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Neuer Pop-Up-Radweg für Nürnberg

Durchbruch oder doch nur Flickwerk? Die erste „Pop-Up-Bike-Lane“ in Nürnberg soll Radfahrern den Weg frei machen.
Von Nikolas Pelke

Sakolrat und Alexander genießen den ungewohnten Platz beim Fahrradfahren auf der ersten Pop-up-Bikelane in Nürnberg.
Sakolrat und Alexander genießen den ungewohnten Platz beim Fahrradfahren auf der ersten Pop-up-Bikelane in Nürnberg. Foto: NP/NP

Nürnberg.Auf der Rothenburger Straße in Nürnberg herrscht plötzlich freie Fahrt für Radler: Praktisch über Nacht hat Nürnberg einen alten Autostreifen in eine neue Fahrradspur verwandelt. „Pop-Up-Radweg“ nennt sich das Experiment, weil der Radweg wie aus dem Nichts auf der Fahrbahn entstanden ist.

Ohne großen Aufwand ist der neue Komfort-Fahrradstreifen in beiden Richtungen auf der Teerdecke gelb markiert worden. Der motorisierte Verkehr muss sich im Bereich des neuen Pop-Up-Radweges auf einer Länge von rund einem Kilometer mit nur noch jeweils einer Fahrspur begnügen.

„Hier radelt es sich jetzt total entspannt und deutlich angenehmer als vorher“, freuen sich Sakolrat und Alexander. Die beiden Studenten sind mit ihren Fahrrädern häufig in der Frankenmetropole unterwegs. „Nürnberg ist für Radfahrer nicht so toll“, findet Alexander und verweist auf fehlenden Platz und rasenden Autoverkehr. „Ich hatte erst Angst, ob alle Autofahrer die neue Radspur wirklich wahrnehmen“, sagt Sakolrat und erzählt, dass ein Autofahrer tatsächlich erst die neue Verkehrsregelung übersehen hätte. Grundsätzlich finden die zwei Studenten den neuen Pop-up-Radweg gut. Nur an manchen Stellen hätten sich die beiden noch eine etwas deutlichere Markierung gewünscht.

„Total übertrieben“

Kritisch sieht dagegen Johann den städtischen Testlauf mit dem plötzlich installierten XXL-Radstreifen auf der viel befahrenen Rothenburger Straße. „Ich finde den neuen Radweg hier total übertrieben“, sagt Johann, der ebenfalls mit dem Fahrrad unterwegs ist. Zur Rushhour im Berufsverkehr würden sich die Autos durch den Wegfall der zwei Fahrspuren neuerdings hier kilometerlang stauen. „Die armen Pendler stehen jetzt hier morgens und abends ewig im Stau“, ärgert sich der Anwohner über den neuen Dauerstau vor seiner Haustür. „Ein normaler Fahrradstreifen hätte es doch auch getan. Da hätte die Stadt nicht gleich eine ganze Fahrspur für den Radverkehr sperren müssen“, findet Johann.

Pop-up-Radweg

  • Spuren Mittels einer Gelbmarkierung entstand ein drei bis vier Meter breiter Radstreifen. Der Autoverkehr wird daneben einspurig auf einer 3,5 Meter breiten Fahrspur geführt.

  • Projekt Der temporäre Radweg ist als Versuch zunächst bis zum 31. Oktober 2020 angelegt. Anschließend wird bewertet, ob er sich bewährt hat.

Tatsächlich existiert in der Frankenmetropole schon länger der Wunsch nach aufpoppenden Radwegen. Laut Verwaltung habe die Stadt „seit langer Zeit über den Städtetag“ dafür gekämpft, mehr Möglichkeiten für Experimente im Straßenverkehr zu bekommen. Durch eine Gesetzesnovelle bestehe nun seit April die Möglichkeit, neue Radwege kurzfristig auszuweisen. Zusätzlich hat die Corona-Krise in Nürnberg offensichtlich als Beschleuniger gewirkt. Die Grünen haben beispielsweise mit Verweis auf Corona bereits im Mai erste Pop-up-Radwege gefordert. Die großen Kooperationspartner im Rathaus haben im Juni die aktuelle Trasse ins Spiel gebracht, weil dort sowieso ein neuer Radweg gebaut werden soll. Weil die Bauarbeiten aber erst im nächsten Jahr starten sollen, haben sich CSU und SPD für die temporäre Pop-up-Lösung stark gemacht.

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Temporärer Weg im Test

„Jetzt geht’s los: Wir testen in Nürnberg einen temporären Radweg“, freute sich Bürgermeister Christian Vogel (SPD) zum Start des ersten Pop-up-Radweges. Auch Daniel F. Ulrich, Planungs- und Baureferent der Stadt, ist voll des Lobes. „Ich bin sehr froh, dass es gelungen ist, so schnell nach dem Beschluss des Rats diesen Verkehrsversuch umzusetzen. Der große Lückenschluss an der Rothenburger Straße verspricht, die Anbindung weiter Teile von Nürnbergs Westen für Radler deutlich attraktiver zu machen“, betonte Ulrich.

Derweil sind Sakolrat und Alexander am Ende der neuen Pop-up-Bike-Lane angekommen. „Jetzt beginnt wieder der Fahrrad-Alltag“, sagen die beiden und schlängeln sich wieder im Zickzackkurs über Straßen und Gehwege durch die Stadt.

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