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Erziehung

Neumarkter Kinder toben jetzt im Matsch

Im Oktober hat die neue Einrichtung am Fuße der Burgruine den Betrieb aufgenommen. Die Kinder dort sind fast immer draußen.
Von Nicole Selendt

  • Wasserdichte Matschhosen, Gummistiefel und warme Jacken. Die Kinder vom Naturkindergarten sind so angezogen, dass sie den ganzen Tag draußen verbringen können. Foto: Selendt
  • Heute darf der sechsjährige Daniel die Kinder mit der Glocke im Pavillon zusammenholen. Foto: Selendt

Neumarkt.Neumarkt hat seit Oktober einen neuen Kindergarten. Der Naturkindergarten Wolfstein hat mit nur fünf Kindern seinen Betrieb aufgenommen, mittlerweile sind es zehn Kinder, bis zum Ende des Kindergartenjahres sollen es 17 werden.

Direkt am Fuße der Burgruine Wolfstein verfügt der Kindergarten über einen Innenbereich in einem umgebauten Kuh- und Pferdestall, der Garten hinter dem Gebäude erstreckt sich über viele Quadratmeter hinunter bis zu einem Waldstück. Die MZ war am Montagmorgen zu Besuch in der Einrichtung und hat sich von den Kindern ihren neuen Kindergarten zeigen lassen.

Der Kindergarten liegt direkt neben dem Eingang zur Burgruine Wolfstein. Foto: Selendt
Der Kindergarten liegt direkt neben dem Eingang zur Burgruine Wolfstein. Foto: Selendt

Gemütlich war es nicht gerade. Kalt war’s. Geregnet hat‘s. Und auch ein bisschen gehagelt. Der Boden draußen ist matschig – gesättigt vom vielen Regen in den vergangen Tagen und Wochen. Die Kinder kümmert das aber nicht. Sie buddeln und schaufeln trotzdem weiter im Sandkasten hinter dem ehemaligen Kuhstall.

Dick eingepackt mit Winterjacken, Mützen, Schals, Handschuhen, Gummistiefeln und Matschhosen trotzen sie dem Wetter. Und beschweren sich kein bisschen, als auf einmal kleine Hagelkörner vom Himmel fallen und auf dem Boden noch ein bisschen herumhüpfen, bevor sie endgültig liegen bleiben.

Anmeldezahlen für 2020 noch nicht bekannt

Wie viele Anmeldungen für das kommende Jahr bereits vorliegen, war bei der Stadt Neumarkt noch nicht zu erfahren. Es lägen noch keine konkreten Zahlen vor. Die Betreiber der Einrichtung sind jedenfalls zufrieden damit, wie der Start in den Kindergartenalltag gelaufen ist. Denn bis dahin sei es ein langer Weg gewesen, wie die Einrichtungsleiterin, Geschäftsführerin und Erzieherin Katharina Weber, unserem Medienhaus erzählt.

Die Kinder machen ihre Mittagsbrotzeit im neuen, gemütlich beheizten Gruppenraum. Foto: Selendt
Die Kinder machen ihre Mittagsbrotzeit im neuen, gemütlich beheizten Gruppenraum. Foto: Selendt

Aus einem alten Kuh- und Pferdestall im Besitz ihrer Familie sei ein Kindergarten mit Gruppenraum, Personalraum, Garderobe und Sanitärräumen entstanden. Zu Beginn der Arbeiten seien die alten Futterstellen noch erkennbar gewesen. Wo jetzt die Kinder mit Bobbycars und Tretbulldogs herumdüsen, war vorher ein Misthaufen. Heute erinnert nur noch eine Fotocollage mit Bildern von früher in der Garderobe daran, wie es vor dem Kindergartenalltag einmal aussah. Katharina Weber und ihr Vater Erich Weber, beide Geschäftsführer der „ProBInE gemeinnützige GmbH“, die Träger des Kindergartens ist, haben einen großen Teil der Umbauarbeiten in Eigenleistung erbracht. Bezahlt worden sei das aus eigener Tasche. Der Umbau habe etwas weniger als 100 000 Euro gekostet, wie Erich Weber betont.

Spielzeug und Möbel sind gebraucht oder gespendet

Weil es günstiger ist – und auch, weil es nachhaltig und umweltfreundlich ist, nicht alles neu zu kaufen, sondern wiederzuverwenden – haben die Webers viele Spielsachen und Einrichtungsgegenstände gebraucht gekauft oder selbst gemacht, einiges wurde gespendet. Und das wiederum passe zur pädagogischen Konzeption des Kindergartens, wie Katharina Weber erklärt.

Ressourcen schonen, natürliche Rohstoffe verwenden, Lebensmittel selbst erzeugen, bewusst, achtsam und verantwortungsvoll mit der Natur umgehen. Das alles lernen die Kinder spielerisch – und fast immer draußen.

Der verantwortungsvolle Umgang mit der Natur gehört zur Konzeption des Kindergartens. Foto: Selendt
Der verantwortungsvolle Umgang mit der Natur gehört zur Konzeption des Kindergartens. Foto: Selendt

Sie stecken im Herbst Blumenzwiebeln und können sehen, wie im Frühjahr erste grüne Spitzen von Märzenbechern und Krokussen aus der Erde spitzen. Sie säen Tomatensamen, topfen sie um, pflanzen sie ins Freie und können im Sommer die leckeren Ergebnisse ihrer Mühen ernten – und dann natürlich selbst zubereiten und essen. Sie pflanzen vor dem Maschendrahtzaun neben der Fahrzeuggarage Himbeersträucher und können dann im Sommer – einfach mal schnell zwischendrin – was zum Naschen holen. Und zum Martinsfest im Herbst gibt es Suppe für alle Kinder und Eltern – zubereitet mit Kürbissen aus dem Gemüsegarten.

Geld vor allem für pädagogisches Personal

Damit die vielen Pflanzen im Garten fachmännisch gepflegt werden und die Mühe sich auch lohnt, wird zusätzlich zum pädagogischen Personal – das besteht derzeit aus Katharina Weber selbst, Erzieherin Martina Pfeiffer und Kinderpflegerin Gudrun Luber – noch eine Gärtnerin mit pädagogischer Zusatzausbildung eingestellt.

Überhaupt werde das Geld, das über die Beiträge hereinkommt, hauptsächlich für pädagogisches Personal ausgegeben. Geputzt werde noch selbst, die Energiekosten sollen auf lange Sicht durch nachhaltige Energieträger gesenkt werden. Bald soll zum Beispiel das Wasser durch Sonnenkollektoren auf dem Dach erwärmt werden, derzeit wird mit Holzpellets geheizt.

Zuletzt hat sich auch der Stadtrat mit der finanziellen Ausstattung der Neumarkter Kindergärten beschäftigt:

Politik

Neumarkt will Erzieherinnen unterstützen

Der Stadtrat hat einem CSU-Antrag zugestimmt, der Küchenhilfen oder Bürokräfte für Kitas finanziert.

Eltern mit dem Kindergarten zufrieden

Die Eltern, die ihre Kinder in den Naturkindergarten Wolfstein bringen, sind zufrieden mit der Arbeit der Einrichtung. Anne Link zum Beispiel hat für ihren Sohn Felix lange nach einer passenden Einrichtung gesucht. Nie sei sie ganz zufrieden gewesen, bis sie auf den Kindergarten Wolfstein gestoßen sei. Eine familiäre Atmosphäre in einer kleinen Gruppe, ständige Bewegung draußen an der frischen Luft, Essen im Garten selbst anbauen: Das ist es, was Link sich für ihren Sohn gewünscht hat. Deshalb würde sie auch gerne ihre kleine Tochter in den Naturkindergarten bringen, wenn sie ins Kindergartenalter kommt.

Ein überdachter Pavillon dient der Gruppe als Platz für den Morgenkreis, für gemeinsames Singen und Vorlesen. Foto: Selendt
Ein überdachter Pavillon dient der Gruppe als Platz für den Morgenkreis, für gemeinsames Singen und Vorlesen. Foto: Selendt

Auch Tabita Huber, die Mutter des kleinen Silas, ist zufrieden. „Silas ist am liebsten von früh bis spät draußen. Da ist das hier genau das Richtige“, sagt sie über die Einrichtung, die sie zufällig bei einem Spaziergang zur Burgruine entdeckt hat. Sie selbst sei sehr naturverbunden, die Familie halte daheim Hühner und Schafe und baue selbst Gemüse an.

„Mama, ich will noch nicht heim.“

Silas Huber, neues Kind im Naturkindergarten

„Außerdem ist es toll, dass die Kinder so viel mithelfen dürfen. Denn Silas muss immer was bauen“, sagt sie über ihren Sohn, der erst seit wenigen Tagen den Kindergarten besucht. Dass es Silas sehr gut gefällt, wissen seine Mama und Katharina Weber genau – auch wenn er es beim Besuch der MZ-Reporterin nicht gleich erzählen will. Er sagt es sozusagen indirekt in dem Moment, in dem ihn Tabita Huber in Richtung Ausgang schiebt: „Mama, ich will noch nicht heim.“

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Zahlen und Fakten

  • Lage:

    Der Kindergarten ist in einer Scheune direkt neben dem Zugang zur Burgruine Wolfstein.

  • Kosten:

    Der monatliche Elternbeitrag liegt je nach Buchungszeit zwischen 130 und 182 Euro. Geöffnet ist die Einrichtung zwischen 7.30 und 14 Uhr.

  • Verantwortung:

    Träger ist die „ProBInE gemeinnützige GmbH“ (Projekte für Bildung, Integration und nachhaltige Entwicklung).

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