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Region Neumarkt
Donnerstag, 19. Juli 2018 28° 1

Gefahr

Parsberg: Kleine Raupen machen Ärger

Der Eichenprozessionsspinner hält die Kommunen auf Trab. Die winzigen Härchen lösen allergische Reaktionen aus.
Von Peter Tost

Stefan Schmidmeier und Gerhard Behringer (v. l.) von der Parsberger Stadtverwaltung kümmern sich um das Problem. Foto: Tost
Stefan Schmidmeier und Gerhard Behringer (v. l.) von der Parsberger Stadtverwaltung kümmern sich um das Problem. Foto: Tost

Parsberg.Der Eichenprozessionsspinner macht auch vor Parsberg und Velburg nicht halt. Es handelt sich dabei um einen Nachtfalter, der im ausgewachsenen Zustand für Mensch und Tier harmlos ist, wie beim bayerischen Gesundheitsministerium zu erfahren ist. Seine Raupen allerdings entwickeln zum Schutz vor natürlichen Feinden feine Haare, die beim Menschen allergische Reaktionen auslösen können.

Nachdem in Willenhofen am Sportplatz sowie in Parsberg im Bereich des Freizeitzentrums befallene Eichen entdeckt wurden, ist die Stadt Parsberg aktiv geworden. „Auch im Freibad ist bei einem Baum ein Nest entdeckt worden“, sagt Stefan Schmidmeier, der Leiter der Stadtverwaltung. Das habe man gleich am Dienstag entfernt.

Die feinen Härchen der Raupe des Eichenprozessionsspinners sind giftig. Foto: Patrick Pleul/dpa
Die feinen Härchen der Raupe des Eichenprozessionsspinners sind giftig. Foto: Patrick Pleul/dpa

Eine Gefahr für die Badegäste gehe von dem Nest allerdings nicht aus, wenn man den nötigen Abstand halte. „Wir orientieren uns dabei an den Empfehlungen des Regensburger Gartenfachberaters Torsten Mierswa“, erklärt Schmidmeier. Der Experte sage deutlich, dass Absperrungen und Hinweisschilder ausreichend seien. Eichen deswegen zu fällen, sei der falsche Weg.

„Mierswa sagt auch, dass man keine Angst haben müsse, aber man müsse mit dem nötigen Respekt an die Sache herangehen.“ Wenn man der Berührung mit den Raupen aus dem Weg gehe, bleibe man auch verschont. Selbstverständlich sei immer Vorsicht geboten, wenn man an Eichen vorbeigehe – und man sollte nicht neugierig sein.

Intensive Kontrollen

„Wegen des aktuellen Auftretens von Nestern des Eichenprozessionsspinners beobachten wir ganz intensiv Spielplätze und die Grünflächen der Kindergärten sowie öffentlichen Plätze und Bereiche mit Eichen auf einen eventuellen Befall, um schnell reagieren zu können“, erklärt Schmidmeier das Vorgehen der Stadt.

Bei stark frequentierten Bereichen wie etwa beim Freizeitzentrum ist die Entfernung der Nester geplant. „Das erledigt eine Spezialfirma durch Absaugen.“ Für Bürger, die auf ihren Privatgrundstücken einen Befall durch die Raupen feststellen, hat die Stadt entsprechende Warnschilder drucken lassen, die im Bürgerbüro abgeholt werden können, betont zweiter Bürgermeister Jakob Wittmann. Die Grundstückseigentümer seien in diesem Fall in der Pflicht.

So sieht ein Nest mit Eichen-Prozessionsspinnern an einem Baum aus. Foto: Bodo Marks/dpa
So sieht ein Nest mit Eichen-Prozessionsspinnern an einem Baum aus. Foto: Bodo Marks/dpa

Die Situation in den umliegenden Gemeinden hängt stark von der Anzahl der Eichen ab. „Wir haben keine Erkenntnisse, dass es im Gemeindebereich einen Befall durch den Eichenprozessionsspinner gibt“, sagt der Hohenfelser Bürgermeister Bernhard Graf. Die Anzahl der Eichen sei sehr gering. Das sagt auch sein Lupburger Amtskollege Manfred Hauser. „Wir hatten letzten Jahr ein Nest, das wir sofort entfernen ließen. Dieses Jahr ist uns bislang nichts gemeldet worden.“ Der Seubersdorfer Rathauschef Eduard Meier berichtet auf Nachfrage von einem befallenen Baum, von dem das Nest entfernt wurde. Auch auf einem Privatgrundstück habe der Eichenprozessionsspinner einen Baum befallen. „Insgesamt hält sich das Problem noch in Grenzen, aber ich befürchte ganz massiv, dass es schlimmer wird.“

„Wer einen befallenen Baum sieht, sollte das der Stadt melden.“

Zweiter Bürgermeister Jakob Wittmann

Dieser Meinung ist auch Gartenfachberater Torsten Mierswa. Laut seinen Beobachtungen stieg die Population in den vergangenen beiden Jahren stark an. Das liege daran, dass immer nur ein kleiner Teil des Eichenprozessionsspinners bekämpft werden könne. „In Eichenwäldern, größeren Gruppen oder auch an Einzelbäumen wird man mit herkömmlichen Mitteln keine Bekämpfung durchführen können.“

Lesen Sie außerdem: Das Wasserwirtschaftsamt warnt Spaziergänger und Radler im Raum Neumarkt vor dem Eichenprozessionsspinner am Kanal.

Bushaltestelle verlegt

Ein größeres Problem mit dem Eichenprozessionsspinner hatte man in Velburg Ende vergangener Woche. Laut Bürgermeister Bernhard Kraus waren im Bereich der Parkplätze und der Bushaltestelle zwölf Eichen von Nestern befallen. „Schulleitung und Stadtverwaltung haben schnell reagiert und den Bereich abgesperrt.“ Damit die Schüler nicht unter den betroffenen Eichen durchgehen mussten, wurde zusammen mit der Parsberger Polizei eine provisorische Bushaltestelle an anderer Stelle eingerichtet. „Noch am Freitag hat eine Fachfirma die Nester abgesaugt“, betont Bernhard Kraus.

Beim Entfernen der Nester ist Schutzkleidung dringend notwendig. Foto: Sinzenhauser/Feuerwehr Kelheim
Beim Entfernen der Nester ist Schutzkleidung dringend notwendig. Foto: Sinzenhauser/Feuerwehr Kelheim

Da sich im Gras eventuell noch einige der gefährlichen Härchen der Raupen verstecken könnten, seien diese Bereiche unter den Bäumen bis zum nächsten Regen weiterhin abgesperrt. „Notfalls lassen wir sie von der Feuerwehr beregnen“, sagt Bürgermeister Bernhard Kraus.

Die gute Nachricht: In 14 Tagen wird sich laut Fachleuten das Problem mit dem Eichenprozessionsspinner biologisch lösen, da sich die Raupen dann verpuppen – und zu einem harmlosen Falter weiterentwickeln.

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