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Gesellschaft

Neumarkter helfen in Peru

Ex-Polizeichef Lukas engagiert sich seit Jahren für die Projekte von Pater Schmidpeter. Jetzt soll ein Ärztehaus entstehen.
Von Katrin Böhm

Nur fünf Meter breit, dafür 25 Meter lang und fünf Stockwerke hoch: So soll das medizinische Zentrum in Lima aussehen. Der ehemalige Neumarkter Polizeichef Helmut Lukas unterstützt das Projekt. Foto: Böhm
Nur fünf Meter breit, dafür 25 Meter lang und fünf Stockwerke hoch: So soll das medizinische Zentrum in Lima aussehen. Der ehemalige Neumarkter Polizeichef Helmut Lukas unterstützt das Projekt. Foto: Böhm

Neumarkt.Es sind Bilder, die werden den ehemaligen Neumarkter Polizeichef Helmut Lukas bis zu seinem Tod nicht loslassen. Bilder des Elends, Bilder der Not. Bilder von Menschen, die in einer notdürftig zusammengeflickten Hütte leben, Menschen, die seit Tagen nichts Richtiges gegessen haben, Menschen, die als einziges Paar kostbarer Schuhe ein Paar schäbige Plastik-Flip-Flops besitzen. Menschen mit offenen Wunden, die kein Mensch jemals behandelt hat. Gesehen hat er all das in Lima, der peruanischen Hauptstadt, die neun bis zehn Millionen Einwohner hat, so genau weiß das keiner. Ein kleiner Prozentsatz genießt ein gutes Leben, ein noch kleinerer ein Luxus-Leben. Die meisten hausen in Armenvierteln.

Eines davon hat Helmut Lukas mit seiner Tochter Stefanie besucht. Und bei seinem Besuch nicht nur große Not erlebt, sondern auch ein Gemeinschaftsgefühl, eine Verantwortung der Armen für die, die noch ärmer sind. 200 peruanische Sol, gut 50 Euro, wollte Lukas der Frau mit den offenen Wunden an den Füßen geben, damit sie einen Arzt bezahlen kann.

Pater Josef Schmidpeter im Gespräch mit einer kranken Peruanerin Foto: Lukas
Pater Josef Schmidpeter im Gespräch mit einer kranken Peruanerin Foto: Lukas

Sie nahm das Geld, wollte aber damit nicht zu einem Arzt, sondern davon lieber Suppe für die Kinder des Viertels kochen, für ein paar Tage wäre dann zumindest das Essen gesichert. Und es wäre eine Suppe, die nicht nur aus den geschenkten Fleischabfällen aus der Metzgerei, in der sie putzt, besteht. Helmut Lukas traf und rührte diese Einstellung gleichermaßen. Und bestätigte ihn darin, wie wichtig es ist, an den richtigen Stellen zu helfen.

Das tut er seit Jahren gemeinsam mit dem Neumarkter Comboni-Missionar Pater Josef Schmidpeter, der in Peru vor Ort ist. Es wurde ein Waisenhaus in Puno gebaut und ein medizinisches Zentrum in Arequipa. Neuestes Projekt: Im Armengebiet El Agustino in Lima soll endlich ein kleines Krankenhaus gebaut werden, in dem die Ärmsten behandelt werden können.

Tag für Tag kommen 2500 Leute

Dass das bitter nötig ist, hat Helmut Lukas am Beispiel Arequipa selbst gesehen. Seit das medizinische Zentrum dort fertig ist, kommen jeden Tag von früh bis spät Menschen, teilweise von weit her. 2500 pro Tag. Die Ärzte, Schwestern und Pfleger arbeiten bis 23 Uhr und wenn das Zentrum schließt, schlafen die Leute draußen auf dem Gehweg, um am nächsten Morgen um 6 Uhr vorne in der Reihe zu stehen. Die Behandlung kostet umgerechnet 1,20 Euro, wer sich das nicht leisten kann, wird kostenlos verarztet.

Das leisten die Comboni-Missionare mit Hilfe der Neumarkter in Peru:

Neumarkter helfen in Peru

Helmut Lukas rechnet damit, dass das in Lima nicht anders sein wird, dass die Menschen dort den Ärzten und Schwestern genauso die Bude einrennen werden. Bis es so weit ist, wird es allerdings noch etwas dauern. Ein altes Gebäude in Lima wurde bereits gekauft, es ist sehr schmal – und so wird auch das neue Ärztehaus gerade einmal fünf Meter breit, dafür 25 Meter lang werden. Fünf Stockwerke sind geplant, aus finanziellen Gründen werden aber erst einmal drei ausreichen müssen.

„Die haben sich geweigert, Schmiergelder zu zahlen, darum hat die Genehmigung so lange gedauert.“

Helmut Lukas

Eigentlich, so erzählt Lukas, sollte das Krankenhaus schon längst bezogen sein, doch der Termin schob und schob sich nach hinten. „Die haben sich geweigert, Schmiergelder zu zahlen, darum hat die Genehmigung so lange gedauert“, sagt Lukas. Mehr als ein halbes Jahr habe man auf den Bescheid gewartet und auch die Ortskirche habe sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. „Die sehen in uns eine Riesenkonkurrenz“, sagt Lukas. „Obwohl die selbst kaum was machen.“ Geld oder Hilfe sei von dieser Seite nicht zu erwarten.

Die Comboni-Missionare unterhalten im peruanischen Puno ein Waisenhaus, das die Neumarkter ebenfalls schon tatkräftig unterstützt haben.Foto: Lukas
Die Comboni-Missionare unterhalten im peruanischen Puno ein Waisenhaus, das die Neumarkter ebenfalls schon tatkräftig unterstützt haben.Foto: Lukas

Auch in Arequipa habe die Ortskirche den Bau des medizinischen Zentrums nicht unterstützt, sondern wollte erst im Nachhinein einen Teilbetrag zahlen, „um mitbestimmen zu können“. Für Pater Schmidpeter alles in allem „ungeheure Schwierigkeiten, die er mit seinen 82 Jahren auf sich nehmen muss“.

Vier Mädchen studieren

Für ihn umso bewundernswerter, dass er sich nach wie vor mit vollem Engagement für die Hilfsprojekte einsetzt. Dazu zählt auch ein kleiner Laden, der im Waisenhaus in Puno eingerichtet wurde, um die Mädchen dort – es werden nur Mädchen aufgenommen – auf ein eigenständiges Leben vorzubereiten. Mit Einkaufen und Geld haben sie dort sonst nie etwas zu tun, sagt Lukas. Also wurde ein kleines Zimmer zum Laden umfunktioniert, in dem Rosenkränze, kleine kirchliche Bilder und Schokoriegel verkauft werden. Die Kinder helfen beim Verkauf mit, „damit sie später in die Selbstständigkeit entlassen werden können“.

Hilfe für Peru

  • Spenden:

    Raiffeisenbank Neumarkt, IBAN DE53 7606 9553 0103 3042 48, Sparkasse Neumarkt, IBAN DE48 7605 2080 0008 3367 37. Kontoinhaber: „Waisenhaus Puno/Medizinisches Zentrum“. Spendenquittungen werden ab 200 Euro ausgestellt – dazu die vollständige Adresse angeben.

  • Garantie:

    Der ehemalige Polizeichef garantiert nach eigener Aussage dafür, „dass jeder Euro garantiert Verwendung finden wird“. Er verspricht: Das Geld „verschwindet nicht in dunklen Kanälen oder für Verwaltungsgebühren.“

  • Peru:

    In dem südamerikanischen Land leben 31,2 Millionen Einwohner – die Landflucht treibt immer mehr Menschen in die Städte, allein in der Hauptstadt leben bis zu zehn Millionen. Ein erheblicher Teil vor allem der indigenen Bevölkerung lebt unterhalb oder am Rand der Armutsgrenze.

Besonders wichtig ist Helmut Lukas auch, dass die Mädchen und jungen Frauen im Waisenhaus zur Schule gehen und studieren dürfen, denn traditionell spielt Bildung für Frauen in Peru gerade in armen Familien eine untergeordnete Rolle. Vier Mädchen studieren derzeit, ein großer Erfolg, findet Lukas – denn diese jungen Frauen werden später in der Lage sein, ihr Leben selbst zu meistern.

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