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Nürnberg

Nürnberger Doku-Zentrum wird erweitert

Das Dokumentationszentrum wird für 15 Millionen Euro erweitert, um mehr Platz für die vielen Besucher zu schaffen.
Von Nikolas Pelke

Das Dokuzentrum hat sich als Besuchermagnet erwiesen. Foto: Pelke
Das Dokuzentrum hat sich als Besuchermagnet erwiesen. Foto: Pelke

Nürnberg.Kein Museum in Nürnberg lockt mehr Besucher an. Nun wird das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände für rund 15 Millionen Euro erweitert, um mehr Platz für das Publikum zu schaffen.

Mittlerweile kommen jedes Jahr über 250000 Besucher in das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg. Bei der Planung ist die Stadt noch von bescheidenen hunderttausend Gästen pro Jahr ausgegangen. „Der Erfolg hat uns überrollt“, hat Kulturreferentin Julia Lehner (CSU) bei der Vorstellung der Ausbaupläne gesagt. Das Doku-Zentrum sei mittlerweile eines der wichtigsten Aushängeschilder der Stadt.

Die wissenschaftlichen Mitarbeiter haben zuletzt ihre Büros bereits räumen müssen, um mehr Platz für die Besuchermassen zu schaffen. Nun hat sich die Stadt entschlossen, das 2001 eröffnete Haus mit Hilfe des Bundes und des Freistaates für rund 15 Millionen Euro zu erweitern. Die Arbeiten sollen im Jahr 2019 beginnen und 2021 fertig gestellt werden. Als wichtigste Neuerung soll der Eingangsbereich in das ebenerdige Sockelgeschoss verlagert werden.

Bislang mussten die vielen Besucher über eine schmale Treppe zum hochgelegenen Eingang laufen. Schüler und Senioren sind sich hier häufig ins Gehege gekommen. Rund die Hälfte der Besucher kommt aus dem Ausland. Darunter sind viele ältere Gäste aus Amerika, England und Australien, die Nürnberg mit dem Schiff im Rahmen einer Flusskreuzfahrt besuchen. Durch eine Verlagerung des Eingangsbereiches soll diesen Besuchergruppen ein barrierefreier Zugang ermöglicht werden.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Dokumentationszentrum:

Das Doku-Zentrum

  • Besucher:

    Die Hälfte der rund 275 000 Besucher kommt aus dem Ausland. Führend sind Gäste aus dem angelsächsischen Sprachraum. Starkes Interesse an der Thematik zeigen Besucher aus Frankreich, Spanien und Italien. Die Fidschi-Inseln tauchen ebenso auf.

  • Kinder:

    Die Ausstellung des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände ist nicht geeignet für Kinder unter 14 Jahre.

Zusätzlicher Seminarraum

Außerdem soll ein zusätzlicher Seminarraum insbesondere für Schulklassen entstehen. Das Serviceangebot von den Toiletten bis zur Gastronomie soll ebenfalls erweitert werden. Außerdem ist ein Museumsshop geplant. Hier sollen die Besucher ihren neu entstandenen Wissensdurst nach dem Rundgang mit Literatur stillen können.

An dem einzigartigen Erscheinungsbild soll durch den Ausbau dagegen möglichst wenig geändert werden. Die prägnante Architektur hat vor 20 Jahren Günther Domenig entworfen. Wie ein Stachel sitzt das Museum Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände im Fleisch der nationalsozialistischen Vergangenheit.

Der mittlerweile verstorbene Architekturprofessor aus Graz hatte seinerzeit die geniale Idee, den unvollendeten NS-Prachtbau mit einem gläsernen Pfahl regelrecht zu durchtrennen. Die 130 Meter lange Glasröhre zerschneidet diagonal die rechtwinklige Geometrie der überdimensionalen Kongresshalle, die mit ihren wuchtigen Säulen und riesigen Hallen noch heute jedem Besucher die Gigantomanie der Nazi-Herrschaft eindrucksvoll vor Augen führt.

Als Nürnberg in der Mitte der 90er Jahre das Doku-Zentrum plante, warnten laut Museumschef Florian Dierl viele Kritiker die Stadt vor der Gefahr einer möglichen Verherrlichung der Nazi-Zeit. Die Ausstellung in dem neuen Museum wollte erstmals auch die faszinierende Seite der Nazis in den Mittelpunkt stehen.

Oscar Schneider, der ehemalige CSU-Bundesbauminister aus Nürnberg, erinnert sich noch gut an diese Diskussion. Umso mehr freut sich der 92-jährige Sprecher des Museumskuratoriums darüber, dass das Doku-Zentrum heute so anerkannt und erfolgreich ist.

Fakten und auch Hintergründe

In Nürnberg würden nicht nur Fakten vermittelt, sondern die tatsächlichen Hintergründe über Ursachen und Ziele der Reichsparteitage erklärt. „Es wird gezeigt, wer hier gefeiert hat, wer hier Gast gewesen ist und wer hier Adolf Hitler zugejubelt hat“, hat Oscar Schneider bei der Vorstellung der Ausbaupläne in Nürnberg betont. Schneider erinnerte daran, dass keineswegs nur Deutsche auf den Tribünen gesessen seien. Auf den Ehrenplätzen hätten viele Diplomaten aus aller Welt Platz genommen. Der französische Botschafter hat laut Museumschef Florian Dierl nach einem Parteitag die Stadt voller Bewunderung verlassen.

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