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Region Neumarkt
Freitag, 23. Februar 2018 3

Gericht

Mutter will Sohn mit Anzeige schützen

Weil sie im Zimmer des 18-Jährigen Marihuana und Amphetamin fand, zeigte eine Frau ihren Spross an. Der streitet alles ab.

Wegen des Besitzes von Marihuana muss sich ein 18-jähriger Mann aus dem Landkreis vor Gericht verantworten. Themenfoto: Lino Mirgeler/dpa

Neumarkt.4,25 Gramm Marihuana und 2,4 Gramm Amphetamin hatte die Mutter eines 18-jährigen, der aus dem Landkreis Neumarkt kommt, in einem Rucksack gefunden, der sich im Zimmer ihres Sohnes befand. Sie zeigte dies einem Bekannten, der die beiden ursprünglich als „Gewürzsalz“ angesehenen Päckchen schnell als Rauschgift identifizierte. Eine Woche später ging die Mutter zur Polizei und zeigte ihren Sohn an. Nun trafen sich beide vor dem Neumarkter Amtsgericht wieder und Richter Dr. Marcel Dumke konnte der Mutter nicht ersparen, als Zeugin auszusagen. Der nämlich weigerte sich nachhaltig, die Betäubungsmittel als die seinen anzuerkennen. Sie hätten ihm nicht gehört, ebensowenig wie der Rucksack. Vielmehr seien in seinem Zimmer die Tage vor dem Fund Freunde ein- und ausgegangen.

Nachdem allerdings auch noch eine Feinwaage von der Polizei sichergestellt worden war, hatte der Richter hohen Erklärungsbedarf. Der Angeklagte sei beruflich als Bierbrauer tätig, meinte er, dazu brauche er die Waage. Zu Beginn der Verhandlung hatte er gefordert, die sichergestellte Feinwaage sehen zu können, weil sie „eventuell“ nicht seine sei. Dass er ein solches Gerät im Zimmer hatte, hatte auch die Mutter entdeckt. Auf seinem Tisch hätten neben der Waage außerdem Zigarettenpapier und Filter gelegen, was die Mutter nachdenklich machte.

In dieselbe Richtung dachte auch Richter Dr. Marcel Dumke und wies den Angeklagten darauf hin, dass angesichts dieses Equipments der Gedanke an Rauschmittelkonsum nicht weit entfernt sei. Der 18-Jährige blieb bei seiner Weigerung, die Vorwürfe aus der Anklageschrift anzuerkennen. Bei seinem Vater habe er zu Hause Bier gebraut und dazu eine Feinwaage gebraucht. Der Rucksack sei in seinem Zimmer ein paar Tage rumgelegen, er habe sich nicht viel dabei gedacht: „Das Rauschgift war nicht meins, viele Leute waren vorher im Zimmer.“

Die Mutter hatte ihren Sohn allerdings gefragt, wem der Rucksack gehöre. Ihr gegenüber habe er gesagt, es sei seiner, meinte sie. Außerdem habe der Sohn wissen wollen, ob sie „irgendetwas herausgenommen habe“, meinte die Mutter, die glaubte, er habe mit dieser Frage auf Geld angespielt. Schon zweimal hatte die Mutter ihren Sohn vor die Tür gesetzt. „Ich wollte, dass er aufwacht und sich ändert.“

Als eine „unglaubwürdige Einlassung“ sah Staatsanwältin Monique Morgenstern die Version des Angeklagten an. Sie erachtete es als erwiesen, dass der 18-Jährige im Besitz von Drogen gewesen sei, und forderte eine Geldauflage von 700 Euro. Richter Dr.Dumke hatte „nicht leiseste Zweifel“ daran, dass der Angeklagte Besitzer der Drogen, der Waage, der Filter und des Papiers gewesen sei. Es habe sich für den Richter „ein schlüssiges Bild“ ergeben. 700 Euro Strafe seien „ein spürbares Mittel“, zusätzlich muss der 18-Jährige einen Kurs bei der Diakonie besuchen. Pikanter Schlussakkord: Der Verurteilte will gegen den Richterspruch „Berufung einlegen.“ (ngs)

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