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Mittwoch, 15. August 2018 25° 6

Diät-Serie

MZ-Redakteure beenden Diät-Experiment

Katrin Böhm freut sich nach vier Wochen wie wahnsinnig auf ein Eis. Johannes Heil holt sich erstmal eine Leberkäs-Semmel.
Von Katrin Böhm und Johannes Heil

Hat (wieder) gut lachen: Johannes Heil kann ab sofort wieder guten Gewissens eine Leberkäs-Semmeln genießen und den Salat einmal Salat sein lassen.
Hat (wieder) gut lachen: Johannes Heil kann ab sofort wieder guten Gewissens eine Leberkäs-Semmeln genießen und den Salat einmal Salat sein lassen.

Katrin Böhm hat vier Wochen lang auf Zucker verzichtet. Sie ist froh, dass das Experiment vorbei ist. Und ein wenig stolz.

Ich hab’s tatsächlich geschafft. Vier Wochen ohne Zucker sind rum. Bis auf einen kurzen Ausflug in die Welt der Eiskaffees gab es für mich keine Süßigkeiten, keinen Zucker. Ich fühle mich gut. Nicht unbedingt viel besser als vorher, aber gut. Und erleichtert. An manchen Tagen war es die Hölle. In der zweiten Nacht unseres Experiments habe ich von Krapfen geträumt. Dabei mag ich Krapfen nicht einmal so besonders. Ich habe meinen Kindern gefühlte 350 Mal beim Eisessen zugesehen, während ich einen Apfel gegessen habe. An anderen Tagen ging es einfach – die Freude über das zweifellos gesündere Leben war größer als das Verlangen nach Schokolade.

Oma kannte keinen Kokosblütenzucker oder Agavendicksaft. Vielleicht schmecken ihre Butterplätzchen deswegen so gut. Foto: Heil
Oma kannte keinen Kokosblütenzucker oder Agavendicksaft. Vielleicht schmecken ihre Butterplätzchen deswegen so gut. Foto: Heil

Was (hoffentlich) bleibt:

1. Abends keine Süßigkeiten mehr: Es ist sinnlos, auf der Couch Gummibärchen und Schokolade zu essen. Kein schlechtes Gewissen mehr beim Ins-Bett-Gehen. Ausnahme: das Dessert bei einem schönen Abendessen.

2. Geniale Frühstücksideen: Mein Frühstück am Wochenende hat bisher aus einer Körnersemmel mit Nutella und Obst und einem Croissant bestanden. Gedanken über Alternativen habe ich mir nicht gemacht. Jetzt habe ich experimentiert und entdeckt, wie gut zuckerfreie Pancakes aus Vollkorn-Dinkelmehl, Quark und Eiern schmecken, die selbst die Kinder essen. Ich habe Hirse-Auflauf mit Blaubeeren und Amaranth-Bananen-Pancakes gebacken. Der Aufwand hielt sich in Grenzen (sage ich, mein Mann sieht das vielleicht anders). Nutella-Semmeln habe ich nicht vermisst.

Hirseauflauf mit Blaubeeren - ein super Frühstück. Foto: Böhm
Hirseauflauf mit Blaubeeren - ein super Frühstück. Foto: Böhm

3. Brot backen: Hätte ich gewusst, wie einfach es ist, Brot zu backen, hätte ich es längst viel öfter gemacht. Klar, es gibt Rezepte, die sind komplizierter, da muss man den Teig immer wieder gehen und stehen lassen. Manche sind aber supereinfach. Zutaten in der Küchenmaschine zusammenwerfen, Teig in den Backofen, essen.

Die Pancakes mit Bananen und Blaubeeren sind etwas zu dick geraten, aber ansonsten eigentlich ganz lecker. Foto: Böhm
Die Pancakes mit Bananen und Blaubeeren sind etwas zu dick geraten, aber ansonsten eigentlich ganz lecker. Foto: Böhm

4. Alternativen zum Zucker: Klar, kein Zucker ist besser als teure Zucker-Alternativen. Aber Ahornsirup, Kokosblütenzucker, Reissirup oder Agavendicksaft haben auch Vorteile – zum Teil lassen sie den Blutzucker nicht so in die Höhe schnellen, haben weniger Kalorien oder keine Fructose.

So viel Zucker steckt in unseren Lebensmitteln. Video: K.Böhm

Was verschwinden wird:

1. Nachmittags nur Naturjoghurt oder Obst: Nachmittags habe ich mich oft gequält. Ich habe keine Lust mehr, beim Eisessen zuzusehen oder den Kuchen meiner Mutter abzulehnen. Und manchmal will ich auch im Büro einen Keks essen. Wobei das eigentlich keine gute Idee ist.

2. Nie wieder Haushaltszucker: Meine Familie liebt Weihnachtsplätzchen. Allein die Butterplätzchenproduktion liegt im Kilo-Bereich. Zucker durch Ersatzprodukte auszutauschen würde ein Vermögen kosten. Und vielleicht wären die Plätzchen nach Omas Rezept auch einfach nicht mehr so gut. Die kannte nämlich keinen Kokosblütenzucker oder Reissirup.

3. Kein Ketchup: Ich hab’s nicht einmal vier Wochen ohne Ketchup geschafft. Pommes ohne Ketchup gehen für mich nicht. Und außer Haus gibt’s niemanden, der mir dazu eine fancy Tomaten-Salsa kredenzt. Die passt nämlich ansonsten statt Ketchup oder fertigen Grillsaucen sehr gut zu (Veggie-)Burgern und Gegrilltem.

4. Keine Veggie-Würste: Ich meide Fertigprodukte. Aber zum Grillen ist eine Veggie-Wurst nett. Auch wenn Zucker drin ist.

Hier lesen Sie Teil 1 der Diät-Serie.

Johannes Heil hat vier Wochen lang Kalorien und Schritte gezählt. Jetzt versucht er herauszufinden, wie viele Leberkäse-Semmeln er auf einmal tragen kann:

Nicht mehr als 2000 Kalorien verzehren und mindestens 15 000 Schritte am Tag gehen – das war meine Agenda für die vergangenen vier Wochen. Leider war ich nicht ganz so tapfer wie die Kollegin Böhm – mehr als nur einmal habe ich die 2000-Kalorien-Marke förmlich gesprengt – Schweinebraten und Käsekuchen seien an dieser Stelle verflucht. Auch die 15 000-Schritte-Marke fiel nicht an jedem Tag. Aber zumindest ein Tapferkeits-Seepferdchen sollte ich schon bekommen, finde ich.

„Mandelmilch schmeckt für meine Geschmacksnerven irgendwie nach Schuhsohlenextrakt.“

Johannes Heil, Redakteur auf der Suche nach kalorienarmen Lebensmitteln

Denn: Durch das Kalorienzählen schaue ich nun wesentlich bewusster auf das, was ich esse. Ich habe gelernt, was versteckte Kalorienbomben sind und versuche, diese zu umschiffen. Durch die zusätzliche Bewegung (10 000 Schritte habe ich an jedem Tag geschafft, 15 000 an den meisten) bekommt man – so finde ich zumindest – zusätzliche Energie und vor allem Motivation. Letztendlich habe ich in den vier Wochen etwas über ein Kilo verloren. Damit bin ich zufrieden. Ich will nicht schnell viel abnehmen, sondern nachhaltig meine Ernährung verändern und dabei auch ein paar Kilos verlieren.

Hier lesen Sie Teil 2 der Diät-Serie.

Aber sogar ein solch überschaubarer Gewichtsverlust geht mit beträchtlicher Anstrengung und Nervenverlust einher, habe ich gelernt. In der Mittagspause bedurfte es manchmal besonders viel Kraft. Zum Beispiel, um dem Impuls zu widerstehen, beim Metzger den Satz „Geben Sie mir so viele Leberkäs-Semmeln wie sie tragen können“ zu äußern – und stattdessen zum Salat mit Vollkornsemmel zu greifen. Zu allem Überfluss ließ sich dann der Kollege nebenan auch noch seinen Döner schmecken. Das nervt. Dennoch konnte ich auf meiner Suche nach möglichst kalorienarmen und gleichzeitig gesunden Mahlzeiten einiges für mich mitnehmen. Positiv wie negativ.

Beispielsweise ist die häufig gepriesene Mandelmilch so gar nichts für mich. Die schmeckt für meine Geschmacksnerven irgendwie nach Schuhsohlenextrakt. Da bleibe ich doch lieber bei der bewährten klassischen Milch. Was ich hingegen für mich entdeckt habe, ist ein als Oatmeal firmierender Haferflocken-Milch-Schlonz am Morgen. Kombiniert mit einer Banane und einer speziellen Gewürzmischung ergibt das ein sehr leckeres Frühstück, das nicht viele Kalorien beinhaltet und auch lange satt macht. Auch Maiswaffeln finde ich sehr lecker als kleinen Snack zwischendurch. Ob ich die Kalorienzähl-App auf meinem Smartphone aber auch weiterhin nutzen werde? Ich weiß es nicht. Es ist schon etwas nervig, sich alles aufzuschreiben, was man den Tag über so isst. Aber irgendwie steigert es auch die Motivation. Die 15 000-Schritte will ich mir als Ziel aber auf jeden Fall beibehalten.

Hier lesen Sie Teil 3 der Diät-Serie.

Das Fazit: Ich werde mich weiter gesund ernähren und auf meine Kalorien achten. Ein gesundes Maß ist mir hierbei aber sehr wichtig. Ich will mich nicht kasteien. Wenn wir zum Grillen eingeladen sind, werde ich weiterhin guten Gewissens so viele Stücke Fleisch verputzen, wie ich schaffe. Auch möchte ich auf den leckeren Kuchen meiner Frau nicht verzichten. So richtig zuschlagen, das muss meiner Meinung einfach auch mal sein. Da darf es dann auch mal das Vielfache der 2000 Kalorien sein – oder eben so viele Leberkäs-Semmeln, wie ich zu tragen imstande bin.

Hier lesen Sie Teil 4 der Diät-Serie.

Hier finden Sie weitere Nachrichten aus Neumarkt und Umgebung.

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Katrin Böhms liebste zuckerfreie Rezepte

  • Mein liebstes Pancakes-Rezept:

    150 Gramm Vollkorn-Dinkelmehl, 1 Päckchen Backpulver, 3 Eier, 200 Gramm Quark oder Joghurt, nach Belieben etwas Reissirup (oder nichts), Kokosöl. Alle Zutaten miteinander vermengen – der Teig sollte nicht zu flüssig sein, damit er in der Pfanne nicht zu sehr verläuft. In einer Pfanne (je nach Größe) Kokosöl erhitzen und immer etwa drei Pancakes herausbacken. Dazu passen Joghurt mit Früchten und/oder Ahornsirup.

  • Pancakes mit Bananen und Blaubeeren:

    2 zerquetschte Bananen (sie müssen schön reif sein), 2 Eier. 100 Gramm Dinkelflocken, 100 Vollkorn-Dinkelmehl, 100 Gramm Amaranth (macht die Pancakes schön knusprig), zwei Teelöffel Backpulver, etwa 150 ml Milch, Blaubeeren, Kokosöl. Alle Zutaten vermischen, zum Schluss die Beeren unterheben (schmeckt auch gut mit gefrorenen Himbeeren), in Kokosöl herausbacken. Der Teig darf nicht zu flüssig, aber auch nicht zu fest sein, sonst werden die Pancakes nicht fluffig. Die Pancakes lassen sich auch kalt essen, sie schmecken dann wie ein gesunder Müsliriegel. Meinen Kindern haben diese Pancakes allerdings zu gesund geschmeckt ;-)

  • Hirseauflauf:

    200 Gramm Hirse, etwas Salz, gut 400 Milliliter Milch (oder Kokosmilch), 1 Vanilleschote, 2 Teelöffel Zimt, 4 Esslöffel Ahornsirup, 50 Gramm Walnüsse (gehackt), (gefrorene) Blaubeeren und/oder (gefrorene) Himbeeren, Butter. Die Hirse mit 220 Milliliter Milch und 220 Milliliter Wasser, Salz, Zimt, Vanille und 3 Esslöffeln Ahornsirup aufkochen und dann fünf Minuten köcheln lassen. Danach weitere 200 Milliliter Milch und die Beeren unterrühren. Eine Auflaufform mit Butter einfetten und die Hirse-Mischung hineingeben. Die Walnüsse mit einem Esslöffel Ahornsirup in einer Pfanne karamellisieren, auf der Hirse verteilen und etwa 20 Minuten bei 180 Grad backen. Der Auflauf lässt sich gut am Vorabend vorbereiten – am nächsten Morgen nur noch die karamellisierten Walnüsse auf die Hirsemasse geben und backen.

  • Einfaches Brot:

    Dieses Brot geht wirklich superleicht: 500 Gramm Vollkorn-Dinkelmehl, knapp 3 Teelöffel Salz, jeweils vier Esslöffel von vier verschiedenen Kernen und Saaten, zum Beispiel Leinsamen, Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Sesam, 1 Päckchen Trockenhefe, 1 Esslöffel Agavendicksaft, 500 Milliliter warmes Wasser. Wasser und Agavendicksaft verrühren, ansonsten alle anderen Zutaten in einer Schüssel vermengen. Das Agavendicksaft-Wasser dazugeben und etwa zehn Minuten kneten. Den Teig in eine gefettete Kastenform geben und erst für 45 Minuten in den 70 Grad warmen Backofen stellen, dann auf 220 Grad hochdrehen und etwa weitere 60 Minuten backen.

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