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Tiergarten Nürnberg

Mittendrin statt nur davor

Fledermäuse, die Schmetterlinge auffressen – das kann passieren, wenn wie im Manatihaus viele Tiere zusammenleben.
Von Katrin Böhm

  • Ganz neu: die Bartgeier-Anlage, durch die Besucher hindurchlaufen können. Foto: Böhm
  • Er teilt sich mit Manatis und Ameisen ein Zuhause: der Pfeilgiftfrosch. Foto: Böhm
  • Ein Platz an der Sonne: die Schildkröten im Mediterraneum. Foto: Böhm

Nürnberg.Neulich gab es im Manatihaus fast keine Schmetterlinge mehr. Sie waren wie vom Erdboden verschluckt. Bis sich herausstellte: Es war nicht der Erdboden, der sie verschluckte, sondern es waren Fledermäuse. Mittlerweile sind die Fledermäuse weg – und die Schmetterlinge wieder da. So etwas passiert, wenn man es sich als Zoo zum Ziel gesetzt hat, Besuchern ganze Lebensräume zu zeigen. Mit vielen verschiedenen Tieren und Pflanzen. „Das erfordert Mut – denn man weiß nie, ob es funktioniert“, sagt der stellvertretende Leiter des Nürnberger Tiergartens, Dr. Helmut Mägdefrau.

Obwohl es passieren kann, dass mal etwas nicht so klappt, wie es sich der Tiergarten vorgestellt hat, hält Mägdefrau diese Form der Zootierhaltung für wichtig – nur so könnten Menschen ein Bewusstsein für den Lebensraum von Tieren und damit für Naturschutz gewinnen. Und zwar eher unterbewusst. „Die Leute haben hautnahen Tierkontakt – und dann die ganze Botanik außenrum. Das registrieren die Leute unterschwellig.“

Besucher beschweren sich nicht mehr

In Nürnberg gibt es zwei Beispiele für solche Anlagen: Neben dem Manatihaus ist es das Mediterraneum schräg gegenüber der Lagune. Dort tummeln sich seit August 2010 auf 265 Quadratmetern Schildkröten und Blindschleichen, das Europäische Ziesel und Perleidechsen. Genau hinschauen muss man schon – und nicht immer können Besucher auch alle Tiere entdecken. Schließlich haben sie viele Möglichkeiten, sich zu verstecken. Unter Thymian oder Katzenminze, Lavendel oder Ginster. Ganz zu schweigen von den vielen Unterschlupf-Optionen im Felsen. „Aber da gab es zum Glück einen sehr angenehmen Wechsel in der Kundschaft“, sagt Mägdefrau. Vor 20 Jahren hätten sich Besucher häufig lautstark beschwert, wenn sie beispielsweise die Gorillas nicht gesehen hatten, „obwohl sie doch schließlich Eintritt gezahlt haben“.

„Wenn wir die Leute für Naturschutz begeistern wollen, müssen wir sie schon in eine angenehme Grundstimmung versetzen.“

Helmut Mägdefrau

Heute gibt es das nicht mehr. „Höchstens noch ein paar alte Besucher meckern. Ansonsten ist das Verständnis für die Tiere Gott sei Dank besser.“ Natürlich versuche der Tiergarten auch, den Besuchern entgegen zu kommen, wo es möglich ist. Zum Beispiel im Manatihaus. Eine große Unterwasserscheibe ermöglicht den Besuchern Einblicke in die Unterwasserwelt – und den Manatis ist es egal, ob sie durch eine Glasscheibe oder eine Betonwand begrenzt werden, sagt Mägdefrau. „Wenn wir die Leute für Naturschutz begeistern wollen, müssen wir sie schon in eine angenehme Grundstimmung versetzen.“

„Das ist ein völlig anderes Gefühl“

Genau das will der Tiergarten auch in der neuen Bartgeieranlage, die im Juli eröffnet wurde. Sie ist zwar eher ein Beispiel für die Vergesellschaftung von Tieren als für die Darstellung eines gesamten Lebensraums, lässt aber auch zu, dass die Besucher ganz nah dran sind – denn sie können hineinspazieren.

Keine Scheibe, kein Gitter trennt sie von den mächtigen Bartgeiern, Alpenkrähen, dem Alpensteinhuhn und Tannenhähern. „Das ist ein völlig anderes Gefühl“, sagt Mägdefrau. Mit in der neuen Voliere sind auch Steppenmurmeltiere, die zwar eigentlich eher in der Mongolei leben und daher „ein kleiner Kniefall“ seien. Aber man habe die Tiere von einem privaten Züchter angeboten bekommen – „und weil die Vögel auch im Osten verbreitet sind, konnten wir das biologisch noch vertreten.“

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