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Medizin

Notfallzentrum Neumarkt: Neuer Chefarzt

Immer mehr Patienten brauchen eine kompetente Behandlung. Dr. Harald Hennig setzt auf das „Manchester-Triage-System“.
Von Stefanie Roth

Von links: Personalratsvorsitzender Richard Feihl, Klinik-Vorstand Peter Weymayr, Chefarzt Dr. Harald Hennig, Landrat Willibald Gailler und ärztlicher Leiter Dr. Thomas Ebersberger. Foto: Roth
Von links: Personalratsvorsitzender Richard Feihl, Klinik-Vorstand Peter Weymayr, Chefarzt Dr. Harald Hennig, Landrat Willibald Gailler und ärztlicher Leiter Dr. Thomas Ebersberger. Foto: Roth

Neumarkt.Jeder, der selbst schon einmal in der Notaufnahme war, weiß wie wichtig es ist, sich dort gut aufgehoben zu fühlen. Bisher kümmerten sich am Klinikum Neumarkt drei fest zugeordnete Fachärzte sowie bei Bedarf Oberärzte oder Assistenzärzte weiterer Disziplinen vor Ort um die Patienten. Nicht immer aber ist auf den ersten Blick erkennbar, welches Fachgebiet überhaupt das Richtige ist. Um besser auf die Bedürfnisse des Patienten einzugehen, hat das Klinikum Neumarkt nun das Notfallzentrum gegründet, dessen Chefarzt seit 1. Juli Dr. Harald Hennig ist.

„Notaufnahmen sind ein klassisches Nadelöhr. Man muss sie optimal gestalten, damit eine ambulante oder stationäre Behandlung gut ablaufen kann“, sagte Hennig im Pressetermin mit Landrat Willibald Gailler. Immer mehr Patienten benötigten eine schnelle kompetente Versorgung, erläuterte Peter Weymayr, Vorstand Kliniken des Landkreises Neumarkt. Er führte Zahlen an: Wurden 2009 noch etwa 20.000 Patienten in der Notaufnahme erstversorgt, waren es 2017 bereits 30.000 – eine Steigerung um 50 Prozent. Umso wichtiger sei es, im Notfall die richte Entscheidung zu treffen: „Was ambulant geht, darf nicht in der Klinik bleiben.“ Ziel sei es nun, mit einer erweiterten Besetzung von Fachärzten an sieben Tagen in der Woche – von Montag bis Sonntag – Facharztstandard zu erreichen.

Notfallzentrum bekommt neuen Chefarzt

Kommt ein Patient mit dem Rettungsdienst in die Notaufnahme, muss schnell gehandelt werden. Foto: Roth
Kommt ein Patient mit dem Rettungsdienst in die Notaufnahme, muss schnell gehandelt werden. Foto: Roth

Dr. Hennig sei für die Stelle der passende Kandidat, weil er „der richtige Mann zur richtigen Zeit ist“, erläutert Weymayr seine Wahl für den 17. Chefarzt. Hennig bringe entscheidende Zusatzbezeichnungen in der Notfallmedizin mit, die für die künftige Entwicklung der Klinik bedeutend sind. Denn diese strebt an, in Zukunft nach dem sogenannten DGINA Zert ausgezeichnet zu werden. Die Deutsche Gesellschaft Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin, kurz gesagt DGINA, weist damit internationale Standards für Abläufe und Prozesse in Notaufnahmen aus.

Harald Hennig kennt bereits gewisse Standards aus seiner vorausgegangenen Klinik-Zeit in den Niederlanden und wird künftig die „Patientenströme dirigieren“, wie er sagt. Seit 2012 arbeitete er in den Niederlanden als Oberarzt in der interdisziplinären Notaufnahme der Universitätsklinik Leiden.

„Manchester-Triage-System“ angedacht

„Hier gab es ein anderes System“, erklärt der Mediziner. „Hier hat man sich schon viel früher entschieden, die Notfallmedizin zu implementieren.“ Er weist dabei auch auf den deutschen Gesetzgeber hin, der in puncto notfallmedizinische Versorgung bis 2020 einiges in Angriff nehmen will. Im Hinblick darauf will Hennig seinen Fokus darauf legen, standardisiert vorzugehen sowie Behandlungspfade bei bestimmten Krankheitsbildern einzuführen. Er möchte das sogenannte „Manchester-Triage-System“ einführen. Damit lasse sich die Prioritätsstufe der Behandlung gut einschätzen. Hennig weiß: „Notfallzentren sind ein sehr arbeitsintensiver Bereich.“ Daher sei es ihm wichtig, seine Mitarbeiter zu motivieren. In einer Kennenlern-Runde will er Wünsche erfragen und darauf eingehen. Er will wissen, wo die Bedürfnisse jedes Einzelnen liegen oder welche Weiter- und Fortbildungskurse jemand besuchen möchte, um das Anforderungsprofil an die tägliche Arbeit zu schärfen.

Neumarkter Klinikum: Wie man das Team motiviert

In der Bereitschaftspraxis werden die Patienten aufgenommen, wenn sie außerhalb der Praxiszeiten Schmerzen haben. Foto: Roth
In der Bereitschaftspraxis werden die Patienten aufgenommen, wenn sie außerhalb der Praxiszeiten Schmerzen haben. Foto: Roth

„Die Teamleistung hängt von jeder einzelnen Person ab“, sagt der gebürtige Baden-Württemberger, der auf eine breite Praxis-Erfahrung zurückblickt. Hennig hatte selbst zuerst eine Ausbildung zum Krankenpfleger absolviert, bevor er Medizin studierte und Facharzt für Anästhesiologie wurde. Dann hängte er noch einen Master of Medical Education (MME) an der Universität Bern dran.

„Eine Notaufnahme ist kein 24-Stunden-Hausarzt.“

Dr. Thomas Ebersberger, Ärztlicher Leiter am Klinikum Neumarkt

Die Oberpfalz ist für Hennig eine ganze neue Umgebung. Klar war für ihn allerdings sofort, dass seine Frau und seine beiden Kinder aus den Niederlanden mit ihm nach Bayern ziehen. Bei den ersten Wanderungen hat der Familienvater die Region auch schon ein bisschen erkundet.

Tipps für den Ernstfall

Mit einem Ernstfall rechnet im Alltag eigentlich niemand. Dennoch lohnt es sich, auf alles vorbereitet zu sein. Daher gibt Hennig den Tipp, zum Beispiel eine Medikamenten-Liste im Geldbeutel vorzubereiten. Auf der Versichterten-Karte seien solche Dinge nicht abgespeichert. Vor allem bei älteren Menschen ist dies von großer Bedeutung, um sie optimal zu behandeln. „Je mehr Infos man als Patient mitbringt, umso leichter wird die Diagnose“, sagt er.

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