Zug dabei.

Letzter ICE in Jena

Im Gegensatz zu dem Sonder-ICE am Abend vorher, der die Festgäste der Eröffnungsveranstaltung – unter ihnen viele Journalisten – zurück nach Nürnberg und München bringen sollte. Unterwegs gab es Probleme mit dem Fahrzeug ICE 3. Also jener Baureihe, die noch bei der Fahrt nach Berlin mit Spitzentempo 301 geglänzt hatte.

Eine Menge Bilder haben wir in Nürnberg und Berlin gemacht:

Eröffnung ICE-Strecke Nürnberg-Erfurt

Gut zwei Stunden später als geplant, waren die Gäste in München zurück. Obwohl sie in einem Zug saßen, der schon mal zeigen sollte, wie schnell ein „ICE-Sprinter“ sein kann. Damit wurden noch am Eröffnungstag aus versprochenen vier Stunden zwischen Berlin und München jene sechs, die eigentlich seit dem Fahrplanwechsel zwei Tage später am Sonntag Vergangenheit sein sollten. Damit endete der Tag für die Deutsche Bahn und ihren Eigentümer Bundesrepublik nicht so, wie das noch bei der ersten Festveranstaltung in Nürnberg planmäßig angelaufen war. Es hätte ein schönerer Bahn-Tag werden können.

ICE Eröffnungsfahrt Nürnberg.Erfurt

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