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Essen

Neumarkt: Der Kampf mit den Kalorien

Zwei MZ-Reporter wagen vier Wochen lang den Selbstversuch. Katrin Böhm verzichtet auf Zucker, Johannes Heil zählt Kalorien.
Von Katrin Böhm und Johannes Heil

Zucker, überall Zucker. Erfrischungsgetränke und Energy Drinks enthalten meist viel mehr Zucker, als dem Menschen gut tut. Foto: Monika Skolimowska/dpa
Zucker, überall Zucker. Erfrischungsgetränke und Energy Drinks enthalten meist viel mehr Zucker, als dem Menschen gut tut. Foto: Monika Skolimowska/dpa

Neumarkt.Das sagt Katrin Böhm:

Katrin Böhm Foto: Drenkard
Katrin Böhm Foto: Drenkard

In meiner Welt gehört zu einem gelungenen Abendessen ein Dessert. Am besten irgendwas mit Obst und Schokolade. Und zu einem Sommertag ein Eis. Im Freibad, beim Bummeln durch die Stadt, mit den Kindern im Café. Und wenn ein Hersteller eine neue Veggie-Sorte Gummibärchen auf den Markt wirft, bin ich vermutlich eine der ersten, die vor dem Supermarkt-Regal steht und eine Packung nur so, zum Ausprobieren, in den Wagen legt.

Es ist nicht so, dass mir egal ist, was ich esse, im Gegenteil. Ich liebe es, zu kochen, für mich allein, für die Familie oder für viele Gäste, und mache mir Gedanken ums Essen. Gemüse gibt’s bei mir jeden Tag, roh, gebraten, gekocht, asiatisch, mediterran, alles dabei.

Und ein Obstteller steht jeden Tag auf dem Frühstückstisch. Jedoch führt bei mir auch an Süßigkeiten kein Weg vorbei. Nachmittags im Büro oder abends auf der Couch. Hier zwischen dem Tippen von zwei Sätzen schnell ein, zwei Kekse, die immer in der Schublade liegen, und zu Hause muss der Schoko-Osterhase jetzt auch mal weg. Zucker im Kaffee, im Schoko-Aufstrich auf der Samstags-Semmel, in den Reiswaffeln und in vermutlich noch 3298 Lebensmitteln, die ich gerne esse. Fakt ist: Es ist zu viel.

Denn im Gegensatz zu meinen beiden Jungs, bei denen die Mama ganz genau hinschaut, beim Einteilen der Süßigkeiten hilft und im Zweifel verbietet, habe ich niemanden, der mir den Zucker entzieht. Ich bin für mich selbst verantwortlich, das nennt man wohl Erwachsensein.

Sieht doch gut aus: Gemüse, frisch geerntet. Foto: Jens Büttner/dpa
Sieht doch gut aus: Gemüse, frisch geerntet. Foto: Jens Büttner/dpa

Die gute Sache ist: Ich weiß selbst, dass Zucker in viel zu vielen Produkten enthalten ist. In Zutatenlisten taucht er gerne auch getarnt als ein Wort mit „-ose“ am Schluss auf – die Begriffe ‚Dextrose‘ oder ‚Fruktose‘ klingen doch gleich viel gesünder.

Und ich weiß, dass Zucker in vielerlei Hinsicht schlecht ist. Zunächst einmal macht er dick und aus Übergewicht resultieren bekanntermaßen zahlreiche fürchterliche Krankheiten. Doch auch bei Menschen ohne Übergewicht steht Zucker im Verdacht, Schaden anzurichten. Er soll sich auf Gefäße, Haut und viele andere Körperteile negativ auswirken und müde machen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt Erwachsenen in einer Studie aus dem Jahr 2015 dringend, nicht mehr als 25 Gramm Zucker täglich zu sich nehmen – das sind gerade einmal um die sechs Teelöffel. Bei Kindern sollten es nicht mehr als 12,5 Gramm sein. Ausgenommen ist bei der Studie Zucker, der natürlicherweise in frischem Obst oder in Milch vorkommt.

Zur Verdeutlichung: Allein ein vermeintlich gesunder 250-Gramm-Becher Fruchtjoghurt enthält bis zu 33 Gramm Zucker, hat die Verbraucherzentrale in einem Test 2015 festgestellt – das sind mehr als elf Würfel Zucker. Und in einem Esslöffel Ketchup kann bis zu ein Teelöffel Zucker stecken. Von Schokolade oder Gummibärchen ist da noch gar nicht die Rede.

Doch da ich zumindest noch nicht mit Übergewicht kämpfe, siegt meist der innere Schweinehund. Und der verlangt nach Zucker. Das soll sich ändern. Zumindest für vier Wochen. Vier Wochen lang will ich ausprobieren, wie es sich damit lebt, den normalen Haushaltszucker aus dem Leben zu verbannen. Wie es sich anfühlt, nicht zur Schokolade zu greifen, sondern zum Apfel. Oder kein Eis zu essen, sondern einfach mal nichts. Ich bin gespannt.

Das sagt Johannes Heil:

Johannes Heil
Johannes Heil

Als mich meine Kollegin Katrin Böhm erwartungsvoll ansieht und auf eine Antwort wartet, sitze ich im Büro vor meinem Rechner und schaue abwechselnd auf das Croissant in meiner Hand und auf das, was sich über meinem Gürtel auf unschöne Art nach außen wölbt. Kollegin Böhm plant eine Ernährungs-Serie, sagt sie, und dass sie auf der Suche nach einem Kollegen sei, der vier Wochen lang eine Abnehm-Variante ausprobiert. Sie verzichtet auf Zucker, ich müsste mir eine andere Diät suchen. Ich lege das Croissant beiseite und sage zu.

Das Problem ist nicht allzu schwer auszumachen: Ich esse gerne und ich esse gerne viel. Die Konsequenz: Seit Jahren bringe ich deutlich mehr Kilo auf die Waage, als mir eigentlich lieb ist. Ich bin 1,78 Meter groß. Mein Wunschgewicht ist 78 Kilo. Die hatte ich aber zuletzt gefühlt vor Äonen von Jahren. Als ich noch Fußball gespielt habe, waren es einmal gar 72 gewesen. Das muss aber irgendwann kurz nach dem Urknall gewesen sein. Jetzt bringe ich knapp 90 Kilo auf die Waage. Das ist zwar kein katastrophaler Wert, schön ist er aber auch nicht.

Über die Jahre hinweg habe ich immer wieder – zugegebenermaßen nur halbherzig – versucht, meinen Kilos an den Kragen zu gehen. Meistens endete das in Frust. Denn alles was ich erreichen konnte, waren kleine Erfolge. Dann kam Stagnation und dann ging es wieder bergab – beziehungsweise bergauf mit den Kilos. Ich war bisweilen so frustriert, dass ich meinte, ein höhnisches Lachen meiner Waage wahrzunehmen.

Ohne Nudeln geht es bei Johannes Heil nicht. Foto: Epa/Ruth Mata
Ohne Nudeln geht es bei Johannes Heil nicht. Foto: Epa/Ruth Mata

Daher ist der Appell meiner Kollegin Böhm eine neue Chance, beschließe ich für mich, und fühle mich gar ein wenig beschwingt. Als ich die Liste der Diäten, die da so auf dem Markt herumschwirren, sehe, ebbt die Aufbruchstimmung bereits etwas ab. Low-Carb: Nein, nicht mit mir, ich brauche meine Kohlenhydrate. Mono-Diäten: Sich lediglich von Ananas, Reis oder Kohlsuppe ernähren? Nicht in 1000 Jahren. Paleo, also Steinzeit-Diät? Ich bin doch nicht der Neandertaler.

Letztendlich entscheide ich mich für die Variante Kalorienzählen gepaart mit mehr Bewegung. 15 000 Schritte pro Tag sollen es sein. Vier Wochen lang werde ich genau Buch führen über meine Ernährung. In digitalen Zeiten muss ich das aber gottlob nicht mehr mit dem Bleistift und dem Rechenschieber tun, eine App hilf mir dabei. Ich muss nur in mein Smartphone eintippen, was ich esse und schon berechnet mir die App, wie viele Kalorien ich zu mir nehme. Auch verrät sie mir, ob ich meinen Bedarf an Makronährstoffen (Kohlenhydrate, Proteine, Fette) abgedeckt habe. Das Schritte-Zählen übernimmt das Handy dankenswerterweise auch noch gleich mit.

Zum Start gebe ich also meine Körperdaten, mein Alter und mein Wunschgewicht in die App ein. Diese weist mich an, dass ich nicht mehr als 1730 Kalorien pro Tag zu mir zu nehmen darf. Das sind zwar wirklich nicht viele – aber für mich immer noch besser, als auf Kohlenhydrate zu verzichten oder nur Karotten zu essen. Was mir tatsächlich größere Sorgen bereitet, ist die 15 000-Schritte-Marke. Denn aufgrund meiner vorwiegend sitzenden Tätigkeit komme ich an einem normalen Arbeitstag kaum über 8000 Schritte. Ich werde in meiner Mittagspause ausgedehnte Spaziergänge unternehmen müssen. Das Eisessen hingegen wird wohl ausfallen müssen.

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Ein Thema – zwei Ansätze

  • Ernährung ist ein Riesenthema in der Gesellschaft, längst nicht mehr nur zur Fastenzeit. Statt klassischer Diäten sind neue Ernährungsformen en vogue: Veganer sind die neuen Vegetarier, überall ist die Rede von Slow Food, Clean Eating (Verzicht auf industriell bearbeitete Lebensmittel) und Paleo („Essen wie in der Steinzeit“). Eine Blitzumfrage innerhalb der Redaktion hat ergeben: Zwei Reporter wollen ihre Ernährungsgewohnheiten auf den Prüfstand stellen. Vier Wochen wollen Johannes Heil und Katrin Böhm ihren üblichen Lebensstandard durch einen gesünderen austauschen – ob die vier Wochen lang oder kurz werden, wird sich wohl erst am Ende herausstellen.

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