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Nachbarn kämpfen gegen Nachverdichtung

Im Neumarkter Stadtosten begehren alteingesessene Bewohner auf. Die Stadt-SPD unterstützt die Forderungen einer Initiative.
Von Lothar Röhrl

In diesem Viertel hält man zusammen: Auch das sollte die Aktion der Initiative „Gartenviertel“ zeigen.
In diesem Viertel hält man zusammen: Auch das sollte die Aktion der Initiative „Gartenviertel“ zeigen. Foto: Lothar Röhrl

Neumarkt.Den Charakter ihres Viertels als Gartensiedlung will eine Initiative von dessen Bewohnern bewahren. Dazu haben sich am Freitagnachmittag gut 40 Bewohner des Quartiers zwischen Danziger Straße/Tannen-/Eschen-/Saarlandstraße getroffen. Die von ihnen eingeladene SPD-Fraktion im Stadtrat war komplett anwesend .

Der bisherige Erfolg des Sammelns von Unterschriften war ein Thema des Treffens. Rund 170 seien bisher schon eingegangen, berichteten Andrea Hetz und Jens Mischke, die Sprecher der Initiative. Diese hat mittlerweile auch einen Namen: „Erhalt der Lebensqualität im Neumarkter Stadt-Osten“.

Nicht generell gegen Bebauung

Um was es der Initiative geht, war auf dem Einleitungsschreiben für die ersten Unterschriften sowie auf mehreren Plakaten zu lesen. Unter Erhalt der Lebensqualität verstehe man den „Erhalt der Bebauung mit Ein- und Zweifamilienhäusern sowie mit Doppelhäusern“.

Gegen Nachverdichtung, also die Bebauung bisher davon noch freier Flächen, wehre man sich nicht generell. Wenn gebaut wird, müsse dies maßvoll geschehen, indem Neubauprojekte sich an die vorhandenen Strukturen halten. Auf Plakaten wurde deutlich gemacht, wofür sich die Initiative einsetzt. Die Gartensiedlung werde als „Die grüne Lunge des Stadt-Ostens“ verstanden. Sie stehen nicht zuletzt für die in diesem Viertel „vorhandene Lebensqualität“. Erhalten werden sollten die grünen Gärten mitsamt des „ausgereiften Baumbestandes“. Und nicht zuletzt müssten die nachbarschaftlichen Strukturen und der soziale Zusammenhalt, den dieser Teil Neumarkts kennzeichne, bewahrt werden.

Verweis auf den Paragrafen 34

Die SPD-Fraktion war auf Einladung der Initiative in die Buchenstraße gekommen.
Die SPD-Fraktion war auf Einladung der Initiative in die Buchenstraße gekommen. Foto: Lothar Röhrl

Um dies zu garantieren, sei man für eine „restriktive Auslegung“ des Paragrafen 34 des Baugesetzbuchs (BauGB). Und vor allem des Absatzes eins dieses Paragrafen: Dessen Kernsatz enthält die Aussage über ein Vorhaben, dass sich dieses in seiner „Eigenart der näheren Umgebung einzufügen“ habe. Zudem wünschen sich die Initiatoren der Initiative für ihr Gebiet eine „Rücksichtnahme und Bürgerbeteiligung bei Entscheidungen“, die Auswirkungen auf diese Gartensiedlung hätten. Die Initiative betont auch eine starke soziale Komponente: Wenn es Neubauprojekte gebe, müssten diese von Familien leistbaren Wohnraum bringen.

Rund um das Projekt

  • Achtfamilienhaus:


    Es soll auf dem Anfang dieses Jahres vor der Brutzeit freigeräumten Gelände an der Buchenstraße mit einer Firsthöhe von 11,90 Meter und einer Wand von 16 Meter Länge entstehen.

  • Verstoß?:

    Noch vor einer Genehmigung im Bausenat/Stadtrat wurden neben einem alten Einfamilienhaus alle Bäume beseitigt. Die Initiative und die SPD wollen prüfen lassen, ob das ein Verstoß gegen die Baumschutzverordnung ist. (lr)

Neben diesen „Für“-Punkten werden auch Positionen „Gegen“ aufgeführt. Hier fällt die Liste etwas länger aus. Dagegen sei man, wenn gewachsene Ökosysteme durch Bauvorhaben im Rahmen einer „Nachverdichtung“ vernichtet werden sollten. Ausdrücklich abgelehnt werden Tiefgaragen und „fast komplett versiegelte Grundstücksflächen“. Beim Nein zu Tiefgaragen wird erklärend darauf hingewiesen, dass über ihnen kein Baumbewuchs mehr möglich sei. Bei gerade einmal 40 Zentimeter Bodenaufbau über so einer Garage sei nur noch „Alibigrün“ möglich.

„Für Familien zu teuer“

Auf diesem schon abgeräumten Grundstück an der Buchenstraße soll das Achtfamilienhaus entstehen. Die Initiative hat deutlich geäußert, was sie davon hält.
Auf diesem schon abgeräumten Grundstück an der Buchenstraße soll das Achtfamilienhaus entstehen. Die Initiative hat deutlich geäußert, was sie davon hält. Foto: Lothar Röhrl

Ins Feld dagegen wird auch der Protest gegen eine mögliche Gewinnmaximierung geführt. Als Beispiel wird genannt, dass aus 700 Quadratmeter Grund mit einer Wohnfläche von 150 Quadratmeter zum gleichen Preis 90 Quadratmeter große Wohnungen ohne Grund erstellt würden. Dadurch werde der Wohnraum teurer. Das führe dazu, dass sich Familien solche Wohnungen nicht mehr leisten.

Weil es eine zweite Freifläche in der Nähe gibt, befürchtet die Initiative einen Präzedenzfall in der Buchenstraße. Wenn der durchgehe, würden weitere solche Großbauten folgen. Die SPD-Stadträte hoffen nun vor allem, dass der Bauträger seine Planungen reduziert. Die Initiative baut darauf, dass sich auch Neumarkts CSU und UPW hinter ihre Forderungen stellen.

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