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Lesung

Neumarkter Anwalt schreibt Krimis

Geedo Paprotta verarbeitet Erlebnisse aus seinem Alltag literarisch. „Jagdtrieb“ ist der erste Band, zwei weitere folgen.
Von Eva Gaupp

Der Neumarkter Anwalt Geedo Paprotta schreibt unter Pseudonym Kriminalromane. Foto: Violetta Paprotta
Der Neumarkter Anwalt Geedo Paprotta schreibt unter Pseudonym Kriminalromane. Foto: Violetta Paprotta

Neumarkt.Was verbindet eine Prostituierte, einen Butler oder einen Schauspieler mit einem Anwalt? Sie tun alles für ihren Kunden. „Der ist wie ein weißes, unbeschriebenes Blatt Papier“, sagt Paul Colossa. Und der muss es wissen, denn er ist selbst Anwalt. Ein noch junger unerfahrener, aber dafür ein verwegener – zumindest sieht er nach seinem ersten großen Fall so aus.

Sein Schöpfer ist ebenfalls Rechtsanwalt und deshalb hat er seinen Krimi unter Pseudonym geschrieben. „Die Tätigkeit eines Romanciers lässt sich schwer mit der eines Anwalts in Einklang bringen“, sagt Hendrik Esch alias Geedo Paprotta. Denn ein Geschichtenerzähler gelte gemeinhin nicht unbedingt als seriös. Doch in gewissem Sinne versteht sich der 44-jährige Jurist aus der Oberpfalz ebenfalls als Geschichtenerzähler, und nicht nur dann, wenn er in seiner Freizeit mit Paul Colossa Kriminelle jagt.

„Ich versuche, dem Richter Bilder in den Kopf zu zaubern.“

Geedo Paprotta

Auch einem Richter versuche er, eine gute Geschichte zu erzählen, die Motive, Hintergründe Handlungen seines Mandanten so in Worte zu verpacken, dass ihn der Richter nicht als Ladendieb Nummer 501 einstuft, sondern ihm Aufmerksamkeit schenkt. Es gehe darum, dem Richter Bilder in den Kopf zu zaubern. „Das ist die Kunst.“

Ein Jurist mit blumiger Sprache

Genauso wenig, wie „Jagdtrieb“ mit dem glutäugigen Wolf auf dem Cover das Klischee eines Kriminalromans erfüllt, genauso wenig erfüllt Paprotta die Erwartungen, die man sprachlich an einen Juristen stellt. Die 487 Seiten präsentieren sich nicht trocken, nüchtern, faktengetrieben. Der Autor gibt sich detailverliebt, formuliert blumig, manches Mal schon fast manieristisch, spielt mit der Ironie.

„Das ist meine Sprache“, sagt Paprotta und grinst. „So schreibe ich auch meine Schriftsätze.“ Die Sprache sei aber auch das Ergebnis einer radikalen Verdichtung, der er sein Werk nach einem Gespräch mit einem Regisseur unterzogen habe. Der Erfolg gibt ihm recht: Mit Goldmann hat einer der größten deutschen Taschenbuchverlage seinen Erstling herausgebracht.

Der Justizpalast in Nürnberg ist einer der Arbeitsplätze von Geedo Paprotta und seinem Romanhelden Paul Colossa. Foto: Daniel Karmann
Der Justizpalast in Nürnberg ist einer der Arbeitsplätze von Geedo Paprotta und seinem Romanhelden Paul Colossa. Foto: Daniel Karmann

Mit den Kriminalromanen ging ein Traum des Familienvaters in Erfüllung. Der Anwalt, der als Teenie Schauspieler werden wollte, hat zwanzig Jahre lang immer wieder angesetzt, ein Buch zu schreiben. Bis eine kluge Person ihm geraten habe, er solle doch ein Buch über etwas schreiben, das er gut kenne. Und was kennt ein Anwalt gut? Kriminelle, Richter, verworrene Schicksale, Blutbäder und Rachegelüste, Stalker und Opfer – und natürlich Rechtsanwälte. Daraus hat der Neumarkter seinen ersten Roman gewoben.

Justiz in der Besenkammer

Insofern steckt zwischen den Klappentexten ein Stückchen Geedo Paprotta. Dann, wenn er kurzzeitig die Perspektive wechselt und sich als Erzähler einmischt oder wenn der Leser den Kopf schüttelt ob der skurrilen Verhöre in einem Prozess, angesichts einer Evakuierung des Justizpalastes oder einer „Besenkammer Justiz“. Nichts ist so ungewöhnlich wie der Alltag selbst, sagt dazu der Autor, der für die überraschenden Details in eine Kuriositätensammlung greift, die er sich in den vergangenen zwanzig Jahren angelegt hat. Alles wahr, deutet er nur schmunzelnd an. Der Rest fällt unter die Schweigepflicht.

„Die Jagd kann man als eine Blaupause für unser ganzes Leben nehmen.“

Geedo Paprotta

Doch wer glaubt, Paul Colossa sei sein Alter Ego, der irrt. Sein Held, der sich aus Liebe zu einer Mandantin kurzerhand selbst auf Verbrecherjagd begibt, entstand quasi aus dem Destillat der Juristen, denen der Neumarkter auf den Fluren der Gerichte begegnet. Genauso wie sich kein Mandant in „Jagdtrieb“ wiederfinden wird. Aber Stalking, das in unterschiedlichen Nuancen den Krimi beherrscht, ist dem oberpfälzer Juristen nur zu vertraut, arbeitet er doch überwiegend als Opferanwalt.

Das Buch

  • Titel:

    Der 496 Seiten umfassende Kriminalroman „Jagdtrieb“ ist als Taschenbuch im Goldmann Verlag erschienen. Das Werk kostet 10 Euro (ISBN ISBN: 978-3-442-48816-2).

  • Inhalt:

    Hauptfigur ist der Jurist Paul Colossa, der von seinem Onkel eine Anwaltskanzlei erbt und in der oberpfälzer Provinz einen Fall von Stalking auf den Tisch bekommt.

  • Autor:

    Geedo Paprotta schreibt unter dem Pseudonym Hendrik Esch und arbeitet als Rechtsanwalt in Neumarkt. „Jagdtrieb“ ist sein erster Roman, in dem er Erlebnisse aus seinem Juristenalltag verarbeitet hat.

  • Reihe:

    Der zweite Band „Giftrausch“ ist bereits abgeschlossen und liegt beim Lektor. Er wird im Frühjahr 2020 erscheinen.

  • Lesung:

    Geedo Paprotta alias Hendrik Esch liest aus seinem Buch „Jagdtrieb“ am Donnerstag, 19. September, ab 19 Uhr im Amtsgericht Neumarkt, Saal 100. Karten zu 5 Euro gibt es im Kulturamt der Stadt Neumarkt. Die Eintrittsgelder spendet der Autor komplett an die Lebenshilfe Neumarkt.

Obwohl fast jede dritte Frau einmal in ihrem Leben Opfer eines Stalkers wird, spiele das Thema in der Öffentlichkeit kaum eine Rolle, sagt der Jurist. Und doch seien die Betroffenen schwer traumatisiert. Er kennt alle Spielarten von Stalking, von scheinbar harmlosen WhatsApp-Nachrichten, die ungebeten zu jeder Tages- und Nachtzeit verschickt werden bis zum krankhaften Eindringen in die Privatsphäre eines anderen Menschen.

Stalking in allen Facetten

Der Titel des Kriminalromans bezieht sich deshalb nicht nur auf den manchmal eher tapsigen Helden Paul, der den Täter jagt. Mehrere Figuren stellen anderen auf die eine oder andere Art nach. „Der Jagdtrieb ist ein Urtrieb des Menschen“, sagt Geedo Paprotta, das erlebt er regelmäßig vor Gericht.

Und er kennt den Frust seines Protagonisten, wenn das Gesetz dem Mann unter der Robe Grenzen setzt. „Ich tue mich wahnsinnig hart damit, einen Prozess zu verlieren.“ Ziel müsse immer sein, einen fairen Prozess für den eigenen Mandanten zu erreichen. Die Frage nach Schuld oder Unschuld müsse sich der Richter stellen. Man kann das weiße Blatt ganz individuell befüllen – „aber man darf nicht darüber hinaus schreiben. Sonst gibt es Ärger“.

Lesung im Neumarkter Gerichtssaal

Am Donnerstag, 19. September, liest Geedo Paprotta aus seinem Krimi im Neumarkter Amtsgericht. Er hat schon einige Male sein Buch vorgestellt - doch besonders liebt er ungewöhnliche Ort. Im Rahmen des Münchner Krimifestivals beispielsweise hatte er in der Sammelzelle des Polizeipräsidiums gelesen.

Das riesige Deutsche Museum in München mit seinen zahlreichen technischen Ausstellungsstücken ist Schauplatz von Paprottas drittem Krimi. Foto: Frank Leonhardt dpa
Das riesige Deutsche Museum in München mit seinen zahlreichen technischen Ausstellungsstücken ist Schauplatz von Paprottas drittem Krimi. Foto: Frank Leonhardt dpa

Mit dem Erfolg seines Erstlings ist der Neumarkter zufrieden. „Für ein Debut ist er sehr gut angekommen.“ Buchkritiker hätten ihm oft vier bis fünf Sterne vergeben – oder ihn total verrissen. „Aber langweilig fand ihn keiner.“

Den zweiten Band mit dem Titel „Giftrausch“ hat der Autor abgeschlossen. Darin geht es um interne Ermittlungen in einem Internat und Drogenkonsum generell.

Während dieser inzwischen beim Lektor liegt, recherchiert Paprotta schon für seinen dritten Band. Der Titel steht noch nicht fest, aber Paprotta verrät schon mal vorab, dass es um einen Amoklauf im Umfeld des Deutschen Museums in München spielt. Es geht wieder um ein Verbrechen, um skurrile Situationen und um Gefühle.

Weitere Nachrichten aus Neumarkt lesen Sie hier.In der MZ schreibt Geedo Paprotta jeden Montag eine Gerichts-Kolumne, die Serienteile finden Sie hier.

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