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Fazit

Neumarkts Passionsspiel-Familie sagt Ade

Rund 500 Mitwirkende füllten sechs Wochen lang ihre Aufgaben sehr engagiert aus. Nur einige Gäste sorgten für Misstöne.
Von Lothar Röhrl

  • 18 Mal gab es Stehende Ovationen: Das war der Lohn für die Passionsspielgemeinde bei der besonderen Applausordnung. Foto: Röhrl
  • Einige Uniformträger wie hier Erwin Zachmeier vom Sicherheitsdienst Wildfeuer sorgten dafür, dass alles in geregelten Bahnen ablaufen sollte. Foto: Röhrl
  • Wilma Hofbeck (vorne rechts) zeigt hier, welche gedrucktes Souvenir erworben werden konnte. Foto: Röhrl

Neumarkt.Die Passionsspiele 2019 sind zu Ende. Damit ist die Zeit für eine Aufarbeitung eines Ereignisses gekommen, das Gäste aus ganz Deutschland und aus Österreich nach Neumarkt geführt hat. Darin geht es um Erlebnisse und Fakten, von denen Mitwirkende und Zuschauer gleichsam berührt wurden.

Die Ersten waren oft die Letzten

Günter Gabsch (vorne rechts) führte das Catering-Team an. Die Damen und Herren wendeten während der Spielzeit mit die meiste Zeit auf.  Foto: Röhrl
Günter Gabsch (vorne rechts) führte das Catering-Team an. Die Damen und Herren wendeten während der Spielzeit mit die meiste Zeit auf. Foto: Röhrl

Sie kamen als allererste in die Halle und oft machten die meisten von ihnen auch das Licht aus. Ohne sie hätten Zuschauer, aber auch Spieler und Sänger auf Stärkungen verzichten müssen. Und manchen Akteuren haben sie schon von weitem deren Wünsche von ihren Augen abgelesen. Eine spezielle Rolle haben die Damen und Herren des Catering-Teams bei diesen Passionsspielen eingenommen. Der Leiter dieser Sparte, Günter Gabsch (vorne rechts), ist begeistert gewesen, wie pünktlich, engagiert und ohne schlechte Laune sich das Team der Aufgabe gestellt hat.

Diese war über die sechs Wochen der Aufführungszeit von einem festen Takt bestimmt worden. Spätestens zwei Stunden vor Beginn einer Aufführung war das Team vor Ort. Die erste Rushhour gab es dann eine halbe Stunde vor Beginn; stressiger wurde es während der halbstündigen Pause zwischen den Bildern zehn und elf. Und munter auf Trapp gehalten wurden die Kräfte von Besuchern und Akteuren nach jeder Aufführung.

Hier sehen Sie den Abbau im Video:

Der Abbau der Neumarkter Passionsspiele

Die ruhigsten Momente gab es bei jeder Aufführung während der Begrüßung der Gäste durch Domkapitular Norbert Winner, dem Präses des Veranstalters Kolpingsfamilie Neumarkt. Inklusive der folgenden ersten beiden Bilder, bei denen das Volk auf der Bühne war, kamen rund 20 Minuten Zeit zum Durchschnaufen zustande.

Für Günter Gabsch war der Einsatz nicht nur auf Freitag, Samstag und Sonntag eines jeden Spielwochenendes beschränkt. Unter der Woche war er damit beschäftigt, Leergut gegen Nachschub auszutauschen. Die größte Herausforderung wartete mit dem Karfreitag auf ihn. Gemäß dieses bedeutendsten aller Fastentage musste das komplette Angebot für die Zuschauer überdacht werden.

Fisch fiel aber aus, weil es hier Probleme beim Frischhalten gegeben hätte. Gabsch entschied sich für eine größere Auswahl an Käseprodukten. Und so wurde extra für das Catering an Karfreitag viel Frischkäse vorbereitet. Wie die Mittelbayerische erfuhr, lag der Catering-Chef damit genau richtig.

Ebenhöch fiel Stein vom Herzen

Co-Organisationschef Franz Ebenhöch zeigte sich stolz, wie kameradschaftlich alle Mitwirken miteinander umgegangen sind.  Foto: Röhrl
Co-Organisationschef Franz Ebenhöch zeigte sich stolz, wie kameradschaftlich alle Mitwirken miteinander umgegangen sind. Foto: Röhrl

„Hoffentlich bleiben alle gesund – wir haben für jede Rolle nur eine Besetzung“ – wie oft Franz Ebenhöch seit Monaten dieses Stoßgebet gen Himmel geschickt hatte, blieb ungezählt. Jetzt steht fest: Es wurde erhört. Ebenhöch freute sich auch im Namen seines Organsationsleiter-Pendants Franz Düring, dass alle immer mitwirken konnten – obwohl viele teils arg erkältet waren. „Ich bin stolz darauf, dass alles funktioniert hat.“ Fasziniert habe ihn die Kameradschaft, die alle miteinander gepflegt hätten.

Hier finden Sie noch mehr Infos über die Neumarkt Passionsspiele 2019:

https://www.mittelbayerische.de/region/neumarkt/passionsspiele-nachrichten/

Noch vor der letzten Aufführung am Freitag packte Ebenhöch an Gründonnerstag bei dem Trupp an, der mit ersten Abbaumaßnahmen befasst war. Mit Thomas Krauser, dem Technischen Leiter beider Hallen, wurde noch einmal abgestimmt, wie der schon am späten Abend des Karfreitags begonnene und am Karsamstag mit 100 Helfern fortgesetzte Abbau vor sich gehen würde.

Schon am Gründonnerstag begannen die ersten Arbeiten des Abbaus: Vor der Kleinen Jurahalle wurden die Pavillons vor den beiden Eingängen entfernt. Foto: Röhrl
Schon am Gründonnerstag begannen die ersten Arbeiten des Abbaus: Vor der Kleinen Jurahalle wurden die Pavillons vor den beiden Eingängen entfernt. Foto: Röhrl

Franz Ebenhöch ließ im Gespräch mit der Mittelbayerischen erkennen, dass es schon erste Überlegungen für eine Fortsetzung der Spiele in zehn Jahren gebe. Das liege nicht nur daran, dass bei der nun anfallenden Abrechnung ein Grundstock auf die hohe Kante zurückgelegt wird, mit dem das nächste Organisationsteam starten könnte. Ebenhöch zeigte sich davon angetan, dass schon viele Jüngere ihre Bereitschaft geäußert hätten, 2029 dabei zu sein. Dann würde er gerne auch einmal eine Rolle spielen – verriet er uns. Und vorher, im Jahr 2022, würde er gerne im Münster mit einer kleinen Aufführung von zwei, drei Szenen des 2019er-Spiels das Jubiläum „100 Jahre Passionsspiele Neumarkt“ feiern.

Welches Souvenir durfte es sein?

Welche Erinnerung bleibt? Das Textbuch mit Fotos der Besetzung der 2019er-Aufführung war von den Zuschauern ebenso zu erwerben wie eine Sonderprägung des Neumarkter Münzvereins. Damit gaben sich Neumarkts Spiele im Vergleich mit anderen Events dieser Art eher bescheiden.

Gezeter wegen eines Euros

Zwei Garderoben waren Pflicht – auch für die Zuschauer. Das wollten manche nicht verstehen.  Foto: Röhrl
Zwei Garderoben waren Pflicht – auch für die Zuschauer. Das wollten manche nicht verstehen. Foto: Röhrl


Jeder, der ein Theaterstück oder ein Konzert besucht, ist froh, dass es eine bewachte Garderobe gibt. Das sollte eigentlich der Normalfall sein. Bei den Passionsspielen in Neumarkt war das oft aber nicht so. Ob einheimische oder auswärtige Besucher: das Unverständnis über den Zwang, Jacken und Mäntel an den Garderoben nahe beider Eingänge abgeben zu müssen, war gleich groß. Oft entstanden längere Diskussionen und manchesmal gab es sogar das eine oder andere böse Wort für die Helferinnen und Helfer von Garderobe-Chefin Petra Großhauser.

Die wunderte sich, wie wenig locker der eine Euro an Gebühr für die Garderobe bei vielen Besuchern sitzen wollte. „Das hat uns richtig angestrengt“, bekannte Großhauser im Namen ihrer Mitarbeiter. Dabei taten die nur, was in Sachen Brandschutz sowie feuerpolizeiliche und sicherheitstechnische Vorgaben in Deutschland Standard ist.

18 Mal stehende Ovationen

Dieser Vorschlag von Regisseur Michael Ritz war anfangs nicht unumstritten: Sollen alle Akteure wirklich nach dem letzten, dem 19. Bild beim Aufhellen des Hallenlichts herausgehen und sich möglichem Beifall des Publikums stellen? Zur Erinnerung: 2009 hatte jede Aufführung mit Schlussapplaus ohne Anwesenheit der Akteure geendet. Der Vorschlag von Ritz setzte sich durch. Die Spieler freuten sich, als sie merkten, dass es dem Publikum sogar sehr wichtig war, sich mit Beifall zu bedanken. Die von Jesus-Darsteller Thomas Fries in einer langen Reihe aufgereihten Akteure dankten mit Beifall an die Zuschauer zurück sowie Aufmunterung für ihre Mitspieler.

Auf diese Weise konnten sie auch feststellen, dass jede der 18 Aufführungen tatsächlich restlos ausverkauft war. 18 mal 904 Zuschauer sahen die Neumarkter Passionsspiele 2019.

Wir begleiten die Passionsspiele ausführlich mit vielen Bildern, Videos und Hintergrundberichten. In unserer Serie sind unter anderem schon erschienen:

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