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Verhandlung

Mutter getreten, Security geschlagen

Ein Mann aus dem Landkreis Neumarkt randalierte am Frühlingsfest, im Neuen Markt und zuhause. Nun kommt es zur Verhandlung.
Von Lothar Röhrl

Es geht um einen Mann aus dem Landkreis Neumarkt. Die Verhandlung fand in Nürnberg statt. Foto: Daniel Karmann/dpa
Es geht um einen Mann aus dem Landkreis Neumarkt. Die Verhandlung fand in Nürnberg statt. Foto: Daniel Karmann/dpa

Neumarkt.Wird ein Mann aus dem Landkreis Neumarkt wegen vier vergleichsweise harmlosen Fällen von Körperverletzung und einer Sachbeschädigung über viele Jahre zum Schutz der Allgemeinheit weggesperrt? Genau das will die Staatsanwaltschaft des Oberlandesgerichts Nürnberg-Fürth derzeit erreichen. Mit der Verlesung der „Antragsschrift“ am Montagvormittag im Nürnberger Gerichtsgebäude an der Fürther Straße eine Verhandlung der 13. Strafkammer. Insgesamt sind drei Verhandlungstage angesetzt.

Bei der ersten dem Angeklagten zur Last gelegten Körperverletzung war seine Mutter das Opfer. Am 7. Februar 2018 rastete der Mann Ende 50 zur Mittagszeit aus. „Ohne rechtfertigenden Grund“, wie es in der Anklageschrift heißt, schlug er ihr von hinten zunächst auf den Rücken und den Hinterkopf. Anschließend habe er die Seniorin durch Zerren und einige Schubser durch die Haustür auf den Hof hinausgedrängt.

Dort stürzte die Mutter. Als sie am Boden lag, trat der Tobende ihr mehrfach von hinten gegen ihren Rücken, ihr Gesäß und ihre Oberschenkel. Zwar gelang es der Seniorin, aufzustehen. Doch der Sohn ließ immer noch nicht von ihr ab. Dieses Mal griff er die Mutter von vorne an. Dabei schlug er ihr mit der Faust gegen die rechte Schulter und auf die linke Gesichtshälfte. Von den Attacken trug die Frau Prellungen im Gesicht und Schürfwunden an der linken Hand davon.

Randale im Neuen Markt

Im zweiten Fall, der sich am 10. März ereignet hatte, werden dem Mann mehrere Körperverletzungen und eine Sachbeschädigung vorgeworfen. So soll er am 10. März in der Einkaufspassage des Neuen Marktes gegen 19 Uhr angefangen haben, die Türen mehrerer Schließfächer eingetreten zu haben. Als ein Sicherheitsbeamter zusammen mit zwei Passanten versuchte, den 57-Jährigen festzuhalten, schlug dieser um sich.

Zweimal bekam der Sicherheitsbeamte einen Hieb mit der Faust gegen seine linke Kopfseite ab. Ebenfalls verletzt wurde einer der beiden Passanten, als ihm gegen die linke Seite seines Oberkörpers geschlagen wurde. Die beiden Getroffenen erlitten schmerzhafte, aber glücklicherweise nur leichte Verletzungen. Der Schaden an Türen der Schließfächer wurde von der Marktleitung auf rund 800 Euro beziffert.

Faustschlag am Frühlingsfest

Der dritte Fall, um den es seit Montag in Saal 285 des Landgerichts Nürnberg-Fürth geht, hatte sich am 10. Mai auf dem Neumarkter Frühlingsfest ereignet. Gegen 20.35 Uhr habe der Mann einen Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes „ohne rechtfertigenden Grund“ – wie es die Anklageschrift in jedem der drei Fälle formulierte – mit der Faust mit voller Wucht auf dessen rechte Wange geschlagen. Dadurch erlitt der Geschlagene eine Schwellung des Wangenknochens und leichte Druckschmerzen.

Paranoide Schizophrenie

Schon zum Ende der Anklageschrift wurde die Staatsanwaltschaft deutlich: Der Angeklagte soll unter paranoider Schizophrenie leiden. Er sei daher nicht in der Lage, das Unrecht der Taten einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln – heißt es wörtlich. Eine von der Staatsanwaltschaft vorgenommene „Gesamtwürdigung des Beschuldigten und seiner Taten“ ergebe, dass von ihm infolge seines Zustandes erhebliche rechtswidrige Taten zu erwarten sind.

Gefährliche Täter

Deshalb sei er für die Allgemeinheit gefährlich. Die Folge daraus ergibt sich in dem Begriff, als dessen die Verhandlung eingestuft ist: „Sicherungsverfahren“. Dieser juristische Begriff beschreibt eine besondere Art von Strafverfahren. Dabei geht es darum, die Allgemeinheit vor zwar schuld- oder verhandlungsunfähigen, aber trotzdem gefährlichen Tätern zu schützen.

Reporter und Redakteur Lothar Röhrl vom Neumarkter Tagblatt war vor Ort in der Verhandlung in Nürnberg und wird in der Dienstagsausgabe ausführlich darüber berichten.

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