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Nürnberg

Nürnberg: Verein soll Pilatushaus retten

Außen hui, innen pfui: Nürnberg will das Pilatushaus loswerden. Die Altstadtfreunde sollen das Bürgerhaus nun übernehmen.
Von Nikolas Pelke

Die Stadt Nürnberg will das Pilatushaus unterhalb der Kaiserburg aus Kostengründen an den Verein der Altstadtfreunde abtreten. Foto: Pelke
Die Stadt Nürnberg will das Pilatushaus unterhalb der Kaiserburg aus Kostengründen an den Verein der Altstadtfreunde abtreten. Foto: Pelke

Nürnberg.Das Nürnberger Pilatushaus mit dem geharnischten Drachentöter über dem Eingang steht seit sechs Jahren leer. Nun will die Stadt den Prachtbau an den Verein der Altstadtfreunde abtreten.

Nach über fünf Jahren hat man im Rathaus offenbar noch immer nicht die Kraft gefunden, einen tragfähigen Zukunftsplan für eines der wichtigsten Baudenkmäler der gesamten Altstadt auf den Weg zu bringen. Der städtische Hilfeschrei klingt wie ein Offenbarungseid.

Die Gespräche mit der Stadt seien laut dem Vorsitzenden der Altstadtfreunde, Karl-Heinz Enderle, in Gang gekommen, weil das historische Pilatushaus seit nunmehr bereits sechs Jahren leer steht – ohne, dass sich auf städtischer Seite in dieser langen Zeit etwas bewegt hätte. „Die Sanierung wurde, wie bei so vielen Projekten der Stadt, immer wieder hinausgeschoben. So kamen Signale aus der Verwaltung, ob hier nicht die Altstadtfreunde tätig werden könnten“, berichtet Karl-Heinz Enderle auf Anfrage dieser Zeitung.

Die sechs Wohnungen in dem mondänen Pilatushaus stehen inzwischen seit Jahren leer. Aufgrund von Einsturzgefahr wird der siebenstöckige Fachwerkbau mit dem Sandsteinsockel derzeit von unten bis oben abgestützt. „Nach vorsichtiger Schätzung kostet allein die statische Ertüchtigung des Pilatushauses mindestens 600 000 Euro“, erklärt Wirtschaftsreferent Michael Fraas (CSU), der für die städtischen Liegenschaften zuständig ist, hierzu auf Anfrage.

Mindestens weitere fünf Millionen Euro würde die übrige Sanierung kosten, sagt Fraas und erklärt, dass Nürnberg derzeit weder über das nötige Geld noch über ausreichende Kapazitäten in den Baudienststellen verfüge. „Für dieses Geld kann man andernorts in der Stadt mehr neuen Wohnraum errichten“, sagt Fraas und will damit Kritiker im Hinblick auf den Wohnungsmangel besänftigen.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Pilatushaus:

Verein soll Pilatushaus retten

  • Pilatushaus:

  • Das spätgotische Wohnhaus wurde 1489 erbaut und gehörte dem Harnischmacher Hans Grünwald, der teure Ritterrüstungen hauptsächlich für Adlige fertigte.

  • Sanierungskosten:

  • Die Stadt rechnet mit Sanierungskosten in Höhe von rund 5,5 Millionen Euro.

  • Altstadtfreunde:

  • Der Verein wurde 1950 zur Erhaltung und Restaurierung der noch existierenden Altstadt gegründet. (npe)

Bürger sind empört

Brisant dürfte das Pilatushaus für die Stadtpolitik trotzdem bleiben. Zu offensichtlich wird den Bürgern hier eine Verschiebung der politischen Prioritäten vor Augen geführt. Pikant ist die Sache, weil die Stadt laut Karl-Heinz Enderle in den 1920er- und 1930er-Jahren die wertvollsten Häuser in der Altstadt wie das Fembo-, Peller- oder eben das Pilatushaus ganz gezielt erworben habe. Dagegen siedele die Stadt den Stellenwert der historischen Altstadt „heute weit unten“ an. Viele Bürger seien laut Enderle empört über den offensichtlichen Bewusstseinswandel im Rathaus.

Derweil hätten beide Seiten wohl am liebsten hinter verschlossenen Türen verhandelt, um den Sanierungsfall möglichst lautlos zu lösen. Von einem Durchbruch ist man offenbar noch weit entfernt. „Die Gespräche sind noch sehr unkonkret. Bevor wir uns auf das Wagnis einlassen, muss geklärt werden, was an Zuschüssen aus der Städtebauförderung und aus dem Entschädigungsfonds des Landesamts für Denkmalpflege zu erwarten wäre“, sagt Karl-Heinz Enderle und erklärt, dass die Altstadtfreunde selbstverständlich daran interessiert seien, das stolze Bürgerhaus beim Tiergärtnertor vor dem Verfall zu retten. Bei dem 1489 errichteten Prachtbau mit dem geharnischten Drachentöter als stolze Erkerfigur handele es sich schließlich um das herausragendste Fachwerkhaus, das jemals von einem Privatmann in der Nürnberger Altstadt errichtet worden sei. Außerdem habe in dem Haus mit Hans von Aufseß der Gründer des Germanischen Nationalmuseums gewohnt. „Noch heute ist das Aufseß-Wappen über der Eingangstüre zu sehen“, schwärmt der Vorsitzende der Altstadtfreunde.

Stadt mit Selbstkritik

Der großen Geschichte ist man sich auch im Rathaus trotz leerer Kassen ebenfalls bewusst. „Unser Ziel war und ist es nicht, das Pilatushaus zu verkaufen“, versichert Wirtschaftsreferent Michael Fraas (CSU). Man sei sich der Verantwortung bewusst. Bedauerlicherweise dauere das städtische Standardverfahren für die Restaurierung maroder Gebäuden viel zu lange, erklärt der Wirtschaftsreferent selbstkritisch. „Bei den Altstadtfreunden wäre das Pilatushaus in guten Händen“, ist sich Fraas sicher. Die Stadt könnte das Pilatushaus beispielsweise an den Verein verpachten. Auch einen Verkauf will Fraas im Gegensatz zum städtischen Baureferenten, Daniel F. Ulrich, ausdrücklich nicht ausschließen. Ulrich hatte in einem Interview die Stadt davor gewarnt, ihre „Kronjuwelen“ zu verkaufen. Am Ende wird neben dem Denkmalschutz wohl das liebe Geld den Ausschlag geben, wie es mit dem „Haus zum geharnischte Mann“ in Nürnberg weitergeht.

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