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Region Neumarkt
Montag, 20. August 2018 28° 2

Landwirtschaft

Neumarkt: Bayerns erster Bauernmarkt

Der Bauernmarkt sollte vor 30 Jahren die Existenz kleiner Höfe sichern, aber anfangs traute sich keiner Waren mitzubringen.
Von Katrin Böhm

Von Gemüse über Fisch und Fleisch bis zu Eis und Brot: Die Organisatoren des Bauernmarkts legen Wert auf eine breite Angebotspalette. Foto: Münch
Von Gemüse über Fisch und Fleisch bis zu Eis und Brot: Die Organisatoren des Bauernmarkts legen Wert auf eine breite Angebotspalette. Foto: Münch

Neumarkt.Dass es keine fünf Minuten dauern werde, bis der Markt Geschichte sei, hatten sie ihm gesagt, eine Eintagsfliege, mehr nicht. Und das waren noch die eher harmlosen Dinge, die sich Hans-Heinrich Grasse vor 30 Jahren anhören musste, als er und seine Kollegen den Neumarkter Bauernmarkt organisierten. Kein Wunder, schließlich gab es nirgendwo anders einen – der Neumarkter Bauernmarkt ist laut Bauernverband zusammen mit dem Münchner der älteste bayerische Bauernmarkt. Schon damals befürchteten Neumarkter Geschäftsleute, dass ihnen durch den Markt die Kunden wegbrechen könnten, auch aus den landwirtschaftlichen Behörden kamen die finstersten Prognosen.

„Keiner hat sich getraut, viele Waren mitzubringen. Es hat ja immer geheißen, da kauft niemand was.“

Hans-Heinrich Grasse

Fischzüchter Grasse ließ sich davon nicht entmutigen. Mit einer gewissen Skepsis kamen aber auch er und die anderen Landwirte mit ihren Ständen zum ersten Bauernmarkt im Juli 1988 nach Neumarkt, damals noch auf den Johannisparkplatz. „Keiner hat sich getraut, viele Waren mitzubringen. Es hat ja immer geheißen, da kauft niemand was.“

Doch alle sollten sich getäuscht haben: Nach nicht einmal zwei Stunden waren sämtliche Waren ausverkauft. Und diejenigen, die die lautesten Unkenrufe herausposaunt hatten, luden Grasse und seine Mitstreiter – allen voran die bereits verstorbene Ideengeberin Christa Frohnhöfer – zu Seminaren ein. Sie sollten jetzt in Meisterkursen Referate halten und anderen Landwirten erklären, wie man einen Bauernmarkt organisiert. Mittlerweile gibt es laut BBV bayernweit 160 dieser Märkte.

Sie sind die Macher des Bauernmarkts: Christian Grasse, Christine Zschaber mit Tochter Gretl, Markus Frohnhöfer sowie Hans-Heinrich und Ruth Grasse (von links). Foto: Böhm
Sie sind die Macher des Bauernmarkts: Christian Grasse, Christine Zschaber mit Tochter Gretl, Markus Frohnhöfer sowie Hans-Heinrich und Ruth Grasse (von links). Foto: Böhm

Dabei wurde die Idee zum Neumarkter Bauernmarkt eigentlich aus der Not heraus geboren: In der Region gab es damals viele kleine Betriebe, die eigentlich hätten aufhören müssen, weil es wirtschaftlich nicht mehr funktionierte. Um überleben zu können, setzte man sich zusammen und kam auf die Idee mit der Direktvermarktung. Der BBV mit seinem damaligen Geschäftsführer Rudolf Fürsich war sofort mit im Boot und unterstützte die Idee organisatorisch und finanziell, sagt Grasse. Auch Bio-Bauern aus der Region waren von Beginn an mit von der Partie – auch wenn das nicht immer reibungslos lief, zu groß waren die gegensätzlichen Vorstellungen von Landwirtschaft. Streitigkeiten wurden aber laut Grasse „schnell und ohne böses Blut geklärt“.

Wer steht eigentlich hinter den Ständen des Bauernmarkts? Hier haben wir Kurzporträts aller Landwirte zusammengestellt:

Die Neumarkter begrüßten die neue Form des Einkaufens, aus vielen Kunden wurden Stammkunden, die bewusst kaufen, Wert auf Qualität und Regionalität legen und dafür auch ein bisschen mehr zahlen. Aus acht bis zehn Ständen wurden 15, das Sortiment wuchs. Ins Gehege kommen sich die Anbieter nicht, obwohl es allein vier Metzger gibt, sagt Grasse. „Jeder hat seinen eigenen Kundenstamm und jeder macht alles ein bisschen anders. Die ergänzen sich eher.“

Der Neumarkter Bauernmarkt

  • Angebot:

    Obst und Gemüse: Demeterhof Ehemann, Oberndorf; Demeterhof Staudigl, Dürn; Demeterhof Nowack & Böhme, Erasbach. Fleisch und Wurst: Metzgerei Beer, Schnufenhofen; Metzgerei Geier, Bischberg; Metzgerei Rammelmeier, Finsterweiling; Metzgerei Hummel, Sondersfeld. Fisch: Fischzucht Grasse, Schneemühle. Käse, Milchprodukte, Eis: Käsespezialitäten Kratzerbauer, Grametshof bei Beratzhausen; Metzgerei Beer, Schnufenhofen; Bio Eiswerkstatt da’ Oberlipp, Pirkach bei Deining. Eier und Nudeln: Geflügel Heiselbetz, Rocksdorf; Metzgerei Hummel, Sondersfeld; Demeterhof Ehemann, Oberndorf; Demeterhof Staudigl, Dürn; Metzgerei Beer, Schnufenhofen; Bio Eiswerkstatt da’ Oberlipp, Pirkach. Honig und Honigprodukte: Bio-Imkerei Kieweg, Woffenbach. Brot und Backwaren: Holzofenbäckerei Frohnhöfer, Bodenmühle; Demeterhof Ehemann, Oberndorf; Familie Simon, Döllwang. Dekoration und Geschenkartikel: Elfriede Eichenseer, Velburg.

  • Termine und Jubiläum:

    Bauernmarkt ist immer am Samstag von 7.30 bis 12.30 Uhr am Unteren Markt. Es gibt 15 Stände. Viele, aber nicht alle Produkte sind bio. Der 30. Geburtstag des Bauernmarkts wird am 22. September gefeiert. Ab 7.30 Uhr ist Bauernmarkt, von 9 bis etwa 13.30 Uhr Festzeltbetrieb – aufgetischt werden ausschließlich Produkte, die von den Landwirten des Bauernmarkts stammen. Als Festrednerin hat Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber zugesagt, Finanzminister Albert Füracker hat sein Kommen ebenfalls zumindest angekündigt. Für Kinder gibt es Eselreiten und ein Kinderprogramm.

Die Satzung sieht allerdings vor, dass die Organisatoren selbst entscheiden, „wen wir reinlassen und wen nicht“. Oberste Priorität: Waren müssen von Zucht oder Anbau bis zur Verarbeitung aus eigener Herstellung kommen. Dass es am Gemüsestand auch Zitronen oder Bananen gibt, da drücke man ein Auge zu, sagt Grasse. Das sei der Abrundung des Angebots geschuldet: „Je größer das Angebot, desto attraktiver ist der Markt – das war schon immer mein Grundsatz.“

Die Nachfolge ist für viele ein Problem

Dahinter steht auch sein 29-jähriger Sohn Christian, der mittlerweile sowohl die Fischzucht in der Schneemühle als auch die Führung des Bauernmarkts übernommen hat. Er hofft wie sein Stellvertreter Markus Frohnhöfer, dass es auch nach dem 30. Geburtstag kontinuierlich bergauf geht, sieht jedoch auch dunkle Wolken aufziehen: In vielen Betrieben steht die Frage nach der Nachfolge an „und das ist ein Problem“. Denn da geht es nicht nur um stramme Arbeitstage, sondern um eine stetig steigende Flut an Vorschriften – die nicht nur zunehmend Papierkram, sondern oft auch hohe Investitionen im Betrieb bedeuten.

Ganz schwarz sehen will man aber nicht, denn es gibt immer wieder neue Betriebe, die plötzlich mit dabei sind – wie die Bio-Eiswerkstatt von Christine und Beppo Zschaber. Und ein weiterer Neuling steht auch schon auf der Matte: Demnächst wird Peter Hollweck aus Ammelhofen mit Milchprodukten vertreten sein. Ein Geburtstagsgeschenk haben sich die Landwirte schon gemacht: eine eigene Homepage (www.neumarkter-bauernmarkt.de).

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