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Kultur

Musical-Diva mit ganz eigener Note

Die Show von Angelika Milster im Reitstadel in Neumarkt macht deutlich, dass ihr Genre mit Recht so beliebt ist.
Von Jeff Fichtner

Angelika Milster hat bei ihrem Gastspiel in Neumarkt auch die „klassische Diva“ hervorgekehrt. Foto: Jeff Fichtner
Angelika Milster hat bei ihrem Gastspiel in Neumarkt auch die „klassische Diva“ hervorgekehrt. Foto: Jeff Fichtner

Neumarkt.Angelika Milster ist bestens bekannt, renommiert, erfahren auf Bühnen allerorten. Sie gehört zu den raren Sängerinnen, deren Vornamen man sich zuweilen sparen darf. Es ist nicht respektlos, sie „die Milster“ zu nennen – sie wird so vielmehr geadelt. Längst ist sie in eine Riege aufgerückt, wo beispielsweise „die Knef“, oder, international, „die Piaf“, auf der ihnen gebührenden Etage thronen.

Der Unterschied: Angelika Milster ist höchst lebendig. Sie ist bestens bei Stimme und auch als Darstellerin ihrer selbst ein Ereignis. Ihr Gastspiel im Festsaal des Reitstadels hat am Samstagabend viel interessiertes Publikum angezogen. Dennoch sind die Plätze nur zu etwa zwei Dritteln besetzt, die erhabenen bzw. erhobenen „Logensitze“ ganz hinten schon mitgezählt.

Zwischentöne

  • Störung:

    Mitten im Programm bricht Angelika Milster ab. Im Saal ist ein Handy gezückt worden. Sie fühle sich gestört, so die Diva. Die Erklärung, es solle nur fotografiert werden, besänftigt sie nicht.

  • Ärger:

    Ein technisches Problem beim Klang auf der Bühne, dem „Monitoring“, ärgert die Künstlerin. Das lässt sie das Publikum wissen und setzt dann weitere zwei Mal zum Lied an. (nff)

Nach Neumarkt gekommen ist Angelika Milster, um einige der besten Songs, der bekanntesten Lieder aus Musicals leibhaftig in Erinnerung zu rufen – und auch sich selbst, das macht sie sofort klar. Da steht ein Gassenhauer wie „Willkommen, Bienvenue, Welcome“ aus dem Musical „Cabaret“ nahezu gleichberechtigt am Beginn wie ihr ganz persönlicher Anspruch mit „Ich bin wieder da!“ War Angelika Milster wirklich weg, zeitweise?

Sie singt mit Dynamik

Gesang, Gestik und Mimik: Sie ist – pardon: „ganz die Alte“, die Milster. Die Sängerin und Schauspielerin, nach deren Größe sich nachkommende Künstlerinnen auch heute vergebens strecken. Sie spielt sicher weit intensiver als am Beginn ihrer nationalen und internationalen Karriere meisterhaft auf der ungemein großen Klaviatur, die im Genre „Musical“ zu beherrschen ist. Nur die Oper, im anderen Fach neben der U-Musik, also der E-Musik, fordert so den ganzen Menschen und Künstler wie das Musical. Es ist so ungeheuer viel mehr als ein Schauspiel mit Klangbeilage. Da genügt es nicht, eine gute Sängerin zu sein, alle Noten „à point“ zu treffen und auch noch mit einer Dynamik zu glänzen, zwischen laut und leise, die dem künstlerischen Ganzen im Musical das Sahnehäubchen aufsetzt. Und sogar für diesen künstlerischen Gipfel ist noch eine weitere Kleinigkeit nötig: Persönlichkeit.

Auch davon hat die Milster reichlich zu bieten. Sie trifft ihre ganz eigene Note, hat ihren immer sicheren und stets stilsicheren Gesang zu einer kreativen Klasse kultiviert, die dem Publikum sichtlich und – im donnernden Applaus – auch hörbar Freude macht. Zwischendurch, bei den Ansagen, ist diese Diva sehr unterhaltsam, bisweilen kokett, dann wieder unnahbar. Das passt absolut zu ihren Interpretationen von Musical-Hits: Da ist sie in einem Moment noch das süß und zart raunende Engelchen und im nächsten schon eine widerborstige, robuste Kratzbürste, die alle zum Lächeln und zum befreiten Lachen bringt.

Der Blick zurück mit einer top-fit agierenden Angelika Milster auf Jahrzehnte großer Musicals hat sich gelohnt. 67 soll sie inzwischen sein; es könnte sich um ein Gerücht handeln.

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