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Region Neumarkt
Mittwoch, 23. Mai 2018 24° 8

Natur

Mit Säure gegen Varroamilben

Im Winter steht bei Bienen eine wichtige Behandlung an: Dr. Christa Olbrich behandelt in Berg die Tiere mit Oxalsäure.
von Christine Riel-Sommer

  • Zügig und konzentriert verteilt Dr. Christa Olbrich die Oxalsäure über das Bienenvolk Foto: Christine Riel-Sommer
  • Barbara zur Loye (l.) verfolgt das Vorgehen genau. Foto: Riel-Sommer

Berg.Ein ganz leises Summen ist bei genauem Hinhören zu vernehmen. Dr. Christa Olbrich ist heute in Berg bei Probe-Imkerin Barbara zur Loye zu Gast. Olbrich ist die Vorsitzende des Imkerkreisverbandes Neumarkt. Wie auch andere langjährige Imker unterstützt sie mit ihrer mehr als 30-jährigen Bienenerfahrung junge Imker im Rahmen einer zweijährigen Betreuung. Sie begleitet sie über das Jahr hinweg bei Fragen. Heute steht eine Oxalsäurebehandlung an.

„Seit zwei Monaten haben wir den Deckel der Bienenbeute nicht mehr geöffnet“, sagt zur Loye und hält einen Stockmeisel bereit, um auf Zuruf den gegebenenfalls verharzten Beutedeckel schnell öffnen zu können. Zufrieden nickt Olbrich, schließlich war es kalt und jede Abkühlung der Behausung des Bienenstaates bedeutet Stress und Belastung für die Tiere. Zur Sicherheit stülpt sich Olbrich einen Imkerschleier um. „Man kann ja nie wissen – ich ziehe immer zur Sicherheit Schutzkleidung an. Auch wenn aufgrund des kühlen Wetters die Bienen heute wohl nicht fliegen werden“, erklärt sie und geht ans Werk.

Sinnvoll ist es, nebeneinander stehende Bienenstöcke auch farblich zu kennzeichnen. Zwar verfügt jedes Bienenvolk über einen eigenen Erkennungsduft, aber die Kennzeichnung kann den Bienen die Orientierung erleichtern. Foto: Riel-Sommer

Bienen rücken eng zusammen

Ein vergleichsweise ruhiger Bienenbetrieb gegenüber den Frühjahrs- und Sommermonaten zeigt sich den beiden: In den kalten Wintermonaten rücken die Arbeiterbienen ganz eng zusammen und wärmen sich gegenseitig. Dadurch bilden sie die sogenannte Wintertraube, deren Kern die Königin darstellt.

Zu nasses und zu kaltes Wetter im Sommer kann auch den Bienen zusetzen. Einen entsprechenden Artikel finden Sie hier.

Die gebildete Wintertraube ist hier gut zu sehen. Foto: Riel-Sommer

Der Bienenstaat organisiert sich permanent: Bienen aus dem kühlen Außenbereich der Wintertraube werden immer wieder von den aufgewärmten Bienen im Innenbereich abgelöst. „Die Traube und die Bewegung der Bienen von außen nach innen, beides ist hier wunderbar zu sehen“, erläutert Olbrich und beeilt sich, um die Öffnung des Stockes auf ein Minimum zu reduzieren: Denn, fällt die Temperatur im Bienenstock, zittern die Bienen den Stock wieder auf 30 Grad Celsius warm. Dazu bewegen sie ihre Flügelmuskulatur ohne abzuheben und erzeugen damit Wärme.

Wissenswertes über Bienen lesen Sie hier:

Faszination Bienen

  • Ein Bienenvolk

    besteht aus einer Königin, Drohnen (männliche Bienen) und bis zu 50 000 Arbeitsbienen. Jedes dieser Volksteile kann ohne die anderen nicht überleben.

  • Die Königin

    legt im Frühling, wenn das Bienenvolk anwächst, bis zu 2000 Eier am Tag. Die Königin bestimmt über die Befruchtung der Eier.

  • Die Arbeiterinnen

    stammen aus befruchteten Eiern, Drohnen aus unbefruchteten.

  • Bienen

    können die unterschiedlichsten Blütenformen besuchen und bestäuben. Sie sind blütenstet und bringen immer den richtigen Blütenpollen für die Bestäubung mit. Ein Bienenvolk kann pro Tag bis zu drei Millionen Apfelblüten bestäuben.

Diese Fähigkeit ermöglicht es den Bienen auch, einen Winter mit zweistelligen Minusgraden zu überstehen, ohne in eine Kältestarre zu verfallen oder zu verhungern. Sobald der eingelagerte Honig durch die Wärme wieder flüssig ist, saugen sie mit ihren Rüsseln diesen und erhalten so Energie.

50 000 Arbeiterinnen im Sommer

Die Bodeneinlage hilft bei der anschließenden Milbenanalyse. Foto: Riel-Sommer

Eilig verteilt Olbrich 20 bis 30 Milliliter Oxalsäure über das Volk und schließt schnell zusammen mit zur Loye wieder den Deckel des Bienenstocks, um das Vorgehen beim benachbarten Stock zu wiederholen. Dort zeigt sich im Vergleich eine sehr kleine Traube. „Das Volk ist sichtbar schwächer als das erste“, stellt Olbrich fest und zur Loye stimmt nickend zu. Während ein Bienenvolk im Sommer über bis zu 50 000 Arbeiterinnen verfügt, sind es üblicherweise im Winter nur 7000 bis 20 000. Auch bei diesem Volk wird die Behandlung durchgeführt, jedoch mit etwas weniger Wirkstoff – und dann wird schnell die Behausung wieder geschlossen.

Die Neumarkter Imker freuen sich über viele Neumitglieder. Den Bericht dazu lesen Sie hier.

Umgehend geht Olbrich auf den soeben durchgeführten Arbeitsprozess ein: „Anfang der 70er Jahre wurde die Varroamilbe in Deutschland eingeschleppt. Diese Milbe vermehrt sich in den Brutzellen und schädigt Brut und erwachsene Bienen.“ Ist das Honigschleudern im Sommer beendet, werde üblicherweise Ameisensäure als erster Schritt zur Bekämpfung dieser Milbe eingesetzt. „Jetzt im Winter während der brutfreien Zeit wird im zweiten Schritt mit Milch- oder Oxalsäure behandelt, wie soeben erfolgt.“ Die Milbe verursache, dass die schlüpfenden Bienen kurzlebiger und weniger widerstandsfähig seien.

Doch mit der Behandlung allein ist es nicht getan. Nun heißt es, den Milbenabfall genau zu kontrollieren, um Schlüsse ziehen zu können, wie es um die Völker steht. Barbara zur Loye schiebt daher die präparierte Bodeneinlage unter die Beute. Sorgfältig wird sie die nächsten Tage die abfallenden Milben zählen. Die 1 x 1,5 Millimeter großen Schädlinge sind mit bloßem Auge zu erkennen.

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