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Justiz

Landwirt missbrauchte weitere Kinder

Der Mann aus dem Landkreis Neumarkt wurde schon 2018 verurteilt – danach kamen weitere Taten ans Licht. Er erhält Bewährung.
Von Katrin Böhm

Das beliebte Traktorfahren verwendete der angeklagte Landwirt aus dem Landkreis Neumarkt als Druckmittel. Foto: Schulze/dpa
Das beliebte Traktorfahren verwendete der angeklagte Landwirt aus dem Landkreis Neumarkt als Druckmittel. Foto: Schulze/dpa

Neumarkt.Der Fall eines Landwirts, der bereits im Juni 2018 wegen sexuellen Kindesmissbrauchs verurteilt worden war, zieht weitere Kreise: Nach der Verhandlung und der medialen Berichterstattung meldeten sich weitere Betroffene – am Mittwoch stand der 31-Jährige erneut vor dem Neumarkter Amtsgericht.

Der Prozess fand im Gegensatz zur Verhandlung im Juni 2018 zu großen Teilen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, nur zur Verlesung der Anklageschrift und der Verkündung des Urteils waren Zuhörer gestattet. Das Gericht begründete den Schritt mit den „schutzwürdigen Interessen“ sowohl des Angeklagten als auch der Kinder, gefordert hatten zumindest einen teilweisen Ausschluss sowohl der Pflichtverteidiger des Angeklagten, Dr. Markus Meier, als auch der Vertreter der Nebenkläger, Geedo Paprotta. Der Angeklagte kam erneut mit einer Bewährungsstrafe davon.

Buben perfide unter Druck gesetzt

Bei der Verhandlung im Juni 2018 hatte sich der Landwirt reuig gezeigt und davon gesprochen, dass ihm alles „unendlich leid“ tue: Damals war er unter anderem deswegen verurteilt worden, weil er zwischen August 2016 und September 2017 einen kleinen Jungen sexuell missbraucht hatte – er hatte den zehnjährigen Traktor-Fan auf seinem Schlepper mitgenommen und ihm dabei in die Unterhose gefasst. Dass er weitere Taten dieser Art begangen hatte, darüber sagte er damals kein Wort – allerdings müssen Angeklagte sich auch nicht selbst belasten.

Ein Landwirt stand am Mittwoch erneut wegen Kindesmissbrauchs vor Gericht. Symbolfoto: Frank Rumpenhorst/dpa
Ein Landwirt stand am Mittwoch erneut wegen Kindesmissbrauchs vor Gericht. Symbolfoto: Frank Rumpenhorst/dpa

Jedoch fasste er im etwa selben Zeitraum viermal auch einem damals zwölfjährigen Jungen beim Traktorfahren von hinten in die Unterhose und hielt dessen Penis für längere Zeit fest. In zwei weiteren Fällen kitzelte er beim Traktorfahren einen Elfjährigen auf sexuell bestimmte Weise. Er hörte in allen Fällen auch nicht sofort damit auf, als die Kinder ihn dazu aufforderten.

Und: Beiden Jungen redete er ein, sie dürften zu Hause auf keinen Fall etwas erzählen – andernfalls dürften sie nicht mehr mit ihm Traktorfahren. Die selbe perfide Masche hatte der Landwirt auch bei dem zehnjährigen Jungen angewandt – und damit alle drei Jungen in ein psychisches Dilemma gestürzt.

„Alle drei Jungen waren große Schlepper-Fans. Und das haben Sie ausgenutzt – und zwar schamlos.“

Richter Marcel Dumke

Denn: Die drei Jungen waren nicht die einzigen, mit denen der im Ort bis zum Bekanntwerden der Straftaten beliebte Landwirt, dem die Eltern ihre Kinder anvertrauten, Traktor fuhr. Doch der Angeklagte suchte sich aus der ganzen Reihe der Jungen genau die aus, bei denen er am ehesten vermutete, dass sie ihren Eltern nichts erzählen würden, sagte Richter Marcel Dumke. „Alle drei Jungen waren große Schlepper-Fans. Und das haben Sie ausgenutzt – und zwar schamlos.“

Fakt ist auch: Alle Kinder leiden immer noch stark unter den Vorfällen, die Taten „haben Spuren in der Psyche der sehr jungen Kinder hinterlassen“, sagte Dumke. Dennoch handle es sich um Straftaten am unteren Rand der Eingriffsintensität. Der Strafrahmen für sexuellen Missbrauch liegt zwischen sechs Monaten und zehn Jahren Haft, für sexuelle Belästigung zwischen einer Geldstrafe und zwei Jahren Haft.

Richter räumt günstige Sozialprognose ein

Richter Dumke räumte dem Angeklagten eine positive Sozialprognose ein, er habe ein festes Arbeitsverhältnis auf dem Hof des Vaters und auch die Eltern und Geschwister stünden noch hinter ihm – da sich deren Meinung auch ändern könne, würde sich der 31-Jährige wohl zweimal überlegen, wie er sich künftig verhalte. Von der Ehefrau des verheirateten Angeklagten war in der Verhandlung am Donnerstag öffentlich nicht die Rede, im Juni 2018 war die Ehe jedoch erschüttert.

Sexuelle Straftaten an Kindern

  • Sexueller Missbrauch:

    Für sexuelle Handlungen an oder mit Kindern unter 14 Jahren sieht der Gesetzgeber laut Paragraf 176 Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren vor. Haftstrafen bis zu zwei Jahren können zur Bewährung ausgesetzt werden.

  • Hilfe für Täter:

    Neigungen dieser Art müssen therapiert werden. Hilfe gibt es etwa in der Psychotherapeutischen Fachambulanz für Sexualstraftäter der Stadtmission Nürnberg, Telefon (0911) 37 65 36 70.

Außerdem habe der Angeklagte schon zu Beginn des Verfahrens gestanden und Reue und Schuldeinsicht gezeigt, so Dumke – wer das mache, sei bereit, Verantwortung zu übernehmen. Außerdem hat der 31-Jährige mittlerweile eine Therapie begonnen – eine Auflage aus dem ersten Urteil, allerdings später als ursprünglich geplant, weil die Wartezeiten so lange sind.

1500 bis 3000 Euro für die Opfer

Das Urteil vom Juni 2018 floss in das Urteil am Mittwoch mit ein – Dumke verurteilte den 31-Jährigen zu einer zweijährigen Haftstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre zu Bewährung. Außerdem muss er den Opfern zwischen 1500 und 3000 Euro zahlen. Das reiche sicher nicht aus, um das Erlittene auszugleichen, jedoch wolle man Eltern und Kindern eine weitere Verhandlung vor dem Zivilgericht ersparen, sagte Dumke.

Eine Bewährungsstrafe hatte auch Anwalt Meier gefordert, die Staatsanwältin hingegen hatte für zwei Jahre und fünf Monate Haft plädiert, auch Anwalt Paprotta forderte Haft ohne Bewährung. Richter Dumke warnte den 31-Jährigen in Bezug auf dessen Salami-Taktik vor: „Ich hoffe, Sie haben jetzt reinen Tisch gemacht.“ Sollte nochmals etwas nachkommen, springe keine Bewährungsstrafe mehr heraus.

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