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Umbau

Neumarkter Kirche startet Großprojekt

Die Christuskirche wird renoviert. Die Planung übernehmen zwei Tirschenreuther – was einem Neumarkter gar nicht gefällt.
Von Bernhard Neumayer

Die Christuskirche wird renoviert. Foto: Neumayer
Die Christuskirche wird renoviert. Foto: Neumayer

Neumarkt.Das große, hölzerne Kreuz mit dem leidenden Christus am Hochalter sticht sofort ins Auge, wenn man an der Kapuzinerstraße das Hauptportal der Christuskirche durchschreitet. Drumherum weiße Wände, an denen zum Teil schon die Farbe abgeht. Dazu schlichte, weiße Lampen und grau gestrichene, unbequeme Holzbänke mit weinrotem Stoffbezug. So kennen die knapp 8000 Gläubigen der evangelischen Kirchengemeinde Neumarkt ihre Christuskirche.

Den Verantwortlichen der Kirche schwebt schon seit Jahren eine Renovierung vor. Doch dann kam das Evangelische Zentrum dazwischen, das der Neumarkter Architekt Johannes Berschneider geplant hatte.

Im November 2016 überreichten Architekt Johannes Berschneider und OB Thomas Thumann Pfarrer Peter Loos den Schlüssel für das Evangelische Zentrum. Foto: Sturm
Im November 2016 überreichten Architekt Johannes Berschneider und OB Thomas Thumann Pfarrer Peter Loos den Schlüssel für das Evangelische Zentrum. Foto: Sturm

Ende 2016 wurden die neuen Gebäude offiziell eröffnet.Jetzt geht die evangelische Kirchengemeinde Neumarkt das nächste Großprojekt an und renoviert das alte Gotteshaus, wie Dekanin Christiane Murner sowie Geschäftsführer und Pfarrer Michael Murner gestern in einem Pressegespräch mitteilten.

Von 1674 bis 1677 war die ehemalige Kapuzinerkirche gebaut worden. Nach der Reformation wurde das sakrale Gebäude in drei Bereiche geteilt, enteignet und verkauft. Erst 1854 erwarb die evangelische Kirche ein Drittel davon. Im Lauf der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts folgte der zweite Bereich. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg gehörte das ganze Gebäude der Kirche. „Die Gestaltung des heutigen Innenraums stammt aus dem Jahr 1938“, sagt Pfarrer Murner.

Keine Einsturzgefahr der Kirche

Kein Wunder, dass es seitdem einige Schwachstellen gibt, beispielsweise am Dachstuhl. Blickt man an die Kirchendecke, entdeckt man vereinzelte Risse im Gewölbe. Verbindungen im Dachstuhl lösen sich. Laut einem statischen Gutachten des vorderen Kirchenteils besteht keine unmittelbare Einsturzgefahr. Trotzdem sieht die Kirchengemeinde Handlungsbedarf. „Wir wollen verhindern, dass sich weitere Verbindungen lösen.“ Neben dem Dachstuhl sollen weitere Stellen erneuert werden.

Was könnte sich in der Christuskirche verändern? Klicken Sie sich durch die Bildergalerie:

Neumarkter Christuskirche wird renoviert

An welchen Stellschrauben die Kirche konkret dreht, steht noch nicht fest. Die Gemeinde ist jetzt in der Planungsphase und hat die Architektenbrüder Christian und Peter Brückner aus Tirschenreuth beauftragt, gemeinsam mit ihnen ein neues Konzept zu entwerfen. Der Neumarkter Architekt Johannes Berschneider, der das Evangelische Zentrum laut Pfarrer Murner „vorzüglich geplant und renoviert“ hatte, ging leer aus. „Wir wollten Architekten, die Erfahrung mit sakralen Räumen haben.“

„Das ist bitter und enttäuschend für mich.“

Der Neumarkter Architekt Johannes Berschneider

Die Gestaltung eines Gotteshauses hat Johannes Berschneider tatsächlich noch nicht übernommen, wie er selbst auf Nachfrage des Tagblatts sagt. „Aber ich hatte auch keine Erfahrung mit Museen“, schiebt er nach. Dennoch war er mit seinem Büro 2004 für den Neubau des Museums Lothar Fischer verantwortlich. Berschneider gesteht, dass das Brüderpaar Brückner im sakralen Bereich die besten Architekten sind.

Trotzdem sei er davon ausgegangen, dass er nach dem Evangelischen Zentrum auch die Christuskirche renovieren darf. „Ich war damals so leidenschaftlich und voller Herzblut dabei“, sagt Berschneider. Er hätte sich gefreut, wenn er mit der Kirche auch den letzten Baustein hätte setzen können. Doch das bleibt ihm verwehrt. „Das ist bitter und enttäuschend für mich.“ Doch er habe es akzeptiert und streite nicht mit der Kirche. Mit dem Brüderpaar Brückner sei er sogar befreundet.

2019 soll der Bau starten

Dekanin Christiane Murner freut sich auf das neu gestaltete Gotteshaus. Foto: Neumayer
Dekanin Christiane Murner freut sich auf das neu gestaltete Gotteshaus. Foto: Neumayer

Die Mitarbeiter des Tirschenreuther Architekturbüros werden nun in Workshops mit der Kirchengemeinde Ideen für das neue Gotteshaus entwickeln. Bereits im Januar äußerten Gläubige ihre Wünsche. Dekanin Christiane Murner plant eine weitere Versammlung. Bis Jahresende soll der Entwurf stehen, 2019 soll renoviert werden. „Ich rechne, dass die Baumaßnahmen etwa ein Jahr dauern werden“, sagt Pfarrer Murner. Es ist noch unklar, wann das Projekt abgeschlossen ist und wie viel es kostet. „Doch bei 2,5 Millionen Euro rollte der landeskirchliche Architekt Nils Kugelstadt seine Augen“, sagt Michael Murner, der auch die Stadt um eine finanzielle Unterstützung bitten will.

Was konkret in der Kirche verändert wird, ist noch in der Schwebe. Ideen haben Christiane und Michael Murner genügend: einen barrierefreien Eingang, bequemere Sitzbänke, eine lautere Sprechanlage, dimmbares Licht, eine bessere Heizung und eine Toilette außerhalb der Kirche. Außerdem soll die Kanzel erneuert werden, damit der Prediger besser mit den Gläubigen kommunizieren kann.

Pfarrer und Geschäftsführer Michael Murner hat einige Ideen. Foto: Neumayer
Pfarrer und Geschäftsführer Michael Murner hat einige Ideen. Foto: Neumayer

Eine Veränderung könnte auch das große, hölzerne Kruzifix betreffen. Die Murners überlegen, die Mauer hinter dem Hochaltar zu durchbrechen. Dadurch soll die Kirche vergrößert werden. Kirchenmusiker hätten beispielsweise mehr Platz bei Konzerten. Was dann mit dem leidenden Christus passiert, ist noch unklar.

In einem exklusiven Interview mit dem Architekten Christian Brückner erfahren Sie, was ihn so an Sakralbauten fasziniert und wie die Gläubigen der evangelischen Gemeinde in die Renovierung einbezogen werden.

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