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Medizin

Neue Hoffnung für Schmerzpatienten

Die Neumarkter Schmerzklinik bekommt nicht nur einen neuen Chefarzt – bald wird es auch eine vollstationäre Behandlung geben.
Von Eva Gaupp

Chefarzt Frank Janssen (2.v.li.) wird Nachfolger von Dr. Rüdiger Schmiedl (M.) an der Schmerzklinik. Klinikvorstand Peter Weymayr (li.) und Landrat Willibald Gailler (re.) freuen sich über die Zusammenarbeit mit dem niedergelassenen Schmerztherapeuten Dr. Christoph Hauenstein. Foto: Gaupp
Chefarzt Frank Janssen (2.v.li.) wird Nachfolger von Dr. Rüdiger Schmiedl (M.) an der Schmerzklinik. Klinikvorstand Peter Weymayr (li.) und Landrat Willibald Gailler (re.) freuen sich über die Zusammenarbeit mit dem niedergelassenen Schmerztherapeuten Dr. Christoph Hauenstein. Foto: Gaupp

Neumarkt.Fast jeder vierte Deutsche leidet regelmäßig unter Schmerzen. Bei etwa fünf Millionen Menschen sind die Schmerzen sogar chronisch. Ihnen gegenüber stehen jedoch bundesweit nur rund 1000 Schmerztherapeuten. „Allein diese Zahlen machen die dramatische Unterversorgung von Schmerzpatienten deutlich“, sagt Frank Janssen. Er hat zum 1. Juni als neuer Chefarzt die Schmerzklinik am Klinikum Neumarkt übernommen.

Dr. Rüdiger Schmiedl, der 2005 die Schmerzambulanz und zwei Jahre später die Schmerzklinik in Neumarkt gegründet hatte, geht in den Ruhestand. Mit dem Wechsel vollzieht sich gleichzeitig eine Erweiterung des Therapieangebots, wie die Verantwortlichen am Montag bei einer Pressekonferenz im Klinikum erläutern.

Drei Fachärzte im Team

Denn in Neumarkt möchte man auf den enormen – und steigenden – Bedarf in der Schmerztherapie reagieren. Neben der bestehenden Schmerzambulanz und der teilstationären Tagesklinik wird es bald acht Betten für eine vollstationäre Behandlung geben. Das Besondere daran: Mit Frank Janssen als Neurologe, Dr. Stefanie Füssel als Orthopädin und Schmerztherapeutin sowie Anästhesistin Dr. Nadja Hanisch besteht das Ärzteteam in der Schmerzklinik aus drei verschiedenen Fachmedizinern. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal“, unterstreicht Klinikleiter Peter Weymayr.

Die fachübergreifende Zusammenarbeit kommt den Patienten zugute, denn orthopädische und neurologische Probleme gehen meist Hand in Hand, wie Janssen erklärt. Auch bisher waren Fälle schon in Schmerzkonferenzen interdisziplinär beraten und diskutiert worden. In der Schmerzklinik suchen Psychologen, Physio- und Ergotherapeuten. Ärzte sowie spezialisierte Pflegekräfte gemeinsam nach Ursachen und erarbeiten gemeinsam Handlungsstrategien. Denn Schmerzen haben viele Dimensionen.

„Wir wollen, dass der Patient seine Schmerzen in den Griff bekommt und wieder Herr der Lage wird.“

Dr. Christoph Hauenstein, Orthopäde und Schmerztherapeut

Doch nicht selten bleibt auch die intensivste Suche ohne Ergebnis. Als klassisches Beispiel nennt der Orthopäde und Schmerztherapeut Dr. Christoph Hauenstein Rückenschmerzen: „Das fängt mittlerweile schon bei sehr jungen Menschen an“. Die Patienten liefen von Pontius zu Pilatus, doch körperliche Ursachen lassen sich nicht ausmachen. „Die Patienten denken, sie bilden sich die Schmerzen nur ein – aber das tun sie nicht.“ Stress, psychische Probleme, Druck können schon bei Kindern Auslöser von Schmerzen sein. „Wir wollen, dass der Patient seine Schmerzen in den Griff bekommt und wieder Herr der Lage wird“, sagt Hauenstein.

Kooperation mit Ärztehaus

Die niedergelassenen Schmerztherapeuten Hauenstein und seine Kollegin Dr. Stefanie Füssel mit Praxis im Ärztehaus sind wichtige Partner der neuen Schmerzklinik. Denn mit dem Weggang des bisherigen Chefarztes Dr. Schmiedl hat das Klinikum Neumarkt auch seine Kassenzulassung verloren. Mit seinem Ausscheiden läuft die Ermächtigung zum 30. Juni aus, wie Klinikvorstand Peter Weymayr ausführt.

Die Kassenärztliche Vereinigung habe keine Veranlassung gesehen, dem neuen Chefarzt eine neue auszusprechen, denn es gebe ausreichend niedergelassene Schmerztherapeuten in Neumarkt. Dank der Kooperation mit dem Ärztehaus kann die Schmerzklinik nun weiterbestehen – auch wenn alle Beteiligten dafür einige bürokratische Hürden überwinden mussten.

Migräne ist eine der häufigen Ursachen für quälende Schmerzen. Foto: Oliver Killig/dpa
Migräne ist eine der häufigen Ursachen für quälende Schmerzen. Foto: Oliver Killig/dpa

Klinikvorstand Peter Weymayr huscht bei diesem Thema ein bitteres Lächeln über die Lippen: „Es ist ein unglaublicher bürokratischer Aufwand“. Er sehe ja ein, dass Kontrolle wichtig sei, „aber wir ersticken in Bürokratiewut“. Das beginne bei einem separaten Praxisschild und getrennten Computern und ende bei einer minuziösen Dokumentation. Rund ein Jahr Vorlaufzeit hat die Kooperation deshalb gebraucht.

Das Klinikum Neumarkt  will eine stationäre Behandlung für Schmerzpatienten anbieten.  Foto: Gaupp
Das Klinikum Neumarkt will eine stationäre Behandlung für Schmerzpatienten anbieten. Foto: Gaupp

Dr. Schmiedl bleibt weiter aktiv

Auch Landrat Willibald Gailler ist froh, dass die Zusammenarbeit klappt: Mit dem neuen vollstationären Angebot für Schmerzpatienten gelinge es, die Kompetenz des Neumarkter Krankenhauses weiter auszubauen. Gailler lobt auch Dr. Schmiedl, der nicht nur fachlich, sondern mit sehr viel persönlichem Engagement Schmerzambulanz und Tagesklinik aufgebaut habe. Seit 1979 hatte er in Neumarkt gearbeitet. Der leidenschaftliche Geigenspieler wird sich zunächst einige Monate seinem Hobby widmen, dann jedoch will er seine Erfahrung und Kompetenz weiter der Schmerzklinik zur Verfügung stellen.

Das sollten Schmerzpatienten wissen:

Die Schmerzklinik

  • Schmerzambulanz:

    Im Klinikum Neumarkt werden Patienten mit akuten oder chronischen Schmerzen behandelt und beraten. Dafür braucht es eine Überweisung.

  • Tagesklinik:

    Nach einer Voruntersuchung können Patienten vier Wochen in der Tagesklinik aufgenommen werden, wo ein interdisziplinäres Team nach Ursachen sucht und Behandlungsmethoden erarbeitet. Für die acht betten gibt es derzeit eine Wartezeit bis Januar 2019.

  • Vollstationäres Angebot:

    Ab etwa August/September gibt es fünf Betten, um Schmerzpatienten vollstationär aufzunehmen. Dieses Angebot ist vor allem für Patienten mit schwierigen Begleiterscheinungen gedacht, sowie für Personen, die eingeschränkt mobil sind.

  • Gründer:

    Dr. Rüdiger Schmiedl gründete 2005 die Schmerzambulanz – 2007 die Schmerzklinik. Er baute das Angebot in Neumarkt aus. 1979 begann er seinen Dienst als Arzt am Klinikum, zunächst als Anästhesist, dann als Oberarzt in der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin.

  • Frank Janssen:

    .Der 50-jährige gebürtige Bochumer ist verheiratet und hat zwei Kinder. Der Neurologe und Schmerztherapeut arbeitet seit 2006 in Neumarkt. Als leitender Oberarzt hat er maßgeblich den Aufbau der neurologischen Hauptabteilung verantwortet.

Als er die Schmerzklinik gegründet hat, sei er bei den niedergelassenen Ärzten noch auf Unverständnis gestoßen. Zuletzt seien die Zahl der überwiesenen Patienten von einst 210 auf 577 gestiegen. Etwa 4000 Schmerzpatienten behandeln die niedergelassenen Therapeuten pro Jahr. „Das Bewusstsein für Schmerzen hat sich gewandelt“, sagt Dr. Schmiedl. Es gebe nicht unbedingt mehr Schmerzpatienten, ergänzt Dr. Hauenstein. Aber heute bestehe die Bereitschaft, darüber zu sprechen, Hilfe anzunehmen und nicht nur Tabletten zu schlucken.

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