MyMz
Anzeige

Passionsspiele

Neumarkter Männer unterm Schminkstift

Die Neumarkter Passionsspiele machen es möglich: Frauen schminken Männer. Das geht manchmal nur unter Murren ab.
von Wolfgang Endlein

Vor allem der Kajal-Stift lässt so manches Männerauge in der Maske der Neumarkter Passionsspiele zucken. Foto: Endlein
Vor allem der Kajal-Stift lässt so manches Männerauge in der Maske der Neumarkter Passionsspiele zucken. Foto: Endlein

Neumarkt.Es ist der quasi vorweggenommene Leidensweg Christi. Jedenfalls könnte man das annehmen, wenn man Jesus so mit ausgestreckten Armen sieht. Nur dass er nicht am Kreuz hängt, sondern auf einem Stuhl steht. Zu seinen Füßen wetzt Sylvia Plank umher, um den Körper mit einer bräunlichen Masse einzuschmieren. Wie gesagt, es sieht nach Leiden aus. Die meisten Männer haben es nicht so mit Schminke, selbst wenn sie für kurze Zeit Gottes Sohn spielen dürfen wie Thomas Fries.

Der Jesus-Darsteller der Neumarkter Passionsspiele nimmt es aber routiniert hin. In vielen Jahren als Laienschauspieler unter anderem bei der Theatergruppe der Kolpingsfamilie hat er sich an die Unumgänglichkeit des Schminkens vor einem Auftritt gewöhnen können. „Es soll ja nicht käsig ausschauen“, sagt Fries, der den Jesus zum zweiten Mal spielt.

Wenn Soldatenaugen zucken

Dafür, dass es nicht „käsig“ aussieht, zeichnen bei den Passionsspielen 18 Damen verantwortlich. An deren Spitze steht Sylvia Plank, die gerade den Jesus in einem Nebenraum der Jurahallen für den Auftritt mit Make-up präpariert. „Man muss schon auf zack sein“, fasst die gelernte Friseurin die Herausforderung für die ehrenamtlichen Schmink-Kräfte knapp zusammen.

Auf engen Raum werden die vielen Darsteller der Passionsspiele von einem Team von Ehrenamtlichen geschminkt. Foto: Endlein
Auf engen Raum werden die vielen Darsteller der Passionsspiele von einem Team von Ehrenamtlichen geschminkt. Foto: Endlein

Die werkeln im Zimmer nebenan auf engsten Raum an acht Schminkplätzen. Dort nimmt binnen Stunden ein Großteil der rund 400 Beteiligten an den Passionsspielen vor der breiten Spiegelfront Platz, um geschminkt zu werden. Unter der Leitung von Sylvia Plank sind zwölf Frauen für die Hauptdarsteller zuständig, fünf Damen schminken das Volk, eine Kollegin kümmert sich um den Chor. „Einige schminken sich aber auch selbst“, sagt Plank. Genügend Arbeit bleibt trotzdem – vor allem mit den Männern.

Die MZ hat den Passionsspielen bereits einige Artikel gewidmet:

  • Wie die Bärte in der Passionsspielzeit wuchern, zeigt dieser Artikel.
  • Auch mit den Kostümbildnern hat die MZ gesprochen.
  • Wer die Bösewichter der Passionsspiele sind und sie das auch wirklich sind, erklärt dieser Artikel.
  • Alle Teile der MZ-Serie zu den Passionsspielen finden Sie hier.

Nicht alle der vielen männlichen Darsteller der Passionsspiele gehen nämlich so routiniert mit dem „Angemale“ um, wie die Frauen des Masken-Teams nur zu gut wissen. Die Nachfrage, ob das wirklich sein müsse, habe sie schon öfter gehört, sagt Plank. Insbesondere wenn der Kajal-Stift naht, um die Augenpartien zu betonen, zuckt so manches ungewohnte Männerauge. Selbst bei tapferen römischen Soldaten.

Tradition

Passionsspiele – das sollten Sie wissen

Premiere für die Aufführungen in Neumarkt ist am 9. März. Für die Besucher gibt es kostenlose Parkplätze am Volksfestplatz.

„Ich mag es überhaupt nicht. Das klebt so“, sagt beispielsweise Fritz Iberl über die Theater-Schminke, um die niemand herumkommt. „Das ist schon ein hartnäckiges Zeug“, sagt Thomas Fries. „Die Badewanne schaut danach ziemlich aus“, berichtet der Jesus-Darsteller, der einfach „auf eine gscheide Seife“ in Kombination mit „ordentlich ruppeln“ setzt. Andere Darsteller gehen mit Baby-Öl, Abschminktüchern und anderen Mittelchen gegen die Schminke vor.

Eindrücke von den Neumarkter Passionsspielen

Zu Fritz Iberls Glück tragen die Hohen Priester lange Gewänder, so dass bei ihm nur das Gesicht geschminkt werden muss. Ansonsten kommt die spezielle Theaterschminke, die wasserfest ist, auf alle sichtbaren Hautpartien, wie Sylvia Plank erklärt.

Notwendig macht das auch die neue Lichttechnik auf der Bühne. Schließlich findet das Geschehen unter der Sonne Palästinas statt. Bleiche Haut würde da nicht passen. Ebenso wenig schön anzuschauen wäre vor Schweiß glänzende Haut. Die Haut wird daher abgedeckt, die Augenbrauen mit einem Stift nachgemalt und die Augen-Partien mit Kajal-Stift betont. Fertig ist das Make-up bei den meisten Darstellern.

Regisseur macht konkrete Vorgaben

Je nachdem, wie viel Haut beim jeweiligen Kostüm zu sehen ist, kann das fünf bis zehn Minuten in Anspruch nehmen. Bei manchen Figuren ist das Make-up aber aufwendiger. Neben Jesus sind das vor allem die Tänzerinnen des Herodes, die schließlich etwas hermachen sollen bei ihrem Auftritt neben dem prunksüchtigen Herrscher.

Die Leiterin des Masken-Teams, Sylvia Plank, hat einiges an Schmink-Material bestellt. Foto: Endlein
Die Leiterin des Masken-Teams, Sylvia Plank, hat einiges an Schmink-Material bestellt. Foto: Endlein

Wie, welche Figur geschminkt wird, ist dabei nicht der Spontanität der jeweiligen Schminkerin überlassen, sondern mit Regisseur Michael Ritz abgesprochen. „Er hat konkrete Vorstellungen“, sagt Sylvia Plank, die beispielsweise Judas mithilfe von dunklen Falten böser schminken muss.

Bei Jesus alias Thomas Fries greift Sylvia Plank ebenfalls zu dunkler Farbe, denn im wahren Leben ist der Darsteller etwas ergraut, was Jesus auf der Bühne natürlich nicht sein soll. Auch sonst macht die Figur Jesus viel Arbeit, schließlich muss vor der Kreuzigung auch das nötige Blut angebracht werden. Dafür gibt es eigens Theater-Blut, für dessen Einsatz sich Ritz und Plank genau überlegt haben, wie es am Körper verlaufen soll. Bei den Passionsspielen kommt es auf die Details an.

Passionsspiele sind nicht stressfrei

Bei aller Detailliebe muss aber zugleich alles zügig vorangehen. Weshalb das Kommen und Gehen in der Maske scheinbar unablässig ist. Die gute Laune geht den Frauen bei all der Anspannung und Akkordarbeit aber nicht verloren. „Es ist wie eine große Familie“, sagt Georgina Pal über die Passionsspiele-Gemeinschaft allgemein und das Masken-Team im Besonderen.

Die junge Frau hatte sich beim Casting gemeldet, weil sie ursprünglich auf der Bühne hatte mitspielen wollen, bevor sie für das Schmink-Team rekrutiert wurde. Sie ist ein Frischling im Schmink-Team, zu dem aber auch einige alte Häsinnen gehören.

Bei Thomas Fries alias Jesus muss der leicht ergraute Bart geschwärzt werden. Foto: Endlein
Bei Thomas Fries alias Jesus muss der leicht ergraute Bart geschwärzt werden. Foto: Endlein

Ob Jung oder Alt, für alle gilt aber, was Sylvia Plank über die intensive Zeit der Passionsspiele sagt: Wenn die Passionsspiele vorbei seien, sei man anfangs auch etwas froh. Schließlich sei das alles nicht stressfrei. Dann stelle sich aber so etwas wie eine Lücke im Alltag ein. Die Routine und vor allem der Spaß in der Gemeinschaft fehle einem.

Dazu gehört auch die Freude am gemeinsam Erreichten und das Lob für die getane Arbeit. Für die Schminkerinnen kann es kein Größeres geben, als wenn einer der Männer sagt: „Ich genieße das Schminken. Da komme ich zur Ruhe“. Auch die gibt es: Männer, die sich gerne schminken lassen.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht