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Gericht

Neumarkt: Am Boden Liegenden getreten

Das Opfer erlitt einen Jochbeinbruch. Der Täter bekam vor dem Neumarkter Amtsgericht acht Monate Freiheitsstrafe.
Von Heike Regnet

Das Neumarkter Amtsgericht verhandelte wegen einer Körperverletzung.  Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Das Neumarkter Amtsgericht verhandelte wegen einer Körperverletzung. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Neumarkt.Die Wahrheit bekam Amtsrichter Rainer Würth an diesem Tag gleich sechsmal zu hören, zumindest nach Beteuerung der Zeugen und des Angeklagten. Doch in so manchem Detail waren sich nicht alle einig.

Wegen Körperverletzung musste sich ein 32-Jähriger verantworten. Am 1. Dezember habe er um 10.55 Uhr den Geschädigten geschubst, dann mit der Faust ins Gesicht geschlagen, so dass dieser zu Boden ging. Hierauf habe er weiter auf den am Boden Liegenden eingeschlagen und ihn mit Füßen getreten. Das Ergebnis: Jochbeinbruch und Hörverlust auf dem linken Ohr.

Um das Ganze zu verstehen, müsse er etwas ausholen, erklärte der Angeklagte. So habe der Geschädigte zuvor ins Haus des Bruders eingebrochen. An jenem Morgen wollte er Zigaretten holen, als ihm der andere auf der Straße etwas zurief. Dann habe der sich mit einem Schraubenzieher in der Hand genähert. „Da hab‘ ich ihm eine geb‘n. Ich lass‘ mich doch nicht abstechen.“ Ein Faustschlag und der andere stürzte. Dann sei der Bruder aus dem Fenster gesprungen und habe dem Niedergeschlagenen auf die Beine geholfen.

Nun wurde die CD angesehen, die beim Vorfall aufgenommen wurde. Diese zeigte jedoch nur den Streit, nicht die Tat. Nicht vorhanden war der Schraubenzieher. Dies wollte Pflichtverteidiger Dr. Markus Meier so nicht stehenlassen, denn der Geschädigte hätte diesen ja auch in die Hosentasche stecken können.

„Scho a bissl agro“

Der Geschädigte erklärte, dass er damals das Auto seiner Frau reparierte, als der Angeklagte vorbeikam. „Da war der scho a bissl agro.“ Als er noch etwas zu ihm rief, habe er den Schraubenzieher weggelegt und sei hingegangen. Dann wurde er geschubst, bekam die Faust an den Kopf, stürzte und der andere habe weiter auf ihn eingeschlagen und getreten. „Links bin ich jetzt taub wie ne Nuss.“

Auch eine Passantin war als Zeugin geladen. Sie hatte den Streit gesehen, auch, dass einer zu Boden ging und der andere nach ihm trat. Dann wechselte sie die Straßenseite. Der Angeklagte räumte ein, dass er vielleicht schon getreten habe, aber nur um die zappelnden Füße des anderen wegzutreten. Auch ein Nachbar hatte die Szene beobachtet. Dazu, ob ein Schraubenzieher im Spiel war, wollte aber auch er sich nicht festlegen.

Eindringlich wurden Ehefrau und Bruder des Angeklagten vor ihrer Aussage nochmals über die Wahrheitspflicht belehrt. Beide beteuerten, dass für sie sowieso nur die Wahrheit in Frage käme. Sie hatten den Schraubenzieher genau gesehen, ebenso einen Faustschlag. Als Staatsanwalt Thomas Leykam erklärte, dass der Angeklagte das Zutreten schon eingeräumt habe, besserten die Zeugen mit einem „könnte schon sein“ nach. Mit einem: „Darf ich das kurz zeigen?“ warf sich der Angeklagte nun zu Boden und mimte den Geschädigten, wie der um sich trat. Da habe er die Füße halt von sich weggetreten, nicht zugetreten.

18 Einträge wies das Bundeszentralregister auf. Staatsanwalt Leykam beantragte zehn Monate Freiheitsstrafe, Pflichtverteidiger Meier Freispruch. Richter Würth hatte keine Zweifel: acht Monate Freiheitsstrafe wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Auch wenn zu Beginn eine Notwehrsituation bestanden haben könnte, habe sich das nach dem Sturz geändert.

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