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Region Neumarkt
Dienstag, 21. August 2018 28° 2

Bildung

Neumarkter Schüler lernen im Gewächshaus

Die Schule an der Weinbergerstraße seit gut fünf Jahren einen Schulgarten. Gelehrt wird Alltagswissen – bewusst ohne Noten.
von Bettina Dennerlohr

  • Gemeinsam zerteilen Janina und Fatima die Minze. Später wird sie verpflanzt. Foto: Dennerlohr
  • Max und Julian sind beim Jäten beschäftigt. Foto: Dennerlohr
  • Für die Gartengeräte wünscht sich Lehrer Robert Peter einen Schuppen. Foto: Dennerlohr

Neumarkt.Stift, Block und Lineal tauschen die Schüler der G7a gerne mal gegen Spaten, Rechen und Gießkanne. Am Dienstagvormittag steht für sie Gärtnern auf dem Stundenplan. Die Klasse wird geteilt und acht bis zehn Schüler marschieren mit Lehrer Robert Peter in eine abgelegene Ecke des Schulhofs. Dort – hinter einem schmalen Durchgang zwischen zwei Gebäuden – verbergen sich ein Gewächshaus, Insektenhotels und Beete. Seit gut fünf Jahren gibt es den Schulgarten der Mittelschule an der Weinbergerstraße – in diesem Schuljahr hat er es zum ersten Mal offiziell in den Stundenplan geschafft.

Bei den Schülern selbst kommt das offenbar gut an: „Können wir das nicht den ganzen Tag über machen?“, fragt Max. „Ich würde dafür auch an einem Samstag in die Schule kommen“, verspricht Jonas, während die beiden Jungen gemeinsam im Hochbeet jäten. Peter steht daneben und lächelt angesichts der Begeisterung seiner Schüler, die er so nicht in jedem Fach erlebt. Doch hier, im Schulgarten, blühen regelmäßig nicht nur die Pflanzen, sondern auch die Schüler auf. „45 Minuten an der frischen Luft, in denen sie nicht still sitzen müssen – das tut selbst den unruhigsten Schülern gut“, sagt Peter.

Hobbygärtner als Lehrer

Seit fünf Jahren unterrichtet er an der Mittelschule in der Weinbergerstraße. Als er seine neue Stelle antrat, hatte er die Idee des Schulgartens dabei – schließlich ist er selbst passionierter Hobbygärtner. „Es ist unglaublich, was Robert Peter auf unserem Gelände aufgebaut hat“, sagt Rektorin Petra Zeitler heute. Sie sei begeistert davon, wie sich der Schulgarten entwickelt habe.

Mehr über den Beruf des Mittelschullehrers lesen Sie hier.

Die Grundlagen für den Schulgarten hat Peter mit seiner vorherigen Klasse aus dem M-Zug gelegt. Gemeinsam hat die Gruppe gepflastert, Rabatten gesetzt und Ordnung geschaffen. Die Hochbeete entstanden im Praxisunterricht, im vergangenen Jahr kamen außerdem Insektenhotels und Vertikalgärten hinzu, bei denen sich die Töpfe übereinanderstapeln. „Auch für mich waren das neue Erfahrungen“, sagt Robert Peter. Sein nächster Wunsch ist ein kleines Gartenhäuschen, in dem die Gruppe ihre Geräte lagern kann.

Pflanzensetzlinge erkennen

Bevor die aber Woche für Woche zum Einsatz kommen, gibt es einen kurzen Theorieteil: Diesmal geht es um die Setzlinge, die eingepflanzt werden sollen. Die Tomatenpflanze erkennen viele, auch die Paprika identifizieren die Schüler problemlos. Als kniffliger erweist sich ein krautiges Gewächs mit behaarten Blättern. Peter verrät schließlich des Rätsels Lösung: Es ist eine Physalis, die bis zu zwei Meter hoch werden kann.

„Es ist wichtig, dass die Kinder einen persönlichen Bezug zu Pflanzen und Gärtnern haben. Denn nur was man kennt, das schützt man auch“, sagt Peter. Seine Argumentation: Wer weiß, dass eine Paprika ein ganzes Jahr lang wachsen muss, schmeißt das Gemüse nicht einfach sorglos in den Müll. „Wissen – Können – Werten“ steht dazu als Motto im Lehrplan. „Mit dem Schulgarten können wir auch die Photosynthese ganz anders erklären – oder das Kartoffeln zum Beispiel eigentlich nur Speicherorgane sind“, sagt Peter.

Julian gräbt den Minzbusch aus. Foto: Dennerlohr
Julian gräbt den Minzbusch aus. Foto: Dennerlohr

In diesem Jahr steht für die Schüler unter anderem ein großer Kartoffelvergleich an. Sie werden deshalb in den nächsten Wochen verschiedene Sorten pflanzen und beobachten. Jeder der Schüler hat sogar eine eigene Kartoffel gepflanzt, der er einen Namen gegeben hat. Überhaupt scheint die Bindung der Schüler an die Natur über Namen zu laufen. Einen großen Busch Minze hat Julian zum Beispiel „Vincent“ getauft, während er ihn mit einem Spaten ausgräbt. Denn Vincent – der sich mächtig gegen seinen Umzug „wehrt“, wird zerteilt und jeweils hälftig in ein Hochbeet und den Vertikalgarten verpflanzt. Behutsam setzen die Schüler dann noch „Rudolf“ zu ihm – einen Regenwurm, den sie beim Unkraut jäten gefunden haben.

Kohlrabi und Karotten werden kräftig im Hochbeet gegossen. Foto: Dennerlohr
Kohlrabi und Karotten werden kräftig im Hochbeet gegossen. Foto: Dennerlohr

Mit ihrem kindlichen Ansatz bekommen die Schüler ihren eigenen Zugang zum Garten, findet Peter. Bei seiner vorherigen Klasse waren Schüler und Eltern sogar bereit, in der Ferienzeit freiwillig zum Gießdienst an die Schule zu fahren. Einige der Eltern seien selbst Hobbygärtner sagt Peter: „Wenn die Eltern das aber nicht machen, bekommen die Kinder es auch nicht mit.“ Dementsprechend sei der Wissensstand seiner Schüler vor dem Gartenprojekt sehr unterschiedlich, sagt er: „Manche kennen sich sehr gut aus. Andere wissen dagegen nicht, was Oregano oder Rosmarin ist und was man damit machen kann.“ So vermittle der Schulgarten Wissen, das die Schüler auch praktisch im Alltag anwenden können, erklärt Peter weiter.

In den Vertikalgärten wachsen Kräuter. Foto: Dennerlohr
In den Vertikalgärten wachsen Kräuter. Foto: Dennerlohr

Theoretisch könnte diese Arbeit der Schüler benotet werden. Ein Lehrer könnte beispielsweise verlangen, dass die Schüler das Wachstum der Pflanzen fotografisch festhalten und die einzelnen Phasen erklären. Auch Referate und Vorträge wären denkbar, erklärt Peter. Er selbst verzichtet aber bewusst auf diesen Weg: „Die Schüler sollen hier ohne Notendruck arbeiten und weiter Spaß haben. Wenn die Pflanzen wachsen, dann ist das ihr Lohn.“

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