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Nürnberg

Neue Namen für Nürnberger Plätze

Grünflächen und Parks sollen in Nürnberg nun Namen bekommen. Manchen geht dies aber nicht weit genug.
Von Nikolas Pelke

Nach Margarate Tanner, der Gründerin der ersten Schule für Sehbehinderte, sollte der kleine Park im schicken Stadtteil „Gärten hinter der Veste“ nach dem Vorschlag von Ruth Zadek umbenannt werden. Foto: Pelke
Nach Margarate Tanner, der Gründerin der ersten Schule für Sehbehinderte, sollte der kleine Park im schicken Stadtteil „Gärten hinter der Veste“ nach dem Vorschlag von Ruth Zadek umbenannt werden. Foto: Pelke

Nürnberg.Von einem Schildbürgerstreich hat Ruth Zadek gesprochen. „Wir benennen einen Park nach einer verdienten Person – und keiner bekommt es mit“, hat sich die SPD-Stadträtin kürzlich beklagt. Bereits im Januar hatte der Verkehrsausschuss auf Antrag der SPD-Stadträtin beschlossen, einer versteckten Grünfläche endlich einen Namen zu geben. Doch nach der Entscheidung hat sich offensichtlich erst einmal lange Zeit überhaupt nichts getan.

Nach Margarate Tanner, der Gründerin der ersten Schule für Sehbehinderte, sollte der kleine Park im schicken Stadtteil Gärten hinter der Veste nach dem Vorschlag von Ruth Zadek umbenannt werden. Östlich der kleinen Grünfläche residierte bis zum Jahr 1978 die erste Blindenschule in der Stadt. Margarete Tanner (1930 bis 2014) war Gründerin, Lehrerin und Rektorin der 1955 an der Kobergerstraße gegründeten Schule für Sehbehinderte. In Anerkennung der großen Leistung erhielt Tanner sogar den Verdienstorden.

Gesprächsstoff in der Fraktion

In der SPD-Fraktion hat der kleine Park zuletzt immer wieder für Gesprächsstoff gesorgt. Zunächst sollte die versteckte Anlage behutsam aufgewertet werden. Dann kam man auf die Idee, die namenlose Grünfläche standesgemäß zu taufen. Der Name sollte eine Frau „als Gegenpol“ zu den „nach Männern benannten Straßen der Umgebung“ würdigen, forderte die SPD-Fraktion und stellte Margarete Tanner den männlichen Malern, Dichtern und Feldhauptmänner der umliegenden Straßennamen-Patronen gegenüber.

Die SPD-Fraktion sprichwörtlich auf die Palme gebracht hat dann offensichtlich die Tatsache, dass nach der Namensvergabe viel zu lange nichts passiert ist. Konkret hat die Verwaltung wohl keinen Anlass gesehen, schnell ein Schild auf dem alten Platz mit dem neuen Namen aufzustellen. Damit werde die Entscheidung der Ratsmitglieder „weitgehend konterkariert“, empörte sich die SPD-Fraktion. Ohne entsprechendes Schild können „eben gerade keine Würdigung des Wirkens der namensgebenden Person im öffentlichen Raum“ erfolgen, dozierte die SPD-Fraktion etwas umständlich. Mittlerweile wurde übrigens ein kleines Straßenschild montiert. So weit so gut. Könnte man meinen.

Denn die SPD-Fraktion will sich damit nicht zufrieden geben. SPD-Fraktionschefin, Anja Prölß-Kammerer, hat mittlerweile herausgefunden, dass Grün- und Parkanlagen in Nürnberg „generell keine Namensschilder“ bekommen. Auch für SPD-Stadträtin Ruth Zadek sei diese bisherige Praxis „durchaus überraschend“ gewesen und sollte „dringend korrigiert“ werden. Im Hinblick auf eine „einheitliche Regelung“ fordert Ruth Zadek jetzt die Verwaltung auf, „grundsätzlich Namensschilder in Park- und Grünanlagen anzubringen“.

Auf Bernhard Schmidpeter und seine Kollegen vom städtischen Amt für Geoinformation und Bodenordnung könnte bald viel Arbeit zukommen. „In Nürnberg haben die allerwenigsten Parks einen Namen. Die allermeisten Grünflächen haben überhaupt keinen Namen“, erklärt Schmidpeter. Die „Nürnberger Namenslosigkeit“ haben die Lokalpolitiker im Gegenzug jetzt offensichtlich für sich entdeckt. Die SPD-Stadtratsfraktion kam neulich mit dem wenig weltbewegenden Antrag um die Ecke, eine Grünanlage in „Park der Partnerstädte“ umzubenennen. Noch etwas forscher zeigte sich die CSU-Fraktion, die bei der Namensvergabe verstärkt „verdiente Frauen“ würdigen will.

Hier finden Sie weitere Informationen:

Ruth Zadek und Margarete Tanner

  • Ruth Zadek:

    Seit dem Jahr 2002 ist Ruth Zadek als ehrenamtliche Stadträtin in Nürnberg aktiv.

  • Künstlerin:

    Seit dem Jahr 1993 ist Ruth Zadek freiberuflich als bildende Künstlerin tätig.

  • Blaue Nacht:

    Im Jahr 2000 war Ruth Zadek Programmkoordinatorin und auch künstlerische Leiterin der ersten „Blauen Nacht“ in Nürnberg.

  • Margarete Tanner:

    Margarete Tanner (1930 bis 2014) war Gründerin, Lehrerin und langjährige Schulleiterin der 1955 an der Kobergerstraße gegründeten Schule für Sehbehinderte Nürnberg.

  • Verdienste:

    Tanner soll sich in der pädagogischen Arbeit mit Sehbehinderten große Verdiente erworben haben. In Anerkennung erhielt Tanner den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. (npe)

SPD-Idee ist nicht neu

Der Namensdebatte die politische Krone aufsetzen will freilich die rote Rathausfraktion, die unter die eigentlichen Namensschilder für Straßen, Plätze und Parkanlagen zusätzliche Erläuterungen zum Wirken der namensgebenden Personen zukünftig mit anbringen lassen will. Neu ist diese SPD-Idee allerdings nicht. Bereits vor drei Jahre haben die Sozialdemokraten gefordert, dass zukünftig Erläuterungen zum Straßennamen auf einer kleinen Zusatztafel vorgenommen werden.

Als eine Art Argumentationshilfe haben die Touristen herhalten müssen. Insbesondere für diese seien die Erklärungen zum Hintergrund des Namenspatrons „eine interessante Ergänzung“, argumentierte Ruth Zadek von der SPD-Fraktion kürzlich erneut. Praktisch getan hat sich allerdings noch nichts.

Auf Anfrage dieses Medienhauses kündigt Bernhard Schmidpeter vom städtischen Amt für Geoinformation und Bodenordnung am Dienstag an, dass seine Behörde demnächst einen Masterplan zum gesamten Themenkomplex vorstellen wolle. Spätestens dann müssten sich die Ratsmitglieder dazu bekennen, wie viel ihnen der zusätzliche Schilderwald zur Ehrung und Erläuterung tatsächlich wert ist.

Überraschende Praxis:

Hintergrund zu der Geschichte ist folgender: Auf Antrag der SPD-Stadtratsfraktion wurde laut Pressemitteilung bereits im Januar im Verkehrsausschuss beschlossen, die Grünfläche an der Ecke Koberger-, Uhland- und Grolandstraße in Margarete-Tanner-Park zu benennen. Dabei stellte sich auf SPD-Nachfrage heraus, dass Grün- bzw. Parkanlagen in Nürnberg generell keine Namensschilder bekommen. Diese bisherige Praxis sei durchaus überraschend gewesen und sollte dringend korrigiert werden, findet SPD-Stadträtin Ruth Zadek, die den Antrag gestellt hatte.

Dies sorgte aber auch für Empörung: „Das ist schon beinahe ein Schildbürgerstreich. Damit ist die Benennung einer Grünanlage bzw. eines Parks, wie im Fall des Margarete-Tanner-Parks, weitgehend konterkariert, weil ohne das entsprechende Schild eben gerade keine Würdigung des Wirkens der namensgebenden Person im öffentlichen Raum erfolgt. Wir benennen einen Park nach einer verdienten Person – und keiner bekommt es mit“, ärgerte sich Zadek.

Im Fall des Margarete-Tanner-Parks wurde inzwischen ein Straßenschild aufgehängt. Dies sei laut SPD allerdings nur ein Einzelfall. Um zukünftig eine einheitliche Regelung zu schaffen und die Würdigung einer Person im öffentlichen Raum zu ermöglichen, will die SPD grundsätzlich Namensschilder in Park- und Grünanlagen anbringen. Außerdem sollen Zusatztafeln zur Erläuterung der Namensgeber angebracht werden.

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