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Nürnberg

Menschenrechts-Filmpreis verliehen

Engagierte Filme von kritischen Regisseuren wurden in der Tafelhalle gezeigt. Ein 30-minütiger Beitrag über Syrien erhielt eine der Auszeichnungen.
von Nikolas Pelke

Kabarettist Christoph Süß führte durch den Abend. Verena Jahnke erhielt für ihren Film „Rausch“ den Deutschen Menschenrechts-Filmpreis überreicht. Foto: Pelke

NÜRNBERG. Wenn der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis verliehen wird, geht es nicht um Stars und Sternchen, Geld und Glamour. Es geht um engagierte Filme, kritische Filmemacher und ein interessiertes Publikum.

Über 400 Menschen schauen am Samstagabend auf die Bühne in der Tafelhalle. Dort wird gleich der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis verliehen. Einen Namen hat die Preis-Statue nicht. Mit Filmpreisen wie dem „Oscar“ will sich der Menschenrechts-Filmpreis wohl gar nicht vergleichen. Es geht hier nicht um Kassenknüller, sondern um nachdenkliche Streifen. Mittendrin im Publikum sitzt Renate Catin. „Ich bin extra aus Frankfurt nach Nürnberg gekommen, um dabei zu sein“, sagt die Zuschauerin. Leider sei sie allein gekommen. „Viele meiner Freunde wollen nicht unbedingt Probleme im Kino sehen“, sagt Catin.

Liebeslied über Algerien

Derweil eröffnet die Berliner Formation „Daniel Kahn & the Painted Bird“ mit einem Liebeslied über Algerien die Veranstaltung. Dann betritt der Fernseh-Moderator und Kabarettist Christoph Süß die Bühne. Heute sei nicht nur der Tag der Menschenrechte. Heute bekomme auch die Europäische Union in Oslo den Friedensnobelpreis. Die EU, so Süß, sorge durch Frontex dafür, dass tausende Menschen auf dem Weg ins gelobte Europa im Mittelmeer ertrinken. Mit Frontex schützt die EU ihre Außengrenzen. Eine Politik, die einem Friedensnobelpreis-Träger nicht gut zu Gesicht stehe.

Eine „Gutmenschenveranstaltung“ sei der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis allerdings nicht, sagt Süß. Vielmehr gehe es darum, gesellschaftliche Veränderungen anzustoßen. „Dafür braucht man keine Mehrheit von 50 Prozent plus x“, sagt Süß. Filme könnten schon erfolgreich sein, wenn ein paar Promille des Kino- und Fernseh-Publikums mit dem Thema Menschenrechte in Kontakt kämen. Dann macht Süß die Bühne frei. Die laufenden Bilder sollen nun sprechen.

In dem Film „Rausch“ nehmen zwei Polizisten einen Drogendealer fest, der die Drogen bei seiner Festnahme verschluckt haben soll. Natürlich entspricht der Drogendealer dem Klischee: er ist schwarz. Der dunkelhäutige Mann wird an einen Stuhl gefesselt, weil er sich weigert freiwillig das Brechmittel einzunehmen, damit er die Drogen erbricht. Diese Art der „Beweismittelerlangung“ war in Deutschland bis zum Jahr 2006 die Regel.

Eindringliche Bilder

Erst die Entscheidung der Europäischen Gerichtshofes zwingt Deutschland dazu diese unmenschliche Methode abzuschaffen. Genau hier setzt Verena Jahnke mit ihrem Film an. Für ihre eindringlichen Bilder hat die Jury die junge Filmemacherin mit dem Deutschen Menschenrechts-Filmpreis in der Kategorie Filmhochschule ausgezeichnet.

Mit einfachen Mitteln macht der 17-jährige Tim Hartelt auf ein schwieriges Thema aufmerksam, das langsam wieder aus unseren Schlagzeilen verschwindet: Syrien. Der Schüler bringt in seinem Film syrische Exilanten mit ihrem Leid, ihrer Wut und ihren politischen Forderungen zu Gehör.

Dann holt Christoph Süß den jungen Preisträger auf die Bühne. „Ob die Zuschauer nur deswegen so begeistert sind, weil sie glauben, Du bist Justin Bieber?“, fragt Süß den frischgebackenen Preisträger, der seinen 30-minütigen Streifen im Zuge eines Schulprojektes realisiert hat. „Das war schon mehr Arbeit, als einen Aufsatz zu schreiben. Aber ich will noch weitere Filme machen“, sagt Tim Hartelt. In der Schule hat er die Note 1 für seinen Film bekommen – mit Sternchen.

Für den Deutschen Menschenrechts-Filmpreis erhält Hartelt wie die weiteren Preisträger (Heidi Specogna in der Kategorie Profi für „Mädchengeschichten: Esther und die Geister“; Fabio Friedli in der Kategorie Animationsfilm für „Bon Voyage“) 2500 Euro Preisgeld. Wichtiger als das Geld ist den Filmemachern sicher die Anerkennung und die Aufmerksamkeit. Darin unterscheidet sich der Menschenrechts-Filmpreis gar nicht so viel vom berühmten Oscar.

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