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EU-Projekt

„Natura 2000“: Lebensräume erhalten

Sie kennen „Natura 2000“ nicht? Dann geht es Ihnen, wie fast 90 Prozent der Deutschen, verriet Theresa Bode in Neumarkt.
Von Josef Wittmann

Willibald Gailler, Landrat und Vorsitzender des Landschaftspflegeverbandes eröffnete die Veranstaltung „Natura 2000 neu erleben“. Foto: oH
Willibald Gailler, Landrat und Vorsitzender des Landschaftspflegeverbandes eröffnete die Veranstaltung „Natura 2000 neu erleben“. Foto: oH

Neumarkt. Am Dienstagabend lauschten die Zuhörer aufmerksam im Sammüllersaal der Referentin. „Natura 2000“ ist seit 1992 eine Richtlinie zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebende Pflanzen und Tiere. Theresa Bode ist Projektmanagerin. Zusammen mit Christina Meindl von der Höheren Naturschutzbehörde der Regierung der Oberpfalz und Evelin Köstner von der bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege ist sie mit Regierungspräsident Axel Bartelt nach Neumarkt gekommen.

„Diese Veranstaltung findet im Rahmen des großen EU-Projekts „Life living Natura 2000“ statt, das wir letztes Jahr gestartet haben“, erzählen sie. „Das wird insgesamt mit fast drei Millionen Euro gefördert, um für Natura 2000 zu werben und das Wissen über Natura 2000 zu verbessern.“ Ein Neustart also. In seinem Grußwort hatte Regierungspräsident Bartelt Natura 2000 das „größte Naturschutzprojekt der Welt“ genannt.

Es helfe, das ganze Europäische Naturerbe zu erleben und zu erhalten, schwärmte er sachkundig von den kostbarsten Naturschätzen seiner Oberpfalz - vom weißblühenden Herzlöffel in Oberpfälzer Teichen bis zu Biotopen wie dem Deusmauer Moor. Bode stellte die Kernbotschaften von Natura 2000 vor. Zum Beispiel „Natur ist nichts Unberührbares. Sie ist Teil unseres Alltags und unserer Freizeit. Die geregelte Nutzung dieser Landschaften erhält und schafft Werte“. Da scheinen sich Naturschutz und Kommerz zu treffen.

Interessen berücksichtigen

Das erinnert an Bartelts Credo, er habe als Regierungspräsident die Interessen sowohl von Wirtschaft und Infrastruktur als auch des Naturschutzes zu berücksichtigen. Aus dem Schwäbischen war Nicolas Liebig, der Sprecher der bayerischen Landschaftspflegeverbände angereist. Er erklärte den „Bayerischen Naturschutzweg“ in seinem programmatischen Referat „Natura 2000 erhält Heimat¨– der kooperative Weg der Landschaftsverbände“. In Deutschland stelle Bayern mit 746 Natura-2000-Gebieten auf 11,6 Prozent der Landesfläche die meisten Natura-2000-Gebiete, lernen die Zuhörer und „die Landwirte haben die Kulturlandschaft gemacht, die wir als Heimat bezeichnen“. Das gibt‘s nicht umsonst. 5,8 Milliarden Euro würden für Natura 2000 ausgegeben. Dem stünden Einnahmen von 50 bis 85 Millionen Euro jährlich aus Tourismus gegenüber, denn ohne heile Landschaft kämen die Touristen nicht.

Ohne die EU-Richtlinie wäre national sehr wenig passiert, ist Liebig überzeugt. Es werde aber noch nicht genug getan, denn um die Natura 2000 gut zu machen, seien statistisch je Einwohner jährlich 17 Euro nötig. Aktuell würden erst drei Euro aufgewendet, rechnete der Experte vor, bevor Landrat Gailler das Buffet mit Oberpfälzer Schmankerl eröffnete. Der Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands Werner Thumann war mit dem Abend sehr zufrieden: „Ich freue mich über die überwältigende Teilnahme. Es ist nicht selbstverständlich, dass so viele Leute kommen“.

Naturdenkmäler schützen

Bei einem Besuch in den Karpaten habe er über den „Zustand der Bergwiesen dort gestaunt, wie er bei uns vielleicht vor 50 Jahren war“. Und in Litauen habe er gesehen, „wie gut dort die Bildungszentren ausgebaut sind. Auf einem Niveau, wo wir auch Nachbesserungsbedarf haben. Der Austausch bringt uns dahin, wo wir wechselseitig noch lernen können“.

Das Neumarkter Tagblatt hat auch Alfons Greiner vom Bund Naturschutz, der der Veranstaltung aufmerksam gefolgt war, nach seinem Fazit gefragt. Er hatte mit Sigrid Schindler ein Transparent mit dem Aufruf „Rettet das Naturdenkmal Sandgrasheide und das Landschaftsschutzgebiet Sulzbürg“ in der Saalecke platziert und resümierte mit Blick auf dieses Mühlhausener Naturdenkmal, „das war eine schöne Show mit Ansätzen, die man aufgreifen kann. Viele schöne Worte, die ich den Bürgermeister sagen kann“.

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