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WASAG

Münze erinnert an WASAG

Vor 125 Jahren produzierten die Cahucit-Werke schwarzpulverhaltige Sprengstoffe. Daran erinnert der Münzverein.
Von Andreas Meyer

  • Der colorierte Farbstich zeigt das riesige Firmenimperium der WASAG von der Regensburger Straße betrachtet, um die Jahrhundertwende. Foto: Andreas Meyer
  • Mit einem Gewicht von einer Unze erinnert der Münzverein Neumarkt an die 125-jährige Firmengeschichte. Foto: Andreas Meyer

Neumarkt.Ein Kaufvertrag vom 15. Februar (Notariat Neumarkt, Nr. 160/1894) besagt, dass ein Leonhard Ehrensperger, Bierbrauer und Gastwirt der 1866 die „Goldene Gans“ erwarb, ein Grundstück (Acker) zu 86,9 Ar und eine daranstoßende Wiese zu 93 Ar um insgesamt 2640 Mark verkauft.

Die Grundstücke lagen zwischen dem verlängerten Lährer Weg und der Regensburger Straße und grenzten an die Gemarkung Helena-Lähr. Dies war die Geburtstunde der heute im Volksmund bekannten WASAG.

Franzose unterschreibt Kaufkraft

Käufer war kein geringerer als der Franzose Raymond Cahuc, Fabrikbesitzer und Erfinder, wohnhaft in Fischau bei Wiener Neustadt. Raymond Cahuc ist selbst in Neumarkt und unterschreibt den Kaufvertrag. Weiter gibt er im Notariatsprotokoll mit an: „Er will auf dem Gelände eine Fabrik errichten.“ 1500 Mark des Kaufpreises will er sofort nach Genehmigung des Fabrikbaus bezahlen, den Rest nach 2 Jahren.

Wegen gewisser Schwierigkeiten mit der österreichischen Regierung verlegte er sein Werk nach Neumarkt. Mittlerweile gelang es dem Sohn von Raymond Cahuc, Louis Cahuc die Erfindung des Cahucit. Die Cahucit- Werke, so der damalige Name, stellten seit Beginn der Produktion 1896 anfangs nur gefahrlose schwarzpulverhaltige Sprengstoffe her. Aber bereits 1907 produzierte man hochbrisante dynamitähnliche Ammonsalpeter-Sprengstoffe. Hauptabnehmer waren zunächst Kohlen, Erz- und Salzbergwerke, auch Steinbrüche und Bauunternehmer. Bald aber fand auch die deutsche Heeresleitung Gefallen an den Produkten und empfahl sie als geeignet für militärische Zwecke. Die Jahresproduktion von Patronen überschritt bereits zu Beginn des Ersten Weltkrieges, 1914 die zehn Millionen- Grenze.

Während des Ersten Weltkrieges wurde der Besitzer Cahuc wegen seiner französischen Staatsbürgerschaft interniert, seine Fabrik unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt. Die Zahl der Beschäftigten stieg im Laufe des 1. Weltkrieges auf über 1000 Mitarbeiter an. Im Februar 1918 wurde das Werk Neumarkt mit drei anderen Fabriken der neugegründeten AG „Bayerische Sprengstoffwerke Nürnberg“ einverleibt, aber bereits im Dezember desselben Jahres dem rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben, der daraufhin die gesamte AG erwarb.

Die Krisenjahre 1926 bis 1928 brachten die Neumarkter Firma zum Erliegen. In dieser Zeit (1923) wurde auch das private Firmennotgeld emittiert. Von der „Bayerische Sprengstoffwerke und Chemische Fabriken Aktiengesellschaft Neumarkt“, so der jetzige Firmenname existiert heute noch ein Notgeldschein (Unikat) über „Ein Million Mark, vom 6. September 1923.

Besitzer wechselte mehrmals

Mehrmals noch wechselte der Besitzer. Eine Konkurrenzfirma, die „Süddeutsche Sprengstoff AG München“ kaufte das hiesige Werk und legte es 1931 still. Der nächste Besitzer wurde 1933 die Fa. „Sprengstoffwerk Kloster Lechfeld“ GmbH“. Nach Wiederaufnahme des Betriebs wurden während des Zweiten Weltkriegs hauptsächlich Kriegsprodukte wie Mienen und Munition hergestellt. In dieser Zeit wurde das Werk noch einmal deutlich vergrößert. Am 20. April 1945 besetzte die US-Armee das Neumarkter Werk, ließ die geringen Kriegsschäden beseitigen und setzte eine US-Administration ein.

So ging es weiter

  • 1970

    wurde die Sprengstoff-Produktion endgültig eingestellt, das Betriebsgelände verkauft. Heute ist es bebautes Wohngebiet.

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