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Bogenschiessen

Neumarkter schießen um den DM-Titel

Die Oberpfälzer sind am Samstag zwar Außenseiter, wollen aber überraschen. Wir stellen das Team von Coach Roland Wexler vor.
Von Thorsten Drenkard

Oliver Obst (l.) und Alexander Nißlbeck zählen zu den Neumarkter Top-Schützen. Archivfoto: Andrea Lerzer
Oliver Obst (l.) und Alexander Nißlbeck zählen zu den Neumarkter Top-Schützen. Archivfoto: Andrea Lerzer

Oliver Obst, der Nationalkader-Schütze und fleißige Student:

Beim Training mit seinen Kollegen in Neumarkt ist Oliver Obst kaum anzutreffen, studiert er doch in Kassel fleißig Maschinenbau.

Wenn er bei den Ligaturnieren allerdings mit den Kollegen zu den Pfeilen greift, zeigt Obst (Jahrgang 1993) fast immer Top-Leistungen und ist auch deshalb „eigentlich unser erster Mann“, wie Trainer Roland Wexler sagt.

Oliver Obst Foto: Martin Lorek
Oliver Obst Foto: Martin Lorek

Seinem Schützling attestiert der Coach eine „unheimlich gute Technik, sehr ausgereift“. Nicht zuletzt deshalb zählt Oliver Obst, der seit sechs Jahren auch mit dem Feldbogen ganz genau zielt, längst in dieser Disziplin zum deutschen Nationalkader, mit dem er bereits an Welt- und Europameisterschaften teilnahm.

Hier lesen Sie in MZ-Interview mit Oliver Obst vor dessen WM-Start in Dublin 2016.

In den ersten drei Wettkämpfen der laufenden Bundesliga-Saison schoss Obst ganz hervorragend und war ein verlässlicher Schütze für das Neumarkter Team, nur beim letzten Schießen in Welzheim verließen ihn phasenweise die Nerven. Am Samstag erwartet der Trainer wieder einen fokussierten und treffsicheren Oliver Obst. „Das hat er auf jeden Fall drauf“, so Wexler zuversichtlich.

Fabian Obst: Der Wechselhafte in seinen Leistungen

Der jüngere Bruder von Oliver Obst (Jahrgang 1997) hat in der Halle schon bewiesen, dass er ausgesprochen starke 285 von 300 Ringen schießen kann

Allerdings offenbarte Fabian Obst in dieser Saison auch immer wieder Schwächen in der Schießtechnik, weshalb er so manches Mal unter seinem Leistungsniveau blieb.

Fabian Obst Foto: Martin Lorek
Fabian Obst Foto: Martin Lorek

„Der Fabian kann saustark schießen, er kann aber auch einen ganz schlechten Tag erwischen“, weiß deshalb auch Coach Wexler, der seinen Schützling momentan nicht vor Selbstvertrauen strotzen sieht. Wie auch, da er doch zuletzt beim Wettkampf in Welzheim gar ausgewechselt werden musste, weil die Leistung schlichtweg nicht stimmte.

So qualifizierten sich die Neumarkter für das Bundesligafinale.

Trainer Wexler will Fabian Obst über das Abschlusstraining mental wieder in die Spur für den Finalwettkampf am Samstag bringen. Denn eines ist klar, um als Team eine Top-Ergebnis erzielen zu können, braucht es ein starkes Quartett. „Ich hoffe deshalb, dass ich vier gleichwertige Schützen am Samstag habe“, so Wexler.

Alexander Nißlbeck: Der Konstante mit dem großen Ehrgeiz

Auf Alexander Nißlbeck ist bei den Neumarkter Bundesliga-Schützen immer Verlass. „Er ist der stabilste Schütze in unserer Mannschaft“, adelt Coach Wexler das konstant hohe Schuss-Niveau des Bayernkader-Schützen.

Andreas Nißlbeck Foto: Martin Lorek
Andreas Nißlbeck Foto: Martin Lorek

Der Auszubildende war in dieser Saison bei allen Wettkämpfen dabei, schoss in sämtlichen Matches. Wexler: „Von ihm erwarte ich mir am Samstag eigentlich am meisten.“ Wie wohl Nißlbeck (Jahrgang 1999) auch selbst, denn der so zuverlässige wie zielgenaue Bogenschütze ist sehr ehrgeizig und nur selten zufrieden mit der eigenen Leistung.

„Er ist sehr selbstkritisch, beleuchtet alles ganz intensiv“, weiß Wexler um die grüblerische Seite seines Schützlings. Das kann helfen, besser zu werden. Es kann aber auch hinderlich sein, wenn man versucht, die beste Leistung abzurufen. „Alexander braucht positive Ansprache. Man muss ihm erklären, wie gut er eigentlich ist, damit er es auch selbst glaubt“, sagt Wexler mit einem Lachen.

Eric Kohler: Das Nesthäkchen ohne Nervenflattern

Der Schüler (Jahrgang 2000) schoss in der vergangenen Saison noch im Regionalliga-Team, qualifizierte sich aber durch starke Leistungen für das Bundesligateam.

Eric Kohler Foto: Martin Lorek
Eric Kohler Foto: Martin Lorek

In seinem Premierenjahr in der ersten Liga wurde das Nesthäkchen der Mannschaft behutsam an die höchste deutsche Spielklasse herangeführt. Beim Wettkampf zuletzt in Welzheim „ist ihm ein richtiger Durchbruch gelungen, dort hat er super geschossen“, lobt Trainer Wexler, der zugibt, von der rasanten Entwicklung Kohlers „am meisten überrascht“ worden zu sein in dieser Saison.

Bei ihm habe er auch keinerlei Bedenken, dass Kohler im Rampenlicht des Finalturniers plötzlich das große Nervenflattern bekommen könnte – im Gegenteil: „Eric ist ein Wettkampf-Typ, dort schießt er immer am besten.“ Zuletzt waren es im Schnitt sehr respektable 9,3 Punkte (Ringe), die Kohler schoss. Am Finaltag darf es gerne so weitergehen.

Norbert Franz: Der Routinier im Krankenstand

Mit seinen 60 Jahren zeigt der nervenstarke Routinier der Bundesliga-Konkurrenz, dass Alter nicht vor Leistung schützt.

Norbert Franz Foto: Martin Lorek
Norbert Franz Foto: Martin Lorek

Allerdings schützt es auch nicht davor, krank zu werden. Franz hat es Anfang der Woche erwischt, ein Einsatz mit dem Bogen ist ihm am Samstag nicht möglich. Dennoch wird der zweimalige Deutsche Meister seine Mannschaftskollegen nach Wiesbaden begleiten – wenn schon nicht als aktiver Schütze, dann zumindest als moralische Stütze.

Roland Wexler: Der Coach ist die gute Seele des Teams

Dass seine Mannschaft sich für das große Bundesliga-Finale in Wiesbaden qualifiziert hat, ist für den langjährigen Coach und die gute Seele der Mannschaft „ein Zuckerl, auf das wir uns riesig freuen“.

Roland Wexler Foto: Martin Lorek
Roland Wexler Foto: Martin Lorek

Wenn sich am Samstag um 6 Uhr der Bus von Neumarkt aus mit der Mannschaft und 35 Vereinsmitgliedern als Unterstützung an Bord in Richtung Wiesbaden aufmacht, ist für den Coach klar, dass „wir als Underdogs dort antreten“. Aber: „An einem guten Tag ist alles möglich.“

Seine Schützlinge könnten jedenfalls ohne jeglichen Druck vor den rund 1000 erwarteten Zuschauern in der Halle zu Pfeil und Bogen greifen. „Wir haben durch diese Teilnahme eigentlich schon gewonnen und haben nichts zu verlieren“, findet Roland Wexler.

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