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Münzwurf entschied über Bürgermeisteramt

Neumarkts neuer Stadtrat wählte die beiden Stellvertreter von OB Thomas Thumann. Dabei ereignete sich Historisches.
von Wolfgang Endlein

Markus Ochsenkühn (l.) und Gertrud Heßlinger vertreten OB Thomas Thumann in den kommenden sechs Jahren.  Foto: Wolfgang Endlein
Markus Ochsenkühn (l.) und Gertrud Heßlinger vertreten OB Thomas Thumann in den kommenden sechs Jahren. Foto: Wolfgang Endlein

Neumarkt.Der neue Neumarkter Stadtrat ist erstmals zusammengekommen und hat dabei erste Entscheidungen getroffen. Vor allem wählten die Räte, wer für die nächsten Jahre die Stellvertreter des Oberbürgermeisters sind. Dabei gab es eine dicke Überraschung und Historisches. Am Ende entschieden nicht die Stimmen der Stadträte, sondern eine Münze.

Ochsenkühn setzte sich locker durch

Bei der Wahl des künftigen Bürgermeisters bewahrheitete sich jedoch zunächst, was sich schon zuvor angedeutet hatte: Der bisherige CSU-Fraktionschef Markus Ochsenkühn setzte sich durch. Er bekam in geheimer Wahl 34 Stimmen. Jeweils eine Stimme entfielen auf Werner Thumann (CSU), Martin Meier (UPW), Gertrud Heßlinger (SPD) und Dieter Ries (FLitZ).

Die konstituierende Sitzung des Neumarkter Stadtrats fand aufgrund der Corona-Situation in der Großen Jurahalle statt. Foto: Endlein
Die konstituierende Sitzung des Neumarkter Stadtrats fand aufgrund der Corona-Situation in der Großen Jurahalle statt. Foto: Endlein

Dr. Werner Mümmler hatte eingangs für die UPW erklärt, dass diese zwar wie die CSU 13 Sitze im Rat habe, aber man die Mehrheit an Wählerstimmen für die CSU respektiere. Man werde daher geschlossen für Ochsenkühn stimmen.

Kommunalpolitik

Ein Start des Stadtrats mal ohne Eklat?

Am Montag wird im Neumarkter Stadtrat über die Stellvertreter von OB Thumann entschieden. Ein Kandidat scheint festzustehen.

Beim 2. Stellvertreter des OB war im Vorfeld weniger klar – außer, dass die bisherige Bürgermeisterin Gertrud Heßlinger nur zu gerne weitergemacht hätte. Als die UPW allerdings ankündigte, für sich diesen Posten in Anspruch nehmen zu wollen, dürfte Heßlinger schon erahnt haben, was kommen könnte. Zumal die UPW mit ihrem bisherigen Fraktionschef Martin Meier ein politisches Schwergewicht nominierte. Wie UPW-Stadtrat Prof. Peter Grewe zuvor erklärte, habe die UPW als eine von zwei Parteien mit 13 Sitzen im Rat ein Anrecht auf das Amt. Die Wahl des CSU-Manns Ochsenkühn zuvor ließ es für viele realistisch erscheinen, dass sich die Christsozialen für die UPW-Unterstützung revanchieren würden. Meier schien in einer Favoritenposition. Es kam anders.

Stadtrat

Neue Stellvertreter für den OB gesucht

Neumarkts Stadtrat muss zwei neue Bürgermeister wählen. Dass darin einige Brisanz liegen kann, zeigt das CSU-Fiasko von 2014.

Im ersten Wahlgang kam Meier auf 19 Stimmen und Heßlinger auf 20. Da Pedra Wittmann (UPW) überraschend eine Stimme erhielt und ein Stimmzettel ungültig war, fehlte Heßlinger eine Stimme bzw. Meier zwei für den Sieg. Offenbar folgten doch mehr Stadträte der Argumentation, dass sich Heßlinger aufgrund der zweitmeisten Wählerstimmen bei der Kommunalwahl für das Amt qualifiziert habe.

Die Wahl der Stellvertreter des Neumarkter Oberbürgermeisters hatte es auch schon 2014 mit einem Eklat für Aufsehen gesorgt.

Heßlinger gewinnt im Losentscheid

Was folgte, war ein Novum in der Stadtgeschichte. Denn auch die nötige Stichwahl führte zu keiner Entscheidung. Letztlich gab es bei drei ungültigen Stimmen einen Patt von je 19 Stimmen für Meier und Heßlinger. Was nun folgte, kommentierte Heßlinger danach als „so eine blöde Wahl“. Obwohl sie gewonnen hatte. Per Losentscheid, wie es das Recht für solche ungewöhnliche Fälle vorgibt.

Berühmter Münzwurf

  • Fussball:

    Im Fußball kennt man den Münzwurf vom Beginn des Spiels, um zu klären, wer den Ball hat und wer auf welcher Seite spielt. Doch es wurden auch schon wichtige Spiele durch einen Münzwurf entschieden.

  • EM:

    Ein berühmtes Beispiel für eine Entscheidung per Los ist das Halbfinale der Fußball-EM 1968. Italien und die UdSSR waren nach 120 Minuten zu keiner Entscheidung gekommen. Ein Elfmeterschießen war damals noch nicht vorgesehen. Italien kam durch den Münzwurf ins Endspiel.

Es war an Rechtsamtschef Andreas Werner die Entscheidung durch einen Münzwurf herbeizuführen. Als das Zwei-Euro-Stück auf dem Boden zu liegen kam, lag die Seite mit der Zwei oben. „Ich hab die Zwei“, stellte Heßlinger angesichts des ungewöhnlichen Vorgangs ebenso erstaunt wie alle fest.

Getrud Heßlinger schaut etwas entschuldigend zu Martin Meier, nachdem der Münzwurf zu ihren Gunsten entschieden hat. Foto: Endlein
Getrud Heßlinger schaut etwas entschuldigend zu Martin Meier, nachdem der Münzwurf zu ihren Gunsten entschieden hat. Foto: Endlein

Fast schon entschuldigend blickte sie dabei auf Martin Meier. Der wiederum zuckte nur gefangen zwischen offensichtlicher Enttäuschung, Überraschung und ein bisschen Amüsiertheit mit den Schulter und gratulierte fair. Es war ein historischer Abend für den neuen Stadtrat.

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