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Integration

Mentorenteams für Flüchtlinge gesucht

Ein neues Programm sieht vor, dass sich Flüchtlingshelfer in Neumarkt die Verantwortung teilen – und die Kosten fürs Wohnen.
Von Nicole Selendt

Nicht ein Helfer kümmert sich um viele Geflüchtete, sondern mehrere Helfer kümmern sich um wenige Geflüchtete. Das ist das Prinzip, das hinter
Nicht ein Helfer kümmert sich um viele Geflüchtete, sondern mehrere Helfer kümmern sich um wenige Geflüchtete. Das ist das Prinzip, das hinter "Neuanfang im Team" steckt. Foto: UNHCR/Annie Sakkab

Neumarkt.Neue Ehrenamtliche zu finden, die sich um Flüchtlinge kümmern, ist ohnehin schon schwer. Auch in Neumarkt. Denn diejenigen, die seit der großen Welle von 2015 Asylbewerber durch den Alltag und ihr Verfahren begleiten, können nicht noch mehr leisten. Daher ist es nicht verwunderlich, dass das Bistum Eichstätt mit einer Informationsveranstaltung über ein neues Aufnahme­programm für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge mit dem Namen „Neustart im Team“ vor einigen Tagen im Bürgerhaus keine Begeisterungsstürme auslösen konnte. Warum es sich trotzdem lohnt, das Programm in Neumarkt zu starten und Freiwillige – sie werden dann Mentoren genannt – dafür zu finden, hat die MZ bei Stadtpfarrer Norbert Winner und der Projektorganisatorin Integration im Bürgerhaus, Anna Lehrer, erfahren.

Fünf Mentoren bilden ein Team

Denn im Gegensatz zur bisherigen Flüchtlingsarbeit, bei der sich ein Helfer immer gleich um mehrere Flüchtlinge gekümmert hat, soll es bei dem Aufnahmeprogramm „Neustart im Team“ genau anders herum sein: Ein Mentorenteam, bestehend aus mindestens fünf Personen, kümmert sich nur um eine Person oder nur eine Familie.

Anna Lehrer koordiniert im Bürgerhaus Projekte zur Integration von Flüchtlingen. Foto: Selendt
Anna Lehrer koordiniert im Bürgerhaus Projekte zur Integration von Flüchtlingen. Foto: Selendt

Dabei soll es nicht darum gehen, die Geflüchteten während ihres Asylverfahrens zu begleiten. Denn die Flüchtlinge, die für das Programm ausgewählt werden, haben bereits einen Aufenthaltsstatus. Anna Lehrer betont: „Es geht darum, den Menschen die Teilnahme am täglichen Leben zu ermöglichen.“

Mentoren könnten zum Beispiel in folgenden Bereichen behilflich sein:

  • Arztbesuche
  • Anmeldung in Schulen oder Kindergärten
  • Arbeitsplatzsuche
  • die Anmeldung in einem Sportverein
  • die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel
  • Einkaufen und vieles mehr.

Finanzielles Engagement schreckt viele ab

Warum die rund 25 bis 30 Teilnehmer der Infoveranstaltung über „Neustart im Team“ sich nicht als Mentoren gemeldet haben – schließlich sind sie fast ausnahmslos schon sehr erfahren im Umgang mit Geflüchteten – liegt an dem finanziellen Engagement, das laut Stadtpfarrer Norbert Winner verlangt wird.

Denn es gehört nicht nur zum Aufgabengebiet der Mentoren, auf dem angespannten Neumarkter Wohnungsmarkt eine Wohnung für die Geflüchteten zu finden. Sondern auch, die Kaltmiete für zwei ganze Jahre vorzustrecken. „Das ist ganz schön happig“, sagt Winner, der nachvollziehen kann, dass viele der Flüchtlingshelfer mittlerweile eher ans Aufhören denken, als sich nochmals Verantwortung für Geflüchtete aufzubürden.

Mentor werden

  • Programm:

    Das Aufnahmeprogramm „Neustart im Team“ ist für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge, die sich in einem der Erstzufluchtsstaaten Ägypten, Jordanien, Libanon und Äthiopien aufhalten. 500 besonders schutzbedürftigen Flüchtlingen soll der Zugang nach Deutschland ermöglicht werden.

  • Träger:

    Verantwortlich für das Programm sind das Bundesinnenministerium, die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration sowie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Unterstützt werden die Behörden von Wohlfahrtsverbänden, Kirchen, Nichtregierungsorganisationen sowie Stiftungen.

  • Teilnehmer:

    Als besonders schutzbedürftig gelten ältere Menschen, Behinderte, Opfer von Gewalt oder Folter, Kinder, psychisch Kranke oder solche, für die es im bisherigen Zufluchtsland keine Perspektive gibt. Die Aufgenommenen haben bereits eine Aufenthaltserlaubnis, müssen in Deutschland kein Asylverfahren mehr durchlaufen.

  • Kontakt:

    Gruppen oder Einzelpersonen, die sich eine Tätigkeit als Mentor vorstellen können, melden sich bei Anna Lehrer im Bürgerhaus unter Tel. (0 91 81) 2 55 26 10 oder im Pfarrbüro St. Johannes unter Tel. (0 91 81) 90 59 56.

Wie dieses für viele Helfer abschreckende finanzielle Engagement aufgefangen werden kann, darüber macht man sich derzeit in der Abteilung Flüchtlingsseelsorge des Bistums Eichstätt Gedanken. Matthäus Kamuf, der zuständige Pastoralreferent, sagte im MZ-Gespräch, dass man dabei sei, einen Fonds einzurichten, über den die Kosten für die Wohnung der Geflüchteten mitfinanziert werden können.

Die Erzdiözese München und Freising hat einen solchen Fonds über 200 000 Euro bereits eingerichtet, Mentoren können die Kostenübernahme unter bestimmten Umständen beantragen. Darüber hinaus soll es laut Kamuf auch möglich sein, Firmen für ein Sponsoring zu gewinnen oder Spenden dafür zu sammeln.

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Suche in den Pfarreien und bei Vereinen

Er könnte sich vorstellen, dass daher Gruppen aus kirchlichen Vereinen oder Organisationen besonders geeignet für die Arbeit als Mentoren sind. Das bestätigt Anna Lehrer vom Bürgerhaus, die unbedingt vermeiden will, dass die Neumarkter Ehrenamtlichen auf den Kosten für die Wohnung sitzenbleiben. Sie würde sich ein Mentorenteam wünschen, dessen Mitglieder sich schon gut kennen – aus einem Sportverein oder einer Pfarrgemeinde. Stadtpfarrer Winner hört sich deshalb schon seit einigen Tagen beim Frauenbund um, bei Kolping und bei ihm gut bekannten Organisationen, ob Interesse an einem Engagement besteht.

Lehrer betont aber auch, dass es kein Zwang ist, sich an dem Programm „Neustart im Team“ zu beteiligen. Wenn alle infrage Kommenden gründlich nachgedacht haben, ob sie sich das vorstellen können, wenn alle bekannten Anlaufstellen gefragt worden sind und sich trotzdem niemand findet, der Mentor werden möchte, dann nimmt Neumarkt an diesem Programm eben nicht teil.

Programm ist erst angelaufen

In der Erzdiözese München-Freising haben sich nach einer ersten Informationsveranstaltung laut einem Sprecher schon erste Mentoring-Gruppen gebildet, die Antragstellung auf die Übernahme der Kaltmiete für zwei Jahre läuft allerdings noch. Noch sei keine Prognose darüber möglich, wie das Programm und die entsprechende Förderung dort angenommen werde.

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