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Montag, 23. Juli 2018 27° 3

Neumarkt

Neumarkt: Alarmstufe rot in den Wäldern

Die nächste Generation der Borkenkäfer, dem größten Schädling der Fichte, bereitet sich momentan wieder zum Ausschwärmen vor.
Von Johann Grad

Förster Oliver Kuhn (r.) und Martin Schmid, Vorsitzender der WBV Parksberg (l.), informierten über die Gefahren durch den Borkenkäfer. Foto: Grad
Förster Oliver Kuhn (r.) und Martin Schmid, Vorsitzender der WBV Parksberg (l.), informierten über die Gefahren durch den Borkenkäfer. Foto: Grad

Dietfurt.Die erste Generation hat ihre „Arbeit“ schon erledigt, nun schwärmt die zweite Generation von Borkenkäfern aus. Daher ist es jetzt für die Waldbauern höchste Zeit, die Bestände genau zu kontrollieren und bei Befall sofort einzugreifen. Diese dringliche Botschaft vermittelten die Förster Oliver Kun und Josef Meier sowie Martin Schmid, Vorsitzender der Waldbauernvereinigung (WBV) Parsberg bei einer Waldbegehung im Labertal.

Schneebruch, Windwürfe und momentane Trockenheit führen zu einem Angebot an Brutmöglichkeiten in den Fichtenwäldern und deswegen zu einer hohen Population des Schädlings. „Im Dietfurter Raum ist der Befall bereits höher als vor einem Jahr“, so Oliver Kuhn. Der zweite Schwärmflug könnte zu einer Massenvermehrung führen und zum Absterben von Fichtenbeständen. Im April wurden schon die ersten Käferbäume gesichtet, heute gibt es bereits ausgedünnte Flächen, wo viele Kubikmeter entnommen werden mussten. So fehlt den Fichten oft der Schatten des Nachbarbaums. Dadurch muss der Baum deutlich mehr Wasser verdunsten, wird geschwächt und der Käfer hat ein leichtes Spiel. Auch die Douglasie werde immer häufiger befallen, so Kuhn, der aber keinesfalls von ihr abrücken will.

Ab in die Rammelkammer

WBV-Förster Josef Meier zeigt, woran man befallene Bäume erkennen kann. Foto: Grad
WBV-Förster Josef Meier zeigt, woran man befallene Bäume erkennen kann. Foto: Grad

Der Fachmann erklärte anschaulich, wie der Borkenkäfer „arbeitet“. Die Männchen schaffen sogenannte ‚Rammelkammern‘ unter der Rinde. In Faserrichtung fressen die Weibchen 6 bis 15 cm lange Muttergänge, die Eier werden seitlich in Nischen abgelegt. Die Fressgänge der Larven verlaufen quer zur Faserrichtung und enden in einer verbreiterten Puppenwiege in der Rinde. Ein sicheres Zeichen für Befall ist das Bohrmehl. Sobald sich die Käfer erfolgreich in den Stamm einbohren, produzieren sie Lockstoffe, die über das Bohrmehl abgegeben werden. „Genau dieses Bohrmehl am Fuß befallener Bäume gilt es, zu suchen“, erklärte Kuhn. Dieses Material sammelt sich in Rindenschuppen, am Stammfuß, in Spinnweben und auf der Bodenvegetation. „Die Suche ist zwar aufwendig, aber die einzig zuverlässige Befallsdiagnose und ermöglicht effizienteste Bekämpfung“, betonte Meier.

Es muss möglichst schnell damit begonnen werden, befallene Bäume auszusortieren. „Erst ist ein Baum betroffen, dann ein weiterer und auf einmal gibt es einen riesigen Einschlag“, erklärte Martin Schmid, Vorsitzender der WBV. Im Winter kann man die Wipfel getrost liegenlassen. Im Januar ist bereits zu überlegen und im Februar ist es keine Frage mehr, dass das Zeug raus muss, so Meier. Vor Beginn der Schwärmzeit ist das Holz des Wintereinschlags aus dem Wald abzufahren, Kronenmaterial und Resthölzer müssen ebenfalls entfernt sein und gehäckselt oder verbrannt werden.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Borkenkäfer:

Der Borkenkäfer

  • Vermehrung:

    Bleiben die Temperaturen so hoch, dann gibt es mindestens drei Generationen von Borkenkäfern. Ausgehend von 60 Nachkommen pro Weibchen kann dessen Nachkommenschaft bei drei Generationen mehr als 100 00 Käfer pro Jahr betragen.

  • Zunahme:

    Eine befallene Altfichte entlässt mindestens 20 000 Schädlinge.

Säger sind gut ausgelastet

Laut Kuhn ist es wichtig, dass die Waldbauern miteinander reden, Kleinmengen zusammenlegen und gemeinsam verkaufen. Der aktuelle Holzmarkt sei angespannt. Da in den ersten Monaten 2018 relativ viel Holz geschlagen wurde, sind die Säger gut ausgelastet. Der Preis für frische Fixlängen bei Fichte im Leitsegment BC 2b liegt seit Anfang Juni bei 80 Euro pro Festmeter, bei Käferholz werden 25 Euro pro Festmeter abgezogen. „Über schmälere Stämme brauchen wir gar nicht mehr diskutieren“, ist sich Meier klar.

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