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Region Neumarkt
Samstag, 21. April 2018 25° 2

Glaube

Musik und Worte zur Passion

Das Bamberger Streichquartett und Pater Anselm Grün stimmten auf die Kartage ein. Auch das Heilige Grab wurde präsentiert.
Von Johann Grad

  • Das Bamberger Streichquartett spielte Musik von Haydn. Fotos: Grad
  • Stefan Schindler hält den Kopf seiner Figur.

Plankstetten.Da lag er, der Corpus Christi, der Leichnam Jesu, aus Eichenholz gehauen, aufgebahrt auf einem dicken Holz. Ergriffen, neugierig und ehrfürchtig betrachteten viele Konzertbesucher das Kunstwerk, dann kehrte Stille ein in der Klosterkirche. Abt Beda Maria Sonnenberg lud ein, sich von Musik und Worten einstimmen zu lassen auf die Kartage und das Osterfest.

Anselm Grün, Benediktinerpater der Abtei Münsterschwarzach, deutete „Die sieben Worte Jesu am Kreuz“ als heilende Worte und wünschte beim Hören der Musik von Joseph Haydn „innere Verwandlung und Heilung“.

Sich selber vergeben

Punktierte Rhythmen, sanfte Fortführung, etwas heftigere Klänge, die aufschreckten, Pausen, feinfühlige Passagen, so eröffnete das Bamberger Streichquartett. „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun!“ Es gibt nichts, was Gott nicht vergibt, so Anselm Grün. Hinnehmen, nicht immer ganz perfekt zu sein, sich selber vergeben können, sagte er aufmunternd. „Haydns zärtliche Musik lässt uns glauben, dass Gott uns vergibt. Vergeben wir uns auch selber“, riet Anselm Grün.

Mit feinem, einfühlsamem Musizieren ließ das Quartett die Vergebung als Reinigung spüren, jedoch auch das Dunkle vorher, wenn sanfte Melodien im Moll endeten. „Heute noch wirst du bei mir im Paradies sein!“

Der Schächer mit seinem verpfuschten Leben wendet sich an Jesus. Unsere Angst, nicht gut genug zu sein, auch im Tode, löst sich auf, wenn wir seinem Wort glauben.

Durch Jesus Zuwendung erfahren wir Liebe und das Paradies. Wer sich darauf einlässt, erfährt in den feinen Cantilenen, begleitet mit Pizzicato, jene Liebe Gottes. „Frau, siehe deinen Sohn.“ Sie soll nicht allein sein, niemand soll allein sein, Jesus verwandelt unsere Angst in das „All-eins-sein“.

Die Töne der Musik finden sich alle wieder, trotz des Auseinander-Strebens sind sie eins. Höchstes technisches Niveau, präzises Zusammenspiel, sicheres Herausarbeiten aller Feinheiten, klangschönes Umsetzen der Musik zeichnete das Streichquartett aus. „Mein Gott, warum hast du mich verlassen!“ Gott hört unsere Nöte, wir können alle Gefühle hinhalten, er verwandelt sie in Geborgenheit. „Mich dürstet!“ Jesus trinkt das Bitterwasser. Der Mensch ist nicht ideal, Jesus ist solidarisch mit uns, trinkt unsere Bitterkeit und verwandelt sie in süßes Wasser.

Pater Anselm Grün nimmt einfache, verständliche, in die Tiefe gehende Worte, spricht ruhig, gelassen, aus innerer Überzeugung, er deutet sicher die Worte der Schrift für unsere Zeit. Schroffer Beginn, bittere klagende Töne, intensives Spiel, dann eine süße feine Melodie, mit einer Terz endend, begleitet wieder vom Pizzicato, auch der Schluss erinnert an das Wasser der Süßigkeit. „Es ist vollbracht.“ Die Liebe ist vollendet.

Das Kreuz spricht von Zerrissenheit, Glaube und Unglaube, Liebe und Hass, wir fühlen uns gespalten, aber das Kreuz umarmt, das Kreuz ist ein „Hebegerät“ aus dem Irdischen in tiefere Dimensionen. „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“ Die Liebe des Vaters verwandelt den Tod, Gottes Güte lässt uns in seine mütterlichen und väterlichen Arme fallen. Er hält uns, wenn wir fallen. Ganz feine Töne, kaum hörbar, ruhiges Zusammenspiel mit zärtlichen Melodien. Doch dann wie ein Erdbeben, heftige, reißerische Musik, von ganz tief unten herauf, erschütternd, doch den Weg weisend: Das Grab bricht auf! Stille, dann gibt es Beifall für Musik und Worte.

Kunstwerk „Corpus Christi“

Stefan Schindler ist Bildhauer im wahrsten Sinne des Wortes. Mit vielen Beilen, großen und kleinen, haut er seine Bilder und lebensgroßen Figuren. Auch als Herrgottsschnitzer bezeichnet er sich, aber so einer wie die in Oberammergau ist er nicht. Für das neue Heilige Grab im Kloster Plankstetten fertigte er den Corpus Christi. Er haute ihn aus einer Eiche aus einem Waldstück in der Nähe vom Nürnberger Dutzendteich.

Der junge Mann halbierte den Stamm und „mit Äxten und brachialer Gewalt schuf er die Gestalt“, wie er nach dem Konzert erläuterte. Er hatte keine Zeichnung, kein Modell, also keine Sicherheit. Der Korpus ist nicht geölt und schon gar nicht angemalt.

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