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Kirche

Missbrauchsopfer verklagt Diözese

Ein Pfarrer verging sich in den 70er Jahren im unterfränkischen Bad Neustadt an einem Neumarkter. Nun zwingt er die Kirche zur Stellungnahme.

Berhard Rasche wurde als Kind Opfer sexueller Übergriffe eines Pfarrers.

Neumarkt/Würzburg.Seit fünf Jahren kämpft der studierte Theologe Bernhard Rasche aus Neumarkt für die Rechte von Missbrauchsopfern der katholischen Kirche. Er selbst weiß, wovon er spricht, denn auch Rasche wurde als Schüler im Missionshaus St. Kilian im unterfränkischen Bad Neustadt missbraucht. Die Vorfälle in den 1970er Jahren sind lange verjährt, dennoch stehen sich Rasche und die Diözese Würzburg am kommenden Mittwoch vor dem Amtsgericht gegenüber. „Widerruf einer Behauptung“ lautet der Vorwurf der juristischen Auseinandersetzung.

Rasche hatte den Prozess angestrengt, um endlich eine Reaktion seites der Kirche auf seine Missbrauchsakte zu erhalten. „Nicht eine einzige Bitte um ein Gespräch wurde von der Diözese positiv beschieden, geschweige denn überhaupt darauf eingegangen. Nicht ein einziges meiner Schreiben beantwortet“, sagt Rasche zur MZ. Erst ein Schreiben seiner Anwältin habe dazu geführt, dass sich die Diözese äußerte. Nun sitzen sich beide Seiten im Rahmen einer Güteverhandlung über den „Widerruf einer Behauptung“ gegenüber. Rasche hatte das Verfahren angestrengt. „Es ist in all diesen Jahren der einzige Prozess, den ich für mich persönlich bestreite“, sagt er.

Rasche, der heute in der Computerbranche arbeitet, missfällt vor allem der Umgang der Kirche mit den Missbrauchsopfern. „Trotz allem Bemühens stellt sich keine einzige Kirchengemeinde offen hinter die Opfer. Es gehört auch zur Besonderheit der deutschen Situation, dass sich bis heute kein betroffener Priester oder Ordensmann öffentlich geäußert und geoutet hat“, schreibt Rasche in einer Mail, in der er über den bevorstehenden Prozess in Würzburg informiert. Er kritisiert auch die Entschädigungszahlungen, die „einen Bruchteil dessen sind, was andere Kirchen leisten“.

Für den Neumarkter muss sich die Haltung der Kirche gegenüber den Opfern, die ihr Leben lang unter den Peinigungen in ihrer Kindheit leiden, grundlegend verändern. „Erst wenn die Kirche begreift und dies auch so formuliert, dass Kindesmissbrauch gegen Leib und Leben des Kindes gerichtet ist, erst dann kann sich das Handeln der Kirche wirklich ändern. Kindesmissbrauch ist kein Verstoß gegen das sechste Gebot, sondern versuchter Mord“, sagt Rasche. (ig)

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