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Gesellschaft

Neumarkts Jugend braucht mehr Hilfe

Jugendarbeit ist schwer zu messen, wie sich jetzt herausgestellt hat. Da der Bedarf wächst, geht der Kreis auch neue Wege.
Von Doris Distler und Eva Gaupp

Das Spielmobil, das in den Ferien durch die Gemeinden tourt, ist nur eines von vielen Angeboten des Kreisjugendrings. Foto: Regnet
Das Spielmobil, das in den Ferien durch die Gemeinden tourt, ist nur eines von vielen Angeboten des Kreisjugendrings. Foto: Regnet

Neumarkt.Ein interessantes neues Projekt für Grundschüler haben Ramona Mosandl und Romana Herrler in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses vorgestellt. Ein Pilotprojekt, das an der Grundschule in Parsberg so gute Ergebnisse gezeigt hat, dass es im Landkreis weitergeführt wird.

Die sogenannte Soziale Gruppenarbeit richtet sich an Kinder im Übergang vom Kindergarten in die erste Klasse und ist als Schulstartbegleitung gedacht. Mädchen und Buben, die Probleme in ihrem emotionalen und sozialen Verhalten haben, sich beispielsweise schwer tun, Regeln einzuhalten oder sich zu konzentrieren, können durch diese neue gezielte Förderung ihre Kompetenzen ausbauen.

Acht Kinder hatten seit Februar bis zu den großen Ferien an diesem Pilotprojekt teilgenommen – und die Resonanz sei sehr positiv gewesen, wie die Koordinatorin der Heilpädagogischen Praxis in Parsberg, Ramona Mosandl, feststellt. Da das Kreisjugendamt seit Jahren mit der Regens-Wagner-Stiftung zusammenarbeitet, hatte es den Partner auch für dieses Vorhaben ausgewählt.

Neuer Ort steht noch nicht fest

Das Kompetenztraining umfasst 20 Treffen, einmal pro Woche eine Stunde lang. Eltern- und Lehrergespräche sind ebenso Teil des Konzepts wie besuche in der Klasse. Geleitet wird das Angebot von zwei Mitarbeitern der Heilpädagogischen Praxis von Regens Wagner Holnstein. Aufgrund der guten Erfahrungen werde das Angebot weitergeführt, sagt Mosandl. An welcher Schule und in welchem Ort des Landkreises stehe noch nicht fest, das richte sich nach den Anfragen von Eltern und Erziehern in Kindergärten.

Weitere Themen im Ausschuss

  • Mitglieder

    : Der Jugendhilfeausschuss setzt sich aus Vertretern unterschiedlicher Institutionen zusammen, von Jugendhilfeeinrichtungen bis zu den Bürgermeistern, um gemeinsam für das Wohl von Jugendlichen zu sorgen.

  • Personalie:

    Der Leiter des Kreisjugendamts, Stefan Pruy, geht im November in den Ruhestand. Nach 37 Jahren im Amt sei er der Dienstälteste unter den bayerischen Kollegen, sagte der Landrat. Sein Nachfolger wird Andre Schielein, der Leiter des (ASD) Allgemeinen Sozialdiensts.

  • Haushalt 2019:

    Stefan Pruy berichtete von verschiedenen Förderungen wie der frühen Hilfe in Familien und von der Unterbringung von Müttern und Vätern mit Kindern. Während die Fallzahlen jedes Jahr leicht steigen, verringere sich gleichzeitig die Laufzeit. Wurden 2015 noch durchschnittlich 2,6 Fälle über 24,7 Monate untergebracht, waren es 2017 4,8 Fälle über vier Monate. Die sozialpädagogische Familienhilfe sei etwas zurückgegangen. Im Vergleich mit den Landkreisen Kelheim und Eichstätt sei der Bedarf im Kreis Neumarkt gering.

Und auch bei einem anderen Tagesordnungspunkt ging es um Parsberg, dieses Mal um die Edith-Stein-Realschule. Denn der Jugendhilfeausschuss hatte über eine Stellenmehrung bei der Jugendsozialarbeit an Schulen zu beraten. Konkret geht es um eine Stelle an der Parsberger Realschule und eine Aufstockung von einer auf eineinhalb an den Staatlichen Berufsschulen in Neumarkt. Beide Anfragen unterstützt der Ausschuss, nun folgt ein Antrag beim Sozialministerium auf eine finanzielle Förderung.

Die Leiterin der Edith-Stein-Realschule, Ingrid Meggl, erklärte den Bedarf an professioneller Unterstützung ihrer Lehrkräfte, der durch die Integration Jugendlicher mit Migrationshintergrund stark gestiegen sei. An beiden Einrichtungen nehmen die Beratungsfälle zu, es gebe immer mehr Eltern mit Beeinträchtigungen, Mobbing sei ein weiteres Thema und mancher Inklusionsschüler werde in der Pubertät zunehmend schwieriger.

Der Leiter des Kreisjugendamts, Stefan Pruy (li.), gibt nach 37 Jahren im November sein Amt an Andre Schielein (2.v.li.) ab.Foto: Distler
Der Leiter des Kreisjugendamts, Stefan Pruy (li.), gibt nach 37 Jahren im November sein Amt an Andre Schielein (2.v.li.) ab.Foto: Distler

Die Folgen reichen von Angst vor der Schule, der Verweigerung, in die Schule zu gehen, bis zur stationären psychiatrischen Behandlung. Vor diesem Hintergrund gerieten die Schulen an ihre Grenzen, führte die Jugendhilfeplanerin Daniela Herbrecher aus. Deshalb sei die Aufstockung der Stellen im Zuge der Jugendhilfeplanung zu befürworten.

Jugendarbeit unter der Lupe

In einer Präsentation von Daniela Herbrecher ging es außerdem um die Frage, ob der Kreisjugendring weitere Mitarbeiter braucht oder nicht. Dazu hatten die Grünen im April 2018 einen Antrag gestellt. Doch der war vertagt worden, bis die Daten auf dem Tisch liegen. Das tun sie jetzt – doch trotz umfangreicher Befragungen, Analysen und Erhebungen „lässt sich daraus nicht klar ableiten, dass es zusätzliches Personal braucht“, erklärt Herbrecher. Denn Jugendarbeit lässt sich nicht in allen Aspekten in Zahlen messen.

Jubiläum

Sie gehen mit Kindern durch Krisen

Neumarkts Jugendpfleger betreuen seit 25 Jahren Kinder. Doch sie helfen auch, wenn Jugendliche auf die schiefe Bahn geraten.

„Es ist vor allem eine politische Entscheidung, wie Jugendarbeit im Landkreis aussehen und wie sie gefördert werden soll“, erläutert die Jugendhilfeplanerin. Deshalb werden sich sicherlich noch der Kreisausschuss und der Kreistag damit befassen. Da per Gesetz sowohl die Gemeinden als auch der Landkreis für Jugendarbeit zuständig ist, gilt es zu klären, wer welche Aufgaben übernimmt.

In dieser Bildergalerie finden Sie Angebote der Jugendpflege Neumarkt:

Angebote der Jugendpflege Neumarkt

Denn in den Gemeinden nimmt Jugendarbeit teilweise einen sehr unterschiedlichen Stellenwert ein. So beschäftigten 2018 beispielsweise neun der 19 Gemeinden einen hauptamtlichen Mitarbeiter, ein offener Jugendtreff fehlt nur in sieben Gemeinden, dafür werden Jugendliche nur in fünf Kommunen an politischen Entscheidungsprozessen beteiligt.

Die Gemeinden bei ihrer Jugendarbeit zu unterstützen oder notwendige Strukturen aufzubauen, ist ebenfalls Aufgabe des Kreisjugendpflegers und Kreisjugendring. Unterstützung bieten dafür zahlreiche Ehrenamtliche.

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